Krieg der Schuhe

Stolz wie Oskar - Torbjörn Jonsson, Unihoc-Chef, bei der Präsentation der neuen Schuh-Kollektion in Göteborg. / Foto: Unihoc PR

Stolz wie Oskar – Torbjörn Jonsson, Unihoc-Chef, bei der Präsentation der neuen Schuh-Kollektion in Göteborg. / Foto: Unihoc PR

Seit einigen Jahren teilen sich Unihoc und Salming den Großteil des deutschen Floorball-Marktes auf. Während Verbandspartner Unihoc eine größere Tradition vorzuweisen hatte, zog Salming nicht nur im Schlägerbereich nach, sondern legte mit einer breiten Schuh-Kollektion vor. Nun steigt auch Unihoc ins Rennen um die Füße aller Floorballer ein.

Unihoc zieht nach

Man hatte keine Kosten und Mühen gescheut. Als Unihoc Ende November zu einer außerordentlichen Produktpräsentation ins Göteborger „Wallenstam-Haus“ lud, war alles anwesend, das im Kosmos der schwedischen Traditionsmarke Rang und Namen hat. Dass es um den Launch einer Schuh-Kollektion ging, war zu dem Zeitpunkt bereits ein offenes Geheimnis, hatte man doch gerade dieses Segment gegenüber der Konkurrenz zuletzt verschlafen.

Als der weiße Vorhang fiel, nahmen die Vermutungen konkrete Formen an. Mit der U3-Serie präsentierte Unihoc sechs Schuh-Modelle für Floorballer: Power und Speed (beide für Erwachsene), Power Lady (Damen), Junior (Nachwuchs), Goalie (Torhüter) und Runner (Laufsport). Optisch zunächst eher klassisch, mit Farbakzenten auf weißem Grund. Der Torwartschuh fügt sich in die orangene Summit-Kollektion, der Laufschuh kommt in kräftigem Blau.

Bei den Technologien hebt Unihoc die „Toe Box“ hervor, die der Schuhfront Widerstandsfähigkeit bieten soll. Der „U-Frame“ stabilisiere den Fuß bei Richtungswechseln und die leichte „SUPtraction“ Sohle sorge für optimalen Halt. Letzteres habe ein Schweizer Unternehmen exklusiv für die Schweden entwickelt.

Schuh-Präsentation von Unihoc

Logischer Schritt

Auf dem internationalen Markt haben sich Unihoc und Salming von der restlichen Konkurrenz absetzen können und beherrschen laut Schätzungen gemeinsam gut zwei Drittel der Umsätze. Während eigentlich etablierte Labels wie Exel oder Realstick mit finanziellen Problemen zu kämpfen hatten, gestaltet sich für junge Marken wie Oxdog oder Lexx der globale Markteinstieg noch etwas schwierig. Eine Änderung der Kräfteverhältnisse ist auch aufgrund der neuen Schuh-Kollektionen zunächst nicht in Sicht. Unihoc und Salming haben gemeinsam mit ihren Sublabels Zone bzw. X3M außerdem als erste und bislang einzige Floorball-Marken deutsche Niederlassungen gegründet.

Während sich Unihoc in den vergangenen Jahren weiterhin auf floorballspezifische Produktgruppen konzentrierte, wandelte sich Salmings Schuh-Sparte, die früher eher stiefmütterlich behandelt wurde, schrittweise zu einem Kernsegment. 2011 kam der erste Floorball-Goalie-Schuh, 2013 der finale Durchbruch mit der Race-Serie auch auf dem deutschen und internationalen Handball- und Squash-Markt. 2014 folgt eine umfassende Laufkollektion mit leichten Natural-Running-Schuhen.

Salmings neue Stärke brachte auch Unihoc in Zugzwang, wollte die Traditionsmarke doch ebenfalls das komplette Produkt-Portfolio abdecken. „Hauptgrund für die Entwicklung der Schuhe war, dass Unihoc damit ein wirklich vollständiges Sortiment anbieten kann“, erklärt Philipp Mertens, Geschäftsführer der deutschen Niederlassung von Unihoc Renew Group GmbH. Man habe drei Jahre intensive Entwicklung betrieben und dabei die Veränderungen, hin zu besonders leichten Schuhen, in die finalen Modelle einfließen lassen. Die Nachfrage nach speziellen Floorball-Schuhen, welche wirklich auf die Bedürfnisse der Sportart angepasst werden, sei speziell in Schweden und den anderen Floorball-Nationen stark angestiegen.

Dass man sich das Vertrauen der Aktiven aber erst verdienen muss, bestätigt Marek Brincil, Head of Sales bei Salming Deutschland: „Floorballer sind bei Schuhen sehr wählerisch. Und das ist auch gut so.“ Hochwertige Hallenschuhe seien nicht nur grundlegend für sportliche Höchstleistungen, sie hätten auch einen erheblichen Einfluss auf die Gesundheit der Sportler. „Deshalb vertrauen viele auf traditionelle Marken und man muss sie ersteinmal davon überzeugen, dass auch eine junge Marke gute, vielleicht sogar bessere Spitzenschuhe herstellen kann. Das ist uns gelungen und das muss Unihoc erst beweisen“, schätzt Brincil die Situation ein.

