Es geht ums Detail

Seit Frühsommer 2013 als Generalsekretär installiert - Michael Lachenmaier (mitte). / Foto: Jean Fischer

Seit Frühsommer 2013 als Generalsekretär installiert – Michael Lachenmaier (mitte). / Foto: Jean Fischer

Der Dachverband befindet sich unter Beschuss, an jeder Ecke lauern offene Briefe und in zwei Wochen steht sein Vorzeigeprojekt final4 ins Haus. Welche Rolle sollen die Bundesligen in Zukunft spielen, wo kam das Loch im Haushalt her, was lief in Hamburg schief und warum Föhr? Generalsekretär Michael Lachenmaier im Mammut-Interview.

In den vergangenen Wochen wurde Floorball Deutschland aus verschiedenen Kreisen mit Kritik etwa bezüglich der geänderten Gebührenordnung oder der problematischen Finanzlage konfrontiert. Begründete Zweifel gepaart mit Halbwahrheiten auf der Seite der Tadler, mangelnde Kommunikation und schleppende Reaktionen auf der Seite des Verbandes.

Dieser steht nun aber in der Pflicht, sich zu erklären. Als Generalsekretär und somit Leiter der Geschäftsstelle spielt Michael Lachenmaier eine zentrale Rolle in der Verbandsarbeit. Dem Floorballmagazin stand der 51-Jährige nun Rede und Antwort. Angestaut hat sich vieles, deshalb sprengt unser Interview auch das übliche Ausmaß. Vermutlich zurecht, denn es geht ums Detail.

Floorballmagazin: Irgendwie wirkt es zurzeit, als ob sich der Verband nur mit sich selbst beschäftigen würde. Stimmt das oder ist das nur eine optische Täuschung?

Michael Lachenmaier: Es gibt zur Zeit einige Baustellen, an denen wir arbeiten. Nach dem Ausscheiden von Philipp Mertens und Andreas Ritter muss deren Arbeit auf die verbleibenden Mitarbeiter verteilt werden und diese müssen sich in Teilbereiche erst einarbeiten. Des Weiteren wird über nötige strukturelle Änderungen nachgedacht, diskutiert und diese Änderungen werden vorbereitet. Wir sind immer noch mitten im Umbruch, und viel zu wenige Leute haben viel zu viel Arbeit zu erledigen. Alle, ob ehrenamtliche Mitarbeiter oder Mitarbeiter der Geschäftsstelle, arbeiten deutlich mehr als von ihnen zu erwarten oder zu verlangen wäre. Viele machen für Floorball sogar mehr als für ihr Studium, den Beruf oder das Privatleben gut ist, was kein dauerhafter Zustand sein kann.

Wenn in solch einer angespannten Situation dann auch noch unnötige Baustellen aufgemacht werden, ist dies doppelt ärgerlich. Um das Beispiel des Unihockey-Portals heranzuziehen, die mit einem angeblichen Maulkorb und einem folgenschweren, vermeintlichen Verschreiber für Unruhe sorgten. Wenn Mitarbeiter aufgrund mangelhafter Recherche fälschlicherweise persönlich und sehr heftig angegriffen werden, wie im konkreten Fall Sportdirektor Moritz Moersch, fragen sich natürlich die Betroffenen und auch weitere aktuelle oder zukünftige Mitarbeiter, warum sie sich das überhaupt antun sollen. Das macht vieles kaputt.

Dennoch stellt sich bei vielen die Frage: Was macht das Personal des Dachverbandes in diesen Wochen eigentlich?

Jedenfalls nicht sich mit sich selber beschäftigen. Das ist wirklich eine optische Täuschung. Zuletzt liefen Herren WM-Qualifikation sowie Polish Cup der U19-Damen und die U19-Herren waren in Dänemark unterwegs. Das alles muss geplant und begleitet werden. Die Vorbereitungen für das Stena Line final4 auf Föhr laufen auch Hochtouren. Die Endrunden um die Deutschen Meisterschaften sind Thema, ein neues, sehr großes Entwicklungsprogramm ist in der Pipeline, inklusive Zuschüsse und Sponsoren, um das Wachstum zu beschleunigen. Die Trainerausbildung wird vorbereitet, Sponsoren werden gesucht und gefunden, einige finanzielle Altfälle, die jahrelang nicht behandelt wurden, gelöst. Der Aufnahmeantrag in den DOSB vorbereitet, Pressearbeit gemacht und vieles andere mehr.

