„Fuck Floorball!“

Manuel Mucha (Nr. 19, li.) findet sich mit seinem Klub Grünenmatt vorm letzten Spieltag der Saison plötzlich auf einem Playdown-Rang wieder. /Foto: Winfried Hinz

Manuel Mucha (Nr. 19, li.) findet sich mit seinem Klub Grünenmatt vorm letzten Spieltag der Saison plötzlich auf einem Playdown-Rang wieder. /Foto: Winfried Hinz

Verrückter wie am letzten Spieltag der Qualifikation in der Schweizer NLA geht es fast nicht mehr. Drei Teams kämpfen um zwei Playoff-Plätze, allesamt treffen sie auf besser klassierte Teams. Alle drei gewinnen. Mitten drin: die deutschen Nationalspieler Mucha, Mucha, Borth und Hühler.

Am Ende lässt sich alles zum ersten Spiel im neuen Jahr zurückverfolgen. Grünenmatt, damals 22 Punkte, verliert zuhause am 5. Januar, es ist der 19. Spieltag, 3:8 gegen die Kloten-Bülach Jets, 13 Punkte. Grünenmatt lag zu dem Zeitpunkt, wie eigentlich die ganze Saison, auf Playoff-Rang sieben. Die Jets dagegen abgeschlagen auf Rang zehn.

Eigentlich ist also nichts passiert, der Vorsprung von Grünenmatt auf die Jets beträgt weiterhin sechs Punkte. Doch Kloten startet nun unerwartet durch: Siege gegen St. Gallen, Köniz und, in einer Nachholpartie, beim Schlusslicht Mittelland, sorgen dafür, dass sich Grünenmatt, das nach der Niederlage nur einen weiteren Punkt holt, plötzlich auf Platz neun wieder findet: dem ersten Playdown-Rang.

Eine bittere Situation, besonders für Dominic und Manuel Mucha. Die deutschen Nationalspieler waren vor der Saison genau aus einem Grund von Mittelland nach Grünenmatt gewechselt: Sie wollten Playoffs spielen. Und nun wird ihr Klub genau einen Spieltag vor Ende der Qualifikation erstmals von einem Playoff-Rang verdrängt.

Punktgleich, aber mit besseren Torverhältnis gegenüber Grünenmatt, zittert auch Rychenberg-Winterthur um die Playoff-Teilnahme. Der HCR, mit Nationalkapitän Philipp Hühler und Stürmer Benjamin Borth im Kader, war letztes Jahr bis ins Halbfinale gekommen, hat bisher aber eine größtenteils ernüchternde Folgesaison erlebt.

Alle drei Teams sind in ihren Partien Außenseiter

Soweit zur Ausgangssituation vor jenem letzten 22. Spieltag am vergangenen Sonntag. Grünenmatt muss punkten und auf Ausrutscher der beiden Konkurrenten HCR und Kloten-Bülach hoffen. Angesichts derer Gegner eine nicht abwegige Hoffnung. Denn mit Köniz bzw. Chur treffen Rychenberg und Kloten-Bülach auf den Fünften bzw. Vierten, für die es jeweils noch um den Heimvorteil bei den Viertelfinal-Playoffs geht.

Grünenmatts Gegner GC Zürich hingegen kann weder nach oben noch unten rangieren, da er schon als Dritter feststeht. Das Duell beider Teams wird ein offensiver Schlagabtausch. Die frühe 3:1-Führung des Favoriten egalisiert Grünenmatt, danach geht es hin und her. In der 56. Minute gleicht Rüegger für die Grasshoppers zum 7:7 aus.

