Offener Brief fordert Reformen

Altbewehrtes Duell auf dem Platz - UHC Weißenfels gegen MFBC Leipzig. / Foto: Luisa Mocker

Altbewehrtes Duell auf dem Platz – UHC Weißenfels gegen MFBC Leipzig. / Foto: Luisa Mocker

Die vier Funktionäre Rolf Blanke, Ralf Kühne, Detlef Stötzner und Mario Vordank formulierten einen offenen Brief an den Dachverband, in dem sie die aktuelle Situation kritisieren und bestimmte Maßnahmen fordern. Ihrer Meinung nach sei es ein wichtiges Zeichen, wenn die Rivalen der letzten Jahre gemeinsam einen Standpunkt formulieren, denn es bestünde Handlungsbedarf.

Ausgangspunkt sei Ralf Kühne nach die Situation des Dachverbandes vor der Sitzung des Gesamtvorstandes mit den dargelegten Zahlen zum Haushalt 2014 und den Zahlen zur U-19 WM in Hamburg Anfang November gewesen. Mit Kühne (MFBC Grimma/Leipzig) unterzeichneten auch Rolf Blanke (Floorball Verband Sachsen-Anhalt und UHC Weißenfels), Detlef Stötzner (Floorball Verband Sachsen) und Mario Vordank (Red Devils Wernigerode) den offenen Brief.

Auf die Frage, ob es einen Austausch auch mit anderen Vereinen gegeben habe, erklärt Kühne, er habe Gespräche geführt, nennt aber keine Namen. „Aber wir wollten die Gespräche mit diesen drei Vereinen und deren Vertretern, die ja auch die Landesverbände Sachsen-Anhalt und Sachsen mit vertreten. Es sollten auch nicht zu viele Vereine sein, damit man schnell auf einen gemeinsamen Nenner kommt“, so Kühne.

Der gemeinsame Standpunkt sei darauf gerichtet, dass man sich mit in der Verantwortung sehe, die Karre aus dem Dreck zu ziehen. „Aber so wie es jetzt laufen soll, so geht es überhaupt nicht“, moniert Kühne. Das Quartett kritisiert beispielsweise den Entschluss, die Lizenzgebühren ausschließlich für Bundesligisten anzuheben oder nicht verwirklichte Absprachen zur Gestaltung der Erstliga-Playoffs aus einer vergangenen Telefon-Konferenz.

Blanke, Kühne, Stötzner und Vordank formulieren im Anschluss neun Forderungen mit denen sich der Dachverband bis zur Gesamtvorstandssitzung in Blossin am 8. und 9. März auseinandersetzen soll. Darunter etwa eine Erklärung des freiwilligen Verzichtes des FVD im mittelfristigen Zeitraum auf eine Durchführung von internationalen Großereignissen, EC-Finals und Superfinals, eine Offenlegung der Finanzen, Benennung von Verantwortlichen für die prekäre finanzielle Situation oder die Aussetzung der Beschlüsse der Gesamtvorstandssitzung vom 19.12.2013 bis zur außerordentlichen Delegiertenversammlung des Dachverbandes.

Wichtig sei Kühne nach auch gewesen, dass man sich einig war, eine Ligavertretung zu gründen, die die Interessen der Bundesligisten vertritt und mindestens zwei Stimmen im Gesamtvorstand haben sollte. Chris Ecklebe und Martin Brückner seien dafür vorgesehen die vorbereitenden Arbeiten erledigen. Seitens des Dachverbandes wurde geäußert, dass man das Schreiben ernst nehme und sich in Kürze dazu äußern würde.

Offener Brief vom 28.01.2014 im kompletten Wortlaut:

„Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Stoll,

mit großer Besorgnis haben wir die prekäre Finanzsituation des Floorball Verband Deutschland e.V. (nachfolgend FVD) zum Jahresende 2013 zur Kenntnis nehmen müssen. Wenn man dazu noch die ausbordende negative Diskussion zur Herren-Nationalmannschaft in Vorbereitung auf die anstehende WM-Qualifikation hinzunimmt, muss man konstatieren, dass bereits jetzt für den deutschen Floorballsport ein erheblicher Imageschaden eingetreten ist.