Zuletzt hat es starken Gegenwind insbesondere von Vertretern der Bundesliga-Teams gegeben, die, vielleicht zurecht, nicht einsehen wollen, warum nur sie alleine das Budget des Verbandes stützen müssen. Offene Briefe lauern an jeder Ecke. Hat sich der geschäftsführende Vorstand zur letzten Gesamtvorstandssitzung aufgrund der entstandenen finanziellen Drucksituation von den Landesverbänden nicht auf Kosten der Bundesligen über den Tisch ziehen lassen?

Mit dem Gesamtvorstand hat Floorball Deutschland seit 2010 ein neues Organ. In ihm sind die Landesverbände mit je einem Mitglied vertreten und stellen somit die Mehrheit, des Weiteren sind die Kommissionen von Floorball Deutschland sowie die Mitglieder des geschäftsführenden Vorstands Teil des Gesamtvorstandes. Der legt satzungsgemäß die Höhe der Spielerlizenzgebühren fest, verabschiedet den Haushalt und muss allen größeren Projekten, wie Weltmeisterschaften oder Entwicklungsprojekten, zustimmen. Im Prinzip ist das keine schlechte Sache. Die Mitglieder von Floorball Deutschland, also die Landesverbände, sind in alle wichtigen Entscheidungen direkt einbezogen und haben die Möglichkeit, ihre Interessen zu vertreten. Und das haben sie auch sehr wirkungsvoll getan.

Es hat sich sehr deutlich gezeigt, dass im Gesamtvorstand nicht die Interessen aller Parteien vertreten werden.

Aber es hat sich sehr deutlich gezeigt, dass in diesem Gremium nicht die Interessen aller Parteien vertreten werden. Die Bundesligisten und die Nationalteams haben keine direkten Vertreter in diesem Organ. Folglich muss dies angepasst und verbessert werden. Mit dem Bundesliga Summit haben wir in dieser Saison bereits ein Forum geschaffen, bei dem die Vertreter der Bundesligisten die Möglichkeit hatten, sich Gehör zu verschaffen und Einfluss zu nehmen. Was sie auch getan haben. Dies ist und war ein wichtiger Schritt. Es gibt jedoch noch keine direkte Vertretung der Bundesligateams in den Organen von Floorball Deutschland. Das sollte dringend geändert werden.

Wenn es also kein Organ gibt, dass die Interessen der Bundesligisten vertritt, wie lässt sich dieses Problem lösen?

Hier komme ich auf die angesprochenen nötigen strukturellen Änderungen zurück, mit denen wir uns in der Geschäftsstelle sehr ausführlich auseinandergesetzt haben. Das klingt im ersten Moment sehr theoretisch, es
hat aber sehr direkte Auswirkungen. Nach unserer Meinung sollten im Gesamtvorstand Vertreter aller Interessengruppen sitzen und direkten Input geben, denn jede Gruppe kennt ihre eigenen Bedürfnisse und Probleme am besten, und kann auch Verantwortung übernehmen. Dazu gehören neben den Vertretern der Landesverbände auch Vertreter der Bundesligen, der Nationalteams sowie zumindest ein Vertreter der Athleten.

Also konkret?

Dies würde bedeuten, dass in einem zu schaffenden Gremium, etwa einem Bundesligarat, die Vertreter der Teams für den Gesamtvorstand bestimmt würden, ähnlich sollte es bei den Landesverbänden ablaufen, auch sie würden Vertreter für den Gesamtvorstand benennen. Auch die Nationalteams sollten direkte Stimmen in diesem Gremium bekommen, des Weiteren schlagen wir die Gründung einer Athletenkommission vor, deren Vorsitzender ebenfalls Mitglied im Gesamtvorstand sein sollte.