Benjamin Borth (li.) und seine HCR sind vor dem letzten Spieltag Achter. Nur das bessere Torverhältnis hält sie vor Grünenmatt. /Foto: Raphael Studer

Benjamin Borth (li.) und seine HCR sind vor dem letzten Spieltag Achter. Nur das bessere Torverhältnis hält sie vor Grünenmatt. /Foto: Raphael Studer

Zur selben Zeit in Köniz: Für den Gastgeber, aktueller Fünfter, geht es um das Heimrecht. Entsprechend gibt das Team des Schweizer Superstars Emanuel Antener den Ton an und scheint nach 45 Minuten durch Pillichody vorentscheidend 3:1 in Führung zu gehen. Doch ein Doppelschlag von Niiranen und Schaub gleicht die Partie Minuten später aus. Die letzten zehn Minuten laufen, es steht 3:3. Das würde zwar einen Punkt für den HCR bedeuten, aber nur ein Sieg sichert die Playoffs definitiv.

Die Jets, die mit vier Siegen am Stück wie Phoenix aus der Asche auf Rang sieben gestürmt waren, erledigen in Chur indes ihre Hausaufgaben. Einen 2:4-Rückstand zu Spielmitte macht Kloten wett. Und in der 48. Minute trifft Miilunpalo zur erstmaligen Führung – 6:5.

Fällt nur ein Treffer, kann das ganze Tableau kippen

Doch der Ein-Tor-Vorsprung ist fragil, denn die anderen beiden Partien stehen bekanntlich Unentschieden. Ein Treffer dort für die Konkurrenten, ein Churer Tor hier, und Klotens Schlussspurt in den Partien zuvor wäre umsonst gewesen. Und tatsächlich: 55. Minute in Köniz, Tor für Rychenberg durch Buff – 4:3 für den HCR. 59. Minute in Zürich, Tor für Grünenmatt durch Aeschbacher – 8:7 für den UHC.

Alle drei Teams führen nun mit einem Tor, es geht in die letzte Minute. Die Sekunden verrinnen zäh, aber nichts mehr passiert. Kloten, Rychenberg und Grünenmatt gewinnen als Außenseiter allesamt ihre Partien, jeweils auf die knappste Art und Weise. Damit schaut Grünenmatt, die solange sicher auf Playoff-Kurs lagen, tatsächlich in die Röhre.

Weil alle Spiele zeitgleich stattfinden und der Liveticker-Service in der Schweiz reibungslos funktioniert, wissen Grünenmatts Spieler in der Kabine sofort Bescheid: Nämlich dass es trotz des Sieges nicht für die Playoffs gereicht hat. „Fuck Floorball!“, war der knappe Facebook-Kommentar von Manuel Mucha kurz nach dieser Enttäuschung.

Die Muchas treffen nun auf ihren Ex-Klub

Benjamin Borth und Philipp Hühler hingegen treffen nun mit Rychenberg auf die Tigers Langnau. Eigentlich ein aussichtsloses Unterfangen, schließlich haben die Tigers mit 20 Siegen in Folge die erfolgreichste Qualifikation der Vereinsgeschichte gespielt. Letzte Woche gab die sportliche Leistung Langnaus jedoch bekannt, den Vertrag mit Erfolgstrainer Markus Schneider nach Saisonende nicht zu verlängern.

Schneider trat Tage darauf, bitter enttäuscht und desillusioniert, mit sofortiger Wirkung zurück. Das beste Team der Liga steht direkt vor den Playoffs also ohne den etatmäßigen Trainer da, wird nun interimsweise traininiert. Für Rychenberg sind das natürlich gute Nachrichten, erhöhen sie doch die geringen Chancen auf den Halbfinaleinzug um einige Prozent.

Manuel und Dominic Mucha müssen dagegen die bittere Pille der Playdowns schlucken. Dort treffen sie in der ersten Runde ausgerechnet auf ihren Ex-Verein Mittelland. Manchmal hat der Sport einfach einen Sinn für besondere Dramaturgien. Manchmal hat man dann aber auch einfach genug von ihm. So wie Manuel Mucha letzten Sonntag.

Alle Informationen zur Schweizer NLA gibt es bei unseren Kollegen von unihockey.ch sowie der Schweizer Verbandsseite swissunihockey.ch.