Wenn der Begriff „Floorball Deutschland“ nicht nur plakativ für die zahlreichen medienwirksamen Veröffentlichungen stehen soll, ist es gerade die Aufgabe des FVD und seines Präsidenten, die Voraussetzungen und Rahmenbedingungen zur Entwicklung der Sportart Floorball und damit auch die unter seinem Dach zusammengefassten Landesverbände und Vereine zu schaffen. Leider sind wir davon gegenwärtig doch weit entfernt.

Floorball Deutschland sind seine Landesverbände, Vereine und natürlich deren Mitgliederinnen und Mitgliedern. Wir verstehen uns als Träger der Sportart Floorball und würden unserer Verantwortung hieraus gern ebenfalls gerecht werden. Allerdings muss dies auch von Seiten des FVD gewollt und zugelassen werden. Leider mussten wir aber gerade in der jüngeren Vergangenheit immer öfters verzeichnen, dass die Entscheidungsträger des FVD an den Interessen der Mitgliederinnen und Mitglieder vorbei reglementieren und sich als beratungs- und kritikresistent zeigen. Beispielhaft sei nur auf die gegen Widerstände erfolgte Wiederholung der U-19-Weltmeisterschaft der Herren 2013 in Hamburg, die nicht verständliche Ausrichtung der Pokalendrunde final4 auf der Insel Föhr in dieser Saison, das vermisste Festhalten an getroffenen Absprachen im Rahmen der Bundesliga-Telefonkonferenz zum Austragungsmodus der Playoffs der 1. Bundesliga Herren oder die (allerdings nur zurückgestellte) Idee der Ausrichtung eines Superfinales unter Ignorierung der finanziellen Interessen der möglichen Finalteilnehmer ab 2015 hingewiesen.

Die notwendige Sanierung der Finanzen des FVD ist essentiell. Diese kann aber nur gelingen, wenn es dem Vorstand des FVD und Ihnen als Präsident gelingt, die Landesverbände, Vereine und die Mitgliederinnen und die Mitglieder unseres Verbandes mit ins Boot zu holen.

Aber gegenwärtig können wir nur feststellen, dass die vom FVD und Ihnen geschuldete finanzielle Situation weder aufgearbeitet noch darstellbar ist. Die darauf in der Gesamtvorstandssitzung des FVD am 19.12.2013 gefassten Beschlüsse zeigen sich daher als blanker Aktionismus denn als tatsächliche sachgerechte und kompetente Reaktion auf eine Analyse der Verbandsfinanzen. Leider gerierten sich zudem die an der Gesamtvorstandsitzung beteiligten Landesverbände weder als Interessenvertreter ihrer (Bundesliga-)Vereine noch zeigten sie sich hinsichtlich der Einschätzung der Refinanzierbarkeit der über Jahre eintretenden erheblichen finanziellen Mehrbelastungen durch die betroffenen Vereine als kompetent.

Aus diesem Grund treten wir gemeinsam an den Floorball-Verband Deutschland e.V. mit nachfolgenden Forderungen heran:

1. Es ist eine transparente und schonungslose Offenlegung der Finanzen des FVD – ausreichend vor dem nächsten Termin der Gesamtvorstandssitzung am 08./09.03.2014 in Blossin – vorzunehmen. Die transparente und schonungslose Offenlegung der Finanzen sollte mindestens 2 Wochen vor diesem Termin gegenüber den Landesverbänden erfolgen, damit diese sich mit den zugereichten Unterlagen auseinandersetzen und diese mit ihren Mitgliedsvereinen in den Landesverbänden diskutieren können, um ggf. eigene Vorschläge und Konzepte dazu zu erarbeiten.

2. Die Durchführung einer außerordentlichen Delegiertenversammlung ist bis zum 30.04.2014 vorzunehmen, wobei ein spielfreies Wochenende in der Endphase der Meisterschaftsrunde Damen und Herren dafür genutzt werden sollte.

3. Es ist eine deutliche Reduzierung der Personalkosten auf ein noch vertretbares Mindestmaß mit einer entsprechenden leistungsbezogenen Ausschreibung der dann noch teilfinanzierten Stellen vorzunehmen. Dabei sollten die Geschäftsstelle und damit die Stelle des Generalsekretärs weiterhin als vollfinanzierte Stelle unter Beachtung der Finanzsituation des FVD aufrechterhalten bleiben.

