Berwien Calling

Berwien vereint - Die Wienerinnen (weiß) und die Berlinerinnen (schwarz) in Gruppenpose. / Foto: SG Berlin

Berwien vereint – Die Wienerinnen (weiß) und die Berlinerinnen (schwarz) in Gruppenpose. / Foto: SG Berlin

Eine deutsch-österreichische Freundschaft rief das Projekt „BerWien“ ins Leben. Vergangene Woche reiste ein Wiener Damenteam in die Bundeshauptstadt und sorgte für sportkulturellen Austausch. Für Antonia Oelke, Abteilungsleiterin der SG Berlin, eine großartige Erfahrung.

Floorballmagazin: Wie kam es zur Bekanntschaft mit den Wiener Floorballerinnen? Wie zur Idee nach Berlin zu reisen und hier Freundschaftsspiele abzuhalten?

Antonia Oelke: Wir haben uns in Prag kennengelernt. Ursina Jäger aus Wien und unsere Spielerinnen Katrin und Conny haben vor einiger Zeit in Braunschweig gespielt und wurden gefragt, ob sie mit zu den Czech Open kommen. Also haben die sich ein paar Mädels je aus Wien und Berlin geschnappt und sind als Unterstüzung mitgefahren. Und die Czech Open sind magisch wie ihr wisst – spannende Gegner, Elite-Spiele zum Anschauen, tolles Wetter und gutes Essen, dazu die einzigartige Atmosphäre. Mittlerweile waren wir dreimal gemeinsam in Prag. Die Chemie zwischen den Teams stimmt, warum das Ganze also nicht mal als Freundschaftsspiel in Wien oder Berlin?

Wie sah das Wochenende aus, was habt ihr unternommen und wie liefen die Spiele ab?

Einige der Spielerinnen reisten bereits Freitag in der Früh an und wir haben eine tolle Sightseeing-Tour gemacht. Die anderen kamen am Abend nach. Insgesamt reisten elf Spielerinnen an. Samstag stand 10:30 Uhr das erste Spiel zwischen der SG Berlin und dem SU WFV an, das die Gäste mit 0:7 für sich entscheiden konnten. Nachmittags reiste der MFBC Grimma an und gewann mit 11:0 gegen die Wien. Sonntags gab es das Rückspiel SU WFV gegen SG Berlin, das nach einem 4:4 erst durchs Penalty-Schießen für Wien entschieden wurde. Ab mittags stießen die Herren von BAT sowie befreundete Herrenteams dazu und wir haben mit fünf gemischten Mannschaften ein Großfeldturnier ausgespielt. Zusammengefasst, tagsüber waren wir gemeinsam in der Halle und abends auswärts, teilweise haben die Spielerinnen auch bei uns übernachtet. Es war großartig. Wir haben uns auch bemüht viel Österreichisch zu lernen (lacht).

0:7 und 4:5 lauteten die Endergebnisse zwischen Berlin und Wien. / Foto: SG Berlin

0:7 und 4:5 lauteten die Endergebnisse zwischen Berlin und Wien. / Foto: SG Berlin

Also ging es auch um einen kulturellen Austausch?

Das Tolle an dem Wien-Besuch war die Floorball-Begeisterung. Also nach dem kompletten Tag in der Halle sitzt man abends um elf im Restaurant und redet über Gott und die Welt und plötzlich reden wieder alle von Floorball. Aber nicht, weil wir keine anderen Themen hätten, sondern weil alle Bock auf Floorball haben. Man muss ja bedenken, dass man nicht mal eben so aus Wien rüber kommt.

Hätte man dann nicht noch mehr Teams aus Deutschland dazuholen können?

Nun ja, was mir beim Planen mal wieder aufgefallen war, ist die Situation vom Damen-Floorball in Deutschland. Es gibt genau zwei Mannschaften die so halbwegs professionell sind – Weißenfels, die mit ihrem weiblichem Nachwuchs aber beim Gothia Cup unterwegs waren, und Grimma, die mir Mitte Dezember innerhalb von vierundzwanzig Stunden ihr Kommen bestätigt haben. Ich hatte ja auch andere Mannschaften bereits im September und Oktober oder dann nochmal im November angefragt, aber niemand wollte dann tatsächlich kommen, weil die Spielerinnen „lieber Grünkohl essen bei der Oma vom Freund“, wie es auch mal hieß. Bis auf einzelne Spielerinnen und zwei Vereine ist es einfach so, dass Floorball nicht die Prio eins ist. Also nicht, man sagt für Spieltage zu und legt den Rest woanders hin, sondern andersherum.

Was für Pläne habt ihr für die Zukunft? Reist Berlin jetzt nach Wien?

Berlin nach Wien wäre super, die Vienna Floorball Open wären eine solche Möglichkeit. Konkret ist noch nichts geplant, aber Fortsetzung folgt mit Sicherheit. Spätenstens in Prag sind wir aber wieder als „BerWien“ dabei.

Eine andere Reise steht ja noch an. Wie laufen eure Vorbereitungen fürs final4 auf Föhr?

Ich gebe zu, dass wir uns über Weihnachten und Neujahr noch nicht viel damit beschäftigt haben. Wir finalisieren aber gerade die Planungen und haben unsere Pakete schon gebucht.

Die Insel lockt?

Spannend ist es schon! Aus organisatorischer Sicht natürlich ein riesiger Aufwand aber immerhin für uns auch Premiere. Wenn sich ein paar floorballbegeisterte Zuschauer doch auf nach Föhr machen, kann das Event ein rundes Ding werden und Föhr wird Floorball.

Auch der MFBC Grimma reiste in die Hauptstadt an und besiegte Wien mit 11:0. / Foto: SG Berlin

Auch der MFBC Grimma reiste in die Hauptstadt an und besiegte Wien mit 11:0. / Foto: SG Berlin

Wie stehen die Chancen für das Berliner Team am Event? Ist das final4nachtturnier ein brauchbarer PlanB?

Wir werden im Halbfinale zum dritten Mal innerhalb von sieben Wochen auf den MFBC Grimma treffen. Klar ist im Pokal alles möglich, aber wie es auch die Liga bisher gezeigt hat, ist Grimma Berlin in der Entwicklung des Damen-Floorballs um einige Schritte voraus und so ein Nachtturnier fetzt ja auch. Aber wie das Wochenende gezeigt hat, ist so ein Floorball-Ausflug immer eine super Sache.