Berger: „Total desillusioniert“

Defensiv überfordert - Gegen Dänemark kassierte Deutschland in drei Partien 24 Tore. / Foto: Heiko Jassmann

Defensiv überfordert – Gegen Dänemark kassierte Deutschland in drei Partien 24 Tore. / Foto: Heiko Jassmann

Gegen die dänische Konkurrenz gelang den deutschen U19-Herren aus drei Spielen ein Unentschieden. Bundestrainer Thomas Berger hadert nun mit der aktuellen Situation. Er vermisse den Support der Vereine und Floorballer. Ob es für ihn im Dienste der Auswahl weitergeht, kann er im Augenblick nicht sagen.

Die U19-Herrenauswahl entwickelt sich im Augenblick nicht nach den Wünschen von Coach Thomas Berger. In Kopenhagen sollte eine ermutigende Standortbestimmung gelingen. Die Resultate ernüchternd – 5:12, 3:5 und 7:7. Berger, der mit höchsten Ansprüchen die Junioren-Auswahl nach der vergangenen U19-WM übernahm, ist unzufrieden mit der Einstellung seiner Spieler sowie mit den Anforderungen derer Vereine. Ob der Dachverband einen seiner erfahrensten Trainer halten kann, ist ungewiss.

Floorballmagazin: Ein Unentschieden aus drei Spielen wirkt eher minder überzeugend, die Leistungskurve zeigte aber nach oben. Wie zufrieden bist du mit den Leistungen deiner Jungs gegen Dänemark?

Thomas Berger: Unsere ersten gemeinsamen Länderspiele dienten in erster Linie einer Standortbestimmung. Trotzdem wollten wir natürlich gegen einen direkten Konkurrenten um den Aufstieg in die A-Division die Spiele auch gewinnen. Auch wenn von Spiel zu Spiel eine Leistungssteigerung zu erkennen war, so war der ganze Auftritt doch mehr als ernüchternd. Schon bei den vorangegangenen Terminen mussten wir feststellen, dass weder die Spielphilosophie, noch die taktischen Vorgaben von den Spielern angenommen werden.

Du hattest dich zuletzt beschwert, dass die Einstellung zahlreicher Junioren noch zu wünschen übrig lässt, dass sie beispielsweise nicht bereit seien im physischen Bereich genug zu investieren. Hat sich die Situation verbessert?

Einige wenige Ausnahmen ausgenommen, trifft das leider weiterhin zu. Die Bereitschaft für zusätzliche Krafttrainings ist gar nicht oder nur in sehr kleinem Maß vorhanden. Insgesamt kann festgehalten werden, dass viel zu wenig trainiert wird im Vergleich mit den Altersgenossen der A-Divisions-Mannschaften. Und wenn wir dahin wollen, müssen wir auch bereit sein, diesen Weg jetzt zu gehen.

"Zuerst muss ich mir im Klaren sein, ob ich diesen Weg weiter gehen kann." Thomas Berger hadert mit seinem Schicksal. / Foto: Heiko Jassmann

„Zuerst muss ich mir im Klaren sein, ob ich diesen Weg weiter gehen kann.“ Thomas Berger hadert mit seinem Schicksal. / Foto: Heiko Jassmann

Hattest du dir vor Beginn deines Engagements strukturell mehr erhofft? Wo sind im Augenblick die größten Baustellen und wie sind diese anzugehen?

In den vielen Gesprächen mit Michael Lachenmaier, Moritz Moersch und meinem Assistenten Sascha Franz zum Start meines Engagements wurde mir immer ehrlich kommuniziert und die vorhandenen Schwachstellen aufgezeigt. Wir wollten diese Probleme gemeinsam angehen und versuchen, eine Verbesserung im Bereich der Nationalmannschaften zu erreichen. Alle haben sich auch enorm engagiert und sich – wie jetzt leider im Fall von Sportdirektor Moritz Moersch – auch innerhalb sehr kurzer Zeit total verheizt. Die Herkulesaufgaben zur Verbesserung der Strukturen von Floorball Deutschland und der Nationalmannschaften als dessen Aushängeschilder kann nur von der ganzen Floorball-Gemeinschaft gemeistert werden. Hier vermisse ich den Support der Vereine und Floorballer. Kritik ist immer schnell angebracht. Etwas zur Verbesserung beizutragen wäre aber auch nicht so schwer. Nur gemeinsam kann Floorball Deutschland die nächsten Schritte machen.

Was erwartet das Team in den kommenden Monaten?

Zuerst muss ich mir im Klaren sein, ob ich diesen Weg weiter gehen kann. Ich habe in diesem ersten halben Jahr sehr viel Zeit und auch privates Geld in die U19 gesteckt. Was ich nun in Dänemark gesehen habe, hat mich total desillusioniert. Nur wenn die Bereitschaft zur Mitarbeit und zu konsequenter Umsetzung gegeben ist, kann auch etwas entstehen. Dies ist für mich nach dem letzten Weekend nicht gegeben. Bevor ich eine weitere Planung angehen kann, muss ich mich grundsätzlich entscheiden, ob es weiter gehen kann oder nicht.