Hühler: „Ich habe nicht auf andere geschaut.“

Letzte Instanz - Hühler klärt auf der Linie gegen Tschechien. / Foto: IFF

Letzte Instanz – Hühler versucht gegen Tschechien einen Ball von der Linie zu kratzen. / Foto: IFF

Deutschlands WM-Qualifikation war ein Krimi für Hartgesottene. Am Ende entschied das Torverhältnis und das Team um Kapitän Philipp Hühler darf nach Göteborg reisen. Der 26-Jährige äußert sich zum Auftritt der Nationalmannschaft, zur Krise des Verbandes sowie zu seiner ersten Saison bei Rychenberg.

Floorballmagazin: Philipp, erstmal Glückwunsch zur geschafften Quali. Wie hast du die Ergebnisse der Konkurrenz mitverfolgt, die am Ende den Ausschlag gaben und fürs bessere Torverhältnis sorgten?

Philipp Hühler: Danke. Ganz ehrlich, ich habe überhaupt nicht auf andere geschaut. Der Fokus lag ausschließlich auf unserer Leistung und unsere Spiele. Am Sonntag habe ich dann geschaut ob es gereicht hat… was ja glücklicherweise der Fall war.

Eigentlich hätte man sich das Zittern sparen können. Warum hat es gleich zu Beginn gegen Dänemark nicht gereicht?

Man könnte jetzt alle Faktoren wie fehlende Spieler, mangelnde Vorbereitung oder die Reihenfolge der Spiele und so weiter vorschieben, aber unter der Konstellation war es meines Erachtens nur das Quäntchen Glück, das uns im „Kampf“ um Platz zwei gefehlt hat.

Aber die Mannschaft hat sich im späteren Turnierverlauf großartig entwickelt. Hätte man Dänemark in einem Rückspiel zum Ende hin bezwungen?

Da zum ersten Mal unter dieser Konstellation spielend, hat die Mannschaft sich von Spiel zu Spiel besser gefunden und die Linien haben sich aufeinander eingespielt. Das spiegelte sich durchaus auch im Spiel gegen Tschechien wieder. Ob wir dadurch das Spiel gegen Dänemark später gewonnen hätten, kann ich nicht beurteilen. Aber wir hätten es wie gesagt auch schon im ersten Spiel schaffen können.

Die Muchas haben zusammen mit Borth offensiv wieder einiges gerissen, aber der Nachwuchs hielt sich nicht zurück. Warst du von den Leistungen von Falkenberger, Burmeister und Co., die einiges an Verantwortung stemmen mussten, überrascht?

Von der Leistung der „Jungen“ war ich beeindruckt. Da ich diese bisher nur kurz, wenn überhaupt, in Aktion sehen konnte, war ich aufgrund ihrer Jahrgänge etwas skeptisch, was die zu erwartenden Leistungen angeht. Aber sie haben mich durch die Bank weg positiv überrascht.

Hühler im Gespräch. / Foto: Elke Scholz

Hühler im Gespräch. / Foto: Elke Scholz

Es gab im Vorfeld einiges an Kritik gegenüber dem Verband. Sebastien Bernieck hatte seine Teilnahme abgesagt, weil er von der schlechten Organisation des Auswahl bedient war. Fredrik Holtz kritisierte, dass man lieber Geld in Weltmeisterschaften stecke als in die Nationalmannschaft. Wie siehst du die aktuelle Situation?

Ich möchte da in meiner Position nicht unbedingt viel dazu sagen. Nur so viel, dass meiner Meinung nach Viele in Deutschland ihr Möglichstes tun, um unseren Sport nach vorne zu bringen und dies zum größten Teil ehrenamtlich. Dass unter diesen Umständen nicht alles optimal ablaufen kann und einige Stellen, die sehr viel Idealismus erfordern, nicht besetzt sind, ist eigentlich nur logisch. Von daher versuche ich aus den gegebenen Umständen das Beste zu machen und finde, dass jeder selber schauen sollte, wie man den Verband unterstützen kann, anstatt sich nur darüber zu echauffieren oder Exempel statuieren zu wollen.

Ohne Wenn und Aber sind die Gebrüder Holtz absolute Leistungsträger. Fredrik hatte in seinem Interview aber zugegeben, dass er sich außerdem für die Playoffs in der Superligan schonen wolle. Kannst du diese Einstellung verstehen? Und hätten die jungen jetzt nicht eigentlich ein Vorrecht auf eine WM-Teilnahme? Schließlich haben sie die Qualifikation erkämpft.

Diese Einstellung kann ich persönlich nicht verstehen, da er sich auch beim Treppen laufen verletzen könnte und daher sein Bett bis zu den Playoffs am Besten nicht verlässt. Und finanzielle Unterstützung gab es ja bisher auch nicht. Ich habe aber auch keine Ahnung, ob es noch andere Faktoren wie den Verein gibt, der da Druck auf ihn ausübt. Unterm Strich ist es seine Entscheidung und wir spielen mit der Mannschaft, die auch vor Ort ist. Da sind uns die anderen egal. Ob er nun trotzdem an die WM kommen sollte, ist ausschließlich die Entscheidung des Trainers.

Was sind jetzt die größten Herausforderungen bis zur WM und was ist alles in Göteborg möglich? Die Üblichen: Trainingslager zustande bekommen und so viele Spieler wie möglich dort versammeln und dann geben wir bei der WM wieder von Spiel zu Spiel alles und schauen wie weit es uns trägt.

Abschließend zum Vereinsalltag. Du hast deine erste Ligaphase bei Rychenberg hinter dir. Wie fühlst du dich im Verein? Wo siehst du die größten Unterschiede zu St. Gallen?

Ich wurde sehr gut aufgenommen und fühle mich bei Winterthur wohl. Der Fahrtaufwand ist wesentlich geringer und die Qualität in der Mannschaft und im Trainerstab ist höher, was auch der wesentliche Unterschied zu St. Gallen ist.

Die Geschichte mit der Playoff-Teilnahme ist ja nochmal ordentlich spannend geworden. Ende gut, alles gut. Aber was kann der HCR dieses Jahr reißen? Im Viertelfinale seid ihr gegen Quali-Sieger Langnau klarer Außenseiter.

Das letzte Jahr hat schon gezeigt, dass beim HCR in den Playoffs nochmal alles möglich ist. Als Quali-Siebter hat der Verein den Zweiten Wiler im Viertelfinale geschlagen und im Halbfinale war es auch knapp. Also lassen wir uns überraschen.