Video zur neuen Race-Serie von Salming

Der Kunde wählt

Als Unihoc bereits Ende November seine U3-Serie vorstellte, die zum regulären Kollektionsstart im kommenden Juli auf den Markt kommt, zog Salming die Präsentation der neuen Race 2.0 Serie vor. Auch diese startet im Juli, hatte im neongelben R1 Spring Edition aber bereits einen Vorläufer als sogenannten „Mid Season Launch“. Was beide Kollektionen tatsächlich zu leisten vermögen, wird erst die Praxis zeigen, zumindest das Angebot lässt sich bereits jetzt vergleichen.

Unihocs größte Schwäche ist gleichzeitig seine größte Stärke. Die kleine Palette mit nur sechs Modellen, darunter zwei Schuhen für Erwachsene und einem Laufschuh, bietet kaum Alternativen. Für den Start lassen sich weniger Modelle aber einfacher promoten und auch die deutschen Floorball-Händler, die sich mit der Lagerhaltung von allzu vielen Schuhen aufgrund der Größe des Marktes noch schwer tun, können sich so auf ein oder zwei Modelle konzentrieren. Auch die Weiterentwicklung der Schuhe fällt so einfacher.

Salming, auch getrieben vom Anspruch des Handball-Marktes, bietet alleine in seiner Race 2.0 Kollektion fünf Modelle, das Topmodell R1 darüberhinaus in drei Farbvarianten. Hinzu kommen neun Laufschuhe und ein weiterentwickelter Goalie-Schuh. Außerdem startet Salming im Sommer mit einer zusätzlichen neuen Hallenschuh-Serie, die einen Hybrid aus Indoor- und Laufschuh bieten soll. Details will man aber noch nicht verraten.

Preislich nehmen sich die Topmodelle beider Marken nicht viel. Power von Unihoc und Race von Salming werden 129 € kosten, Speed 119 €. Während Unihocs Damen-Modell Power Lady mit 109 € um 10 € günstiger ist als das Damen-Modell der Race-Serie, schlägt Unihocs Torwart-Schuh Goalie mit 119 € zu Buche. Salming kündigte an, bei 99 € bleiben zu wollen.

Günstiger ist Unihoc hingegen beim Nachwuchs unterwegs. Der U3 Junior wird für 69 € zu haben sein, Salmings R3 2.0 wird dagegen 89 € kosten. Darüberhinaus beginnt Unihocs Junior-Modell bereits ab Schuhgröße 31, bei Salming hingegen erst ab 36. Dagegen werden Erwachsenen-Schuhe von Unihoc nur bis Größe 47 produziert, Salming legt nach bis 49 1/3.

Ein Vergleich der Laufschuhe erweist sich als schwierig, sind die Unterschiede in der Konstruktion schwer einzuschätzen. Unihoc Runner wird es für 99 € geben, Salming startet beim Junior-Modell bei 89 €, die Topschuhe sind für 119 und 129 € zu haben. Vorteil Salming: Die Natural-Running-Kollektion startet bereits zu Beginn der Laufsaison Anfang März.

Fazit

Schlussendlich lässt sich festhalten, dass Unihoc mit der richtigen Attitüde ins neue Segment einsteigt, sich dabei mit einer begrenzten Auswahl aufs Wesentliche konzentriert und trotzdem das Spiel auf dem Feld, im Tor sowie auch die Trainingseinheiten neben dem Platz mitnimmt.

Salmings Vorsprung in der Schuhentwicklung wird man so schnell vermutlich nicht einholen können, dafür dürfte die Marktposition und die Strategie viele Vereine auszurüsten, für den Absatz vorteilhaft sein. Sofern die Schuhe mit Ihrer Qualität überzeugen, lässt sich für Floorball-Händler mit der kompakten Kollektion etwas einfacher arbeiten, auch wenn man sich bereits auch an das breitere Portfolio von Salming zu gewöhnen wusste.

Da die Entwicklung und Produktion von Schuhen kosten- und zeitintensiv ist, stellt sich nur noch die Frage, ob man diese durch den Absatz auf dem Floorball-Markt langfristig finanzieren kann. Salming gelang dieser Schritt erst nach Jahren und vor allem dank der Erweiterung des Kundenstamms um Handballer oder Squash-Spieler.

Welche Schuhe sich schlussendlich bei den deutschen Floorballern behaupten, bleibt abzuwarten. Am Ende entscheiden das Produkt und der Kunde. Frühestens ab kommendem Juli. Es bleibt spannend und dem Markt tut’s gut.

Weiterführende Informationen

Unihoc
Neue Schuh-Kollektion

Salming
Aktuelle Schuh-Kollektion
Neue Lauf-Kollektion

Hinweise: Der Autor ist auch Mitarbeiter der Marke Salming in Deutschland. Der Artikel wurde intern auf Neutralität geprüft, doch möchten wir unsere Leser der Transparenz zuliebe auf diesen Umstand hinweisen.