Schlappe gegen Dänemark

Harte Bandagen - Dänemarks Hedorf (Nr. 2) im Infight mit Deutschlands Kapitän Hühler. / Foto: IFF

Harte Bandagen – Dänemarks Hedorf (Nr. 2) im Infight mit Deutschlands Kapitän Hühler. / Foto: IFF

Deutschland startet mit einer folgenschweren Pleite gegen Dänemark in die WM-Quali. Im niederländischen Nijmegen zeigt die Auswahl von Coach Soutter eine beherzte Leistung, unterliegt aber mit 3:4 und wird sich nun vermutlich nur noch als „besserer Dritter“ fürs Endturnier qualifizieren können.

Gleich zum Auftakt erwartete Deutschland beim WM-Qualifikationsturnier in Nijmegen das vermeintliche Schlüsselspiel um Platz zwei gegen Dänemark. „Eine interessante Partie“, sagte Bundestrainer Philippe Soutter zuvor im Interview mit dem Floorballmagazin. Vor allem, weil beide Teams über den Gegner nicht viel Wissen hätten. Schnell die richtigen Rückschlüsse aus der Taktik des Gegners ziehen, hieß also die Devise.

Deutschland startete in einer interessanten Formation: Drei Angriffsreihen (Mucha-Mucha-Borth, Burmeister-Kujat-Bröker, Von Pritzbuer-Falkenberger-Hoffmann) und zwei Defensivpaare (Hühler-Siede, Ackermann-Gysin) wechselten sich jeweils ab. Angesichts der geringen gemeinsamen Vorbereitungszeit – nur zwei Trainings fanden im Vorfeld statt – hakte es zunächst an vielen Stellen, defensiv wie offensiv. Doch im Laufe der Partie wurde die Abstimmung stetig besser.

Abstimmungsprobleme im Backcheck

Die Dänen konnten im ersten Drittel das 2-1-2-System der Deutschen häufig schnell überbrücken und waren auch mit Fastbreaks des Öfteren vor Goalie Kohler, der jedoch stets sicher entschärfte. Beim deutschen Team fiel vor allem das Zusammenspiel der Defensivpärchen sowie die erste Angriffsreihe um die Mucha-Brüder und Borth mit gefährlichen Akzenten und guter Abstimmung auf.

Das 1:0 fiel schließlich aus einer Co-Produktion von Bröker und Hühler. Der Bonner Stürmer legte auf den Mannschaftskapitän auf, der Deutschland in der 15. Minute nicht unverdient in Führung schoss. Kurz vor der Pause entwischte dann Jensen im Slot Kaufering-Center Falkenberger und ließ Kohler aus Nahdistanz keine Chance. Mit dem Unentschieden endete das erste Drittel.

Geniestreich von Mucha und Borth

Im zweiten Abschnitt parierten die Goalies auf beiden Seiten zunächst die zahlreichen Schüsse aus der Halbdistanz. Insgesamt fehlten jedoch die zwingenden Aktionen, bis Borth in der 29. Minute hinter dem dänischen Tor den Ball gewann. Doch statt flach rauszuspielen, lupfte der Rychenberger den Ball schlitzohrig hoch über das Tor in den Slot, wo Dominic Mucha volley in den Winkel traf – ein Traumtor zum 2:1.

Janek Kohler ringt Dänemark-Stürmer Juul-Jensen nieder. Der deutsche Goalie überzeugte mit guten Paraden. /Foto: IFF

Janek Kohler ringt Dänemark-Stürmer Juul-Jensen nieder. Der deutsche Goalie überzeugte mit guten Paraden. /Foto: IFF

Deutschland stand zu diesem Zeitpunkt endlich auch sicherer in der Defensive. Zudem bewies Kohler wiederholt seine Klasse, als er starke Versuche der Dänen entschärfte. So wehrte er auch in der 33. Minute Hedorfs ersten Versuch aus naher Distanz mit der rechten Hand ab. Doch seine Defensive bekam den Ball nicht aus dem Slot, vielmehr landete erneut bei Hedorf. Der ließ sich die zweite Chance nicht entgehen und traf zum Ausgleich.

Zwei Minuten danach konnte Hühler einen Konter der Dänen nur auf Kosten einer Strafe unterbinden. Nachdem die Box des deutschen Teams zunächst gut stand, erwischte Juul-Jensen Kohler schließlich nach einer schnellen Tempoverlagerung per Direktschuss zum 2:3 für Dänemark in der 38. Minute. Diese erstmalige Führung nahmen die Dänen mit in die zweite Pause.

Verpasstes Happy End

Im letzten Drittel reduzierte Bundestrainer Soutter sein Team auf zwei Reihen: Neben den gewohnten Abwehrpärchen sowie dem Offensivtrio Mucha-Mucha-Borth spielten nun noch Falkenberger, Kujat und der eingewechselte Schuschwary. Nur 36 Sekunden dauerte es dann vom Wiederanpfiff bis zum 3:3. Einen geblockten Ball ersprintete Dominic Mucha und vollendete humorlos per Schlagschuss zum Ausgleich für das deutsche Team.

Doch in der 55. Minute patzte Deutschland im Aufbau, die Dänen konterten sofort. Juul-Jensen legte von der rechten Flanke aus schnell in die Mitte ab, Hedorf per Direktabnahme, 3:4. Soutters Equipe also erneut im Rückstand. Kohler hielt sein Team bis zum Schluss im Rennen, eine deutsche Schlussoffensive blieb aber aus. Hatte man Dänemark in der WM-Quali 2012 noch mit 14:3 demütigen können, startete Deutschland nun mit einer Niederlage gegen den gleichen, wenn auch weit weniger desolat auftretenden, Gegner ins Turnier.

Die Chance auf die Qualifikations-Ränge eins und zwei ist damit im Grunde nur noch rein theoretisch möglich. Als einer der besten Drittplatzierten dürfte Deutschland sein WM-Ticket trotzdem noch lösen können – gute Ergebnisse bei den Pflichtaufgaben gegen die Niederlande, Österreich und Großbritannien vorausgesetzt. Auch sollte die einkalkulierte Niederlage gegen die Tschechen nicht zu hoch ausfallen.

Trotz der Niederlage machte der Auftritt gegen die Dänen auch Mut für den weiteren Turnierverlauf. Die Defensive bestand, die Offensive lieferte noch zu wenig Durchschlagskraft. Das kann und sollte sich aber mit mehr Spielpraxis und folglich besserer Abstimmung ändern. Lichtblicke lieferten vor allem die Youngster Siede, Bröker und von Pritzbuer, die nicht anwesenden Stammkräfte Holtz, Ibold & Co. fehlten dennoch. Morgen trifft Deutschland um 12 Uhr auf Außenseiter Österreich.

Deutschland – Dänemark 3:4
Flickr-Fotogalerie

Video: Deutschland vs. Dänemark

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