4. Eine Neuausschreibung aller der dann festgelegten und unbedingt erforderlichen Stellen im FVD ist durchzuführen. Dabei sind die teilfinanzierten Stellen leistungsbezogen auszuschreiben und mit einer deutlich reduzierten Vergütung im Rahmen der Ehrenamtspauschale in Höhe von 2.400,00 € p.a. nach oben zu deckeln. Die vollfinanzierte Stelle des Generalsekretärs ist ebenfalls neu auszuschreiben und leistungsbezogen auszugestalten. Das Festhalten an teil- und vollfinanzierten Stellen steht unter dem Vorbehalt der Finanzierbarkeit durch den FVD.

5. Es wird die Aussetzung der Beschlüsse der Gesamtvorstandssitzung vom 19.12.2013 bis zur anzuberaumenden außerordentlichen Delegiertenversammlung des FVD gefordert.

6. Es wird eine Erklärung des freiwilligen Verzichtes des FVD im mittelfristigen Zeitraum auf eine Durchführung von internationalen Großereignissen wie Weltmeisterschaften und EC-Finals und ein weitergehender Verzicht auf die Durchführung eines so genannten Superfinales zur Ermittlung der Deutschen Meister gefordert.

7. Länderspiele und EC-Qualifikationen können unter Vergabe der Veranstaltung an die ausrichtenden Vereine weiter durchgeführt werden. Die Ausrichtung dieser Veranstaltungen sollte den jeweiligen Vereinen vor Ort zu dessen Nutzen und finanziellen Risiken ausschließlich übertragen werden. Die Bewerbung der Sponsoren des FVD und/oder der IFF muss dabei abgesichert sein.

8. Es soll durch den FVD eine Beschlussvorlage zur außerordentlichen Delegiertenversammlung zur Unterstützung der Trainingslager der Nationalmannschaften eingebracht werden, in dem Sinne, dass jeder Landesverband je nach Bedeutung und der Anzahl seiner Bundesligisten verpflichtet ist, 1 bis 2 Trainingslager der Nationalteams im Kalenderjahr auszurichten, wobei dabei abgesichert werden soll, dass die Landesverbände mit den jeweils ausrichtenden Vereinen die kostenfreie Absicherung des Trainingslagers hinsichtlich der Übernachtungen und Verpflegung gewährleisten können.

9. Unter Beachtung von Ziff. 1 und 2 sind die Verantwortlichen für die prekäre finanzielle Situation des Floorball Verband Deutschland e.V. zu benennen.

Wir halten es für geboten, dass sich der FVD in den nächsten Tagen und in Vorbereitung der nächsten Gesamtvorstandssitzung am 08./09.03.2014 in Blossin mit unseren aufgestellten Forderungen auseinandersetzt.

Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass gegenwärtig die Vertretung der Vereine, insbesondere der Bundesligavereine, im Rahmen der Gesamtvorstandssitzung nicht ausreichend ist.

Wir werden parallel den jetzigen Bundesligisten vorschlagen, sich zu einem sogenannten Ligaverband zusammen zu schließen. Diesbezüglich werden wir vorbereitende Arbeiten ausführen.

Wir werden dann zu geeigneter Zeit an den FVD herantreten, mit der Maßgabe, im Rahmen einer ordentlichen bzw. außerordentlichen Delegiertenversammlung die Satzung des Ligaverbandes zu beschließen und in Ausfluss dessen auch die Satzung des Floorball Verbandes Deutschland dahingehend anzupassen, dass mindestens 2 Vertreter des Ligaverbandes mit Stimmrecht an der Gesamtvorstandssitzung teilnehmen können.

Ziel des Ligaverbandes soll nicht nur die Organisation und gemeinsame Entscheidungsfindung aller Bundesligisten sein, sondern der Ligaverband soll auch ein Gremium sein, um entsprechende Vorschläge zur Entwicklung der Sportart Floorball zu unterbreiten, die dann mehrheitlich auch von allen Bundesligisten mit getragen werden. Der zu bildende Ligaverband versteht sich nicht nur als Interessenvertreter der Bundesligavereine, sondern auch als gleichberechtigter Partner einer Diskussion zur weiteren Entwicklung der Sportart Floorball.

Wir sehen Ihrer geschätzten Rückäußerung mit Interesse entgegen und verbleiben

mit freundlichen Grüßen

Dr. Rolf Blanke
Floorball Verband Sachsen-Anhalt
sowie UHC Sparkasse Weißenfels

Detlef Stötzner
Floorball Verband Sachsen

Mario Vordank
Red Devils Wernigerode

Ralf Kühne
Mitteldeutscher Floorball Club“