Die Rote Zora: Tag 9

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Frosch und Fee und Catwoman. Kreativbolzen und Nati-Center Laura Neumann bloggt exklusiv von der Damen-WM in Tschechien. Mitten aus dem Herzen der deutschen Auswahl erzählt sie in ihrem Tagebuch vom unvergesslichen Alltag der Nationalmannschaft am Turnier der besten Floorball-Teams der Welt.

Zora, du Stück,

der heutige Tagesstart ähnelte dem gestrigen stark. Kurzzeitig hatte ich Probleme, auf dem linken Ohr Geräusche in Empfang zu nehmen, dank des Glockenklangs. Am Frühstücksbuffet duellierten wir uns mit dem polnischen und dem slowakischen Team. Diese Begegnung sollte uns als Trainingseinheit genügen.

Nach einem kurzen Theorie-Input und einer darauffolgenden Verarbeitungspause, in Form einer regenerativen Massage, bot mir der Nachmittag Raum für die Entfaltung meiner selbst. Da ich eines meiner Talente im akribischen Durchforsten von Sonderpreis-Teilchen in Shoppingtempeln sehe, wollte ich eben jenes weiter schulen. Diesmal erfolglos.

Es brachte sich mir später allerdings erfolgreich die Möglichkeit, meine sozialen Kontakte zu pflegen und das Internetz nach Neuigkeiten und Klatsch und Tratsch zu durchkämmen.

Zora, stell die vor, was meine Sehapparate lesen mussten. Schwere Kost für mich und mein zartes Gemüt. Mir wurde ein stilistischer Fauxpas unterstellt, ein Fehlgriff in meinen eigens angereisten Kleiderschrank, ein Style-No-Go. Die Schweizer Bande von unihockey.ch sang zwar ein knappes Loblied zu deinen Ehren (siehe „Ostrava Splitter„), kritisierte jedoch meine Obertrikotage. Das kann ich nicht auf mir sitzen lassen, denn die Eidgenossen missverstehen mein Outfit gar völlig falsch! Liebe Helvetier, ich trage Kostüme!

In der Begegnung Deutschland-Schweiz trug ich mein Froschkostüm! Hier ein Beweisfoto:

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Ich erwarte mir vom Frosch weite Sprünge und lange Schritte!

Die Partie Deutschland-Russland verlangte mein Feenkostüm.

Mit diesem, kann ich meinen Zauberstab optimal hexen lassen!

Das heutige Spiel bestritt ich als Catwoman.

Schnell und wendig und unglaublich böse!

Ich hoffe die Anspruchsvollen Redakteure urteilen nicht nochmals frühzeitig über eventuelle Entgleisungen meines Stilsicherheits-Zuges!

Nachdem ich diesen virtuellen Schock verdaut hatte, bäumte sich in mir ein Kampfgeist auf, ein Siegeswille, heute als Catwomen den Norwegerinnen ihren Rang abzulaufen.

Also Zora, wir starteten auch wirklich gut in das Spiel, hielten mit und erkämpften uns Chance für Chance. Der Spielstand entschied sich erst im letzten Drittel gegen uns. Nach etwa vier Gegentoren wurde klar, dass diese nur schwer auszugleichen sein würden. Die Brechstange kam zum Einsatz. Um es mit einer Floskel zu sagen: Beim Hobeln fallen Späne. Diese Späne lagen uns dann staubig und breit im Wege herum und wir mussten unsere Energie nutzen, um den Torraum zu säubern.

Niederlage. Die zweite des Turniers. Nichtsdestotrotz verließ ich das Spielfeld mit erhobenem Schopf und mit einem breiten Grinsen gen Tribüne.

Zora, du glaubst es nicht, wir haben einheimische Fans! Einige tschechische Floorball-Begeisterte fanden sich auf der blauen Bestuhlung ein, um im Takt zu klatschen und uns mit „Deutschland“-Rufen zu bestärken. Phänomenal!

Tja, nun ist es sicher, dass wir maximal Platz sieben erreichen können. Letzte Kräfte müssen mobilisiert und verletzte Spielerinnen bestmöglich ersetzt werden. Glücklicherweise ist keine der deutschen Damen ernsthaft verletzt, sodass wir morgen zumindest auf ihr lautes Anfeuerungs-Organ zählen können.

Das letzte Spiel der Weltmeisterschaft 2013 steht für meine Lieblingsmannschaft auf dem Plan. Die Polinnen wollen geschlagen werden.

Zora, ich bin guter Dinge und habe noch immer Platz für ein Paar Ballabdrücke auf meiner Haut. Über meine Kostümierung muss ich noch schlafen, hast du eine Idee? Vielleicht spiele ich morgen als rote Zora?!

Sleep tight, meine Zora.

Deine Laura

Foto: Iris Müller