Die Rote Zora: Kapitel 11

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Das letzte Kapitel. Kreativbolzen und Nati-Center Laura Neumann bloggt exklusiv von der Damen-WM in Tschechien. Mitten aus dem Herzen der deutschen Auswahl erzählt sie in ihrem Tagebuch vom unvergesslichen Alltag der Nationalmannschaft am Turnier der besten Floorball-Teams der Welt.

Meine liebste Zora,

letztmalig öffne ich dein silberglänzendes Gehäuse und hämmere auf deine Tasten ein.

Um dieses Ereignis zu zelebrieren, habe ich es mir besonders bequem gemacht, hier auf meiner Knautsch im heimischen Gefilde. Nebenher plätschert der Polizeiruf, die Wäsche rumort in der Maschine und es duftet nach Räuchermännel.

Tja, Zora, ich entschloss mich den gestrigen Abend zu genießen und erwachte am heutigen Morgen mit sehr positiven Gefühlen neben meinem Glockenturm. Abreise-Tag. Die Koffer waren gepackt und das Damen Nationalteam sammelte sich zur letzten gemeinsamen Frückstückerei in Ostrava. Der vermehrt noch nicht-nüchterne Magen nahm leider nur eine Kleinigkeit auf, allerdings bestand reges Geschwätz und weihnachtliche Vorhaben wurden kundgetan.

Die feierliche Abschiedszeremonie verlangte es, jede Spielerin herzlich zu umarmen und mit besten Wünschen gen Heimat zu verabschieden.

Ach Zora, die Girls sind mir nah ans Herz gewachsen und ich spürte eine heranrasende Sentimentalität im Tränenkanal.

Als all meine Konsumgüter und Mitbringsel im Vehikel verstaut waren und der Vroni zum Abschied gewinkt wurde, begann für unser kleines Grüppchen die Heimfahrt über Polen gen Ostdeutschland. Entspannung pur. Es wurde gelacht, gescherzt und geruht. Die Rückreise verging im Flug.

Angekommen bin ich zwar physisch, jedoch mental noch lange nicht!

Das war sie also schon wieder. Die WM-Woche. Die Siegerinnen stehen fest. Medaillen und Plaketten wurden verteilt. Für die fleißigen Organisatoren-Bienchen heißt es: Aufräumen; für die Spielerinnen: Wunden lecken und Fazit ziehen.

Meine zweite Damen Weltmeisterschaft war das reinste Zuckerschlecken, doch wie es der Kauleiste nach zu viel Süßwarenkonsum eben geht, der Zahn schmerzt.

Die Siegeswelle trug uns ganze vier Spiele mit sich. Dann, Ebbe. Glücklicherweise schwemmte die Welle Einiges an Euphorie-Treibholz und Teamgeist-Gicht mit sich.

Die Gefühle blieben im Herzen verankert und trösteten über die letzten Niederlagen des Turniers.

Klaro, Zora, hier und da stelle ich Vergleiche zur letzten WM in St. Gallen an, doch bin ich ehrlich, kann ich beide Turniere nur schwer gegenüberstellen. Meine Rolle in der Mannschaft war vor zwei Jahren eine ganz andere. Ich war eines der Küken im Team und stand unter Welpen-Schutz. In diesem Jahr hatte ich Verantwortung zu übernehmen und befand mich plötzlich in der Rolle der erfahrenen Spielerin. Ein Weg vom Tal Richtung Gipfel. Anstatt zu wandern bin ich allerdings mit dem Lift unterwegs! Rucki-zucki und doch, hatte ich mit Akklimatisierungsproblemen nicht zu kämpfen.

Der Stolz, der in mir herangewachsen ist, überragt alles bisher dagewesene. Ich habe es geschafft an meinen spielerischen Fähigkeiten zu arbeiten und zu wachsen.
Mein Weg mit dieser jungen Frauenschaft kann ein weiter werden, das spüre ich.

Ich bin noch lange nicht auf dem Gipfel angekommen. Der Lift brachte mich zwar ein Stück näher, doch die letzte Etappe will ich zu Fuß gehen. Meine Ausrüstung ist perfekt und die Willenskraft unermesslich.

Zora, schön, dass ich deine jungfräulichen Seiten besudeln durfte und dich an meiner Seite wusste. Du darfst dich jetzt ausruhen, aber bald, sehr bald, werde ich deine Seiten erneut mit meiner Innenwelt beklecksen.

Bis dahin verspreche ich dir, ein Höhentraining nach dem anderen zu absolvieren, um exzellent vorbereitet zu sein, wenn die Deutsche Flagge auf dem Gipfel gehisst wird!

Jetzt aktiviere ich noch fix den Weihnachtsmodus und kuschle mich in die Besinnlichkeit.

Frohes Fest Zora, und bis ganz bald!

Deine Laura

Foto: Iris Müller