„Die pfeifen sonst Futsal“

Rein das Ding - Der UHK Madrid im Einsatz in der 1. spanischen Liga. /Foto: Fabian Mieloch

Rein das Ding – Der UHK Madrid im Einsatz in der 1. spanischen Liga. /Foto: Fabian Mieloch

Große Leistungsgefälle, ein outgesourctes Schiedsrichterwesen, teure Hallenmieten: Nur einige Schlagworte zum aktuellen Stand von Floorball in Spanien. Fabian Mieloch war für vier Monate vor Ort und gibt Einblick in eine weitgehend unbekannte Floorball-Szene.

Fabian Mieloch hat u.a. beim TV Eiche Horn Bremen und in der Deutschen U19-Nati gespielt. Ende August zog es ihn im Rahmen seines Studiums für vier Monate nach Madrid. Natürlich spielte er in der spanischen Kapitale auch Floorball. Sein Team, der UHK Madrid, hat Männer-Teams in allen Spielklassen, nämlich in der 1. und 2. Liga – mehr gibt es in Spanien noch nicht. Für das Floorballmagazin wirft Mieloch einige Schlaglichter auf einen hierzulande weitgehend unbekannten Floorball-Kosmos.

Zum Niveau: „Das Level in der 1. Liga ist sehr unterschiedlich. Den ersten vier Teams würde ich zutrauen, auch in Deutschland in der 1. Bundesliga zu spielen, auch wenn es wohl nur für das unteren Mittelfeld reichen würde. Die weiteren sieben Mannschaften wären dafür zu schwach. Einige würden sogar in der 2. Bundesliga arge Probleme bekommen.“

Zu den Finanzen: „Floorball in Madrid ist deutlich teurer als in Deutschland. Die Lizenzgebühr pro Spieler und Jahr liegt bei 51 Euro. Dazu kam bei meinem Klub ein Vereinsbeitrag von 25 Euro pro Monat dazu und das, obwohl mein Verein ausschließlich Floorball angeboten hat.“

Zu den Schiedsrichtern: „Vor zwei Jahren haben sich die Spanier entschieden, ihr Schiedsrichterwesen umzustellen. Früher haben – wie in Deutschland – aktive und ehemalige Spieler die Spiele gepfiffen. Vor zwei Jahren hat man in Spanien jedoch eine professionelle Schiedsrichterfirma beauftragt, die Spiele mit Referees zu besetzen. Das führt dazu, dass professionelle Schiedsrichter die Floorballpartien leiten. Das mag sich auf den ersten Blick toll anhören, ist es aber nicht. Die Spiele werden von Schiedsrichtern geleitet, die nie einen Schläger in der Hand hatten und sonst Futsal und andere Sportarten pfeifen. Irgendein Gefühl für das Spiel darf man da leider nicht erwarten.“

Die spanischen Referees hatten selbst nie Schläger in der Hand. Dadurch fehlt es manchmal an Fingerspitzengefühl. /Foto: Fabian Mieloch

Die spanischen Referees hatten selbst nie Schläger in der Hand. Dadurch fehlt es manchmal an Fingerspitzengefühl. /Foto: Fabian Mieloch

Zu den Spieltagen: „Hallenmieten sind anscheinend sehr teuer in Spanien. Daher wird alles probiert, um die Zeit bei Spieltagen zu minimieren. Meistens wird die Halle erst 15 Minuten vor dem Bully gemietet. Was dazu führt, dass das Feld erst zehn Minuten vor dem Bully steht (auch bei Spitzenspielen der 1. Liga). Die Spielzeit beträgt dreimal 20 Minuten, wird in der 1. Liga aber nur im letzten Drittel effektiv gemessen (in der 2. Liga nur die letzten 5 Minuten des letzten Drittels). Die Drittelpause beträgt nur fünf Minuten, einen Seitenwechsel gibt es nicht. Bei Gleichstand gibt es auch keine Verlängerung, das Spiel endet dann eben Unentschieden. Des Weiteren gilt noch das 2-Punkte-System.“

Zum Nachwuchs: „In Spanien gibt es eine U16- und U13-Jugendliga. Während die unter 16-jährigen auf dem Großfeld spielen, zocken die unter 13-jährigen auf dem Kleinfeld. Die U13-Liga ist übrigens die einzige Liga, die auf dem Kleinfeld gespielt wird. Es gibt beim U13-Kleinfeld nur einen Schiedsrichter und im Gegensatz zu Deutschland wird die Liga nicht mit Turnierspieltagen ausgetragen, an denen mehrere Teams spielen. Vielmehr steht an einem Spieltag auch nur eine Partie auf dem Programm.“

Fabian Mieloch in Goalie-Montur. /Foto: Timo Warnken

Fabian Mieloch in Goalie-Montur. /Foto: Timo Warnken

P.S: „Ein kleiner Randaspekt, den man als unprofessionell bezeichnen könnte, der mir aber immer sehr gut gefallen hat: Vor und nach jedem Spiel, egal ob 1. oder 2. Liga, ist es selbstverständlich, dass beide Teams gemeinsam die Bande auf- bzw. abbauen. Sicherlich ist dies nur eine kleine Geste, jedoch hat dies immer ein gutes Klima zwischen den Teams geschaffen.“