Wir haben als Geschäftsstelle einen detaillierten Vorschlag erarbeitet, den wir zur Diskussion an den geschäftsführenden Vorstand weiterreichen werden und der sicherlich auch beim Treffen des Gesamtvorstandes Anfang März in Blossin Thema sein wird. Seine Umsetzung würde jedoch eine Satzungsänderung bei der Delegiertenversammlung von Floorball Deutschland erfordern. Wenn aber alle an einem Strang ziehen, sind solche Änderungen machbar.

Dem Verband wird darüberhinaus auch vorgeworfen, dass er sich auf Kosten der Vereine wegen seines schlechten Wirtschaftens zur vergangenen U19-WM sanieren möchte. Verbandsvertreter argumentieren hingegen damit, dass die Erhöhung der Lizenzgebühren keineswegs das Minus aus Hamburg tilgen soll, sondern anderweitige Kosten decken muss. Welche denn?

Bei der Weltmeisterschaft in Hamburg wurde ein Minus von ca. 36.000 € eingefahren. Auch aus diesem Grund sitzt Floorball Deutschland aktuell auf Schulden in Höhe von 20.000 €. Diese sollen in zwei Jahren abgetragen
werden, im Haushaltsplan von 2014 ist deshalb ein Posten für Schuldentilgung in Höhe von 10.000 € eingestellt. Wir haben bei der U19 Weltmeisterschaft neue Sponsoren gewinnen können. Durch diese neuen Sponsoren kommt Geld in die Kasse, das wir ohne die Veranstaltung nicht bekommen hätten. Diese Sponsorenzahlungen sind größer als der Betrag, den wir zur Schuldentilgung verwenden. Konkret bedeutet das, ohne die Weltmeisterschaft im letzten Jahr wäre das Loch im Haushalt 2014, das geschlossen werden musste, um einige tausend Euro größer gewesen. Die Erhöhung der Lizenzgebühren hat somit ganz offensichtlich nichts mit dem Minus der Weltmeisterschaft zu tun. In der aktuellen Diskussion wird dies gern vermischt und verfälscht.

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Lachenmaier ehrt im Einsatz des Weltverbandes. / Foto: IFF

Aber woher kommt dann das existierende Loch im Haushalt?

Generell kann ich sagen, dass Floorball Deutschland in den letzten Jahren über kein angemessenes Controlling verfügte. So lagen noch Anfang September letzten Jahres weder Listen von Verbindlichkeiten und Forderungen vor, noch Aufstellungen, was in den nächsten Monaten bezahlen werden müsste. Von einem Budgetcontrolling ganz zu schweigen. Wo wir am Ende des Jahres stehen würden, war kaum zu erahnen, die Verantwortlichen der Ressorts hatten keine Infos, was ihnen noch an finanziellen Mitteln zur Verfügung stand und es war zu diesem Zeitpunkt schlichtweg nicht möglich, zu kontrollieren und zu verhindern, dass das Budget überzogen würde. Für mich war es vordringlich dies schnellstmöglich zu ändern.

Aber jemand muss in dieser Zeit doch dafür verantwortlich gewesen sein, dass ein solches Controlling eben nicht stattfand. War dies nicht die Aufgabe des damaligen Vorstandes? Müsste es in der jetzigen Situation, in der ein Teil der Szene mit Heugabeln und Fackeln vor den Toren steht, nicht personelle Konsequenzen geben, um einen Neustart zu ermöglichen?

Für das Controlling ist der Schatzmeister als Teil des Vorstandes von Floorball Deutschland zuständig. In den fraglichen Jahren war das Sebastian Wenning, der 2010 gewählt wurde. Nach seinem Rücktritt hat Vizepräsident Andreas Ritter diese Aufgabe übernommen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Andreas die ganze von Sebastian Wenning liegengelassene Arbeit zusätzlich zu erledigen hatte. Und das ist für eine ehrenamtliche Stelle ein riesiger Brocken. 2013 wurde dann Christian Baureis zum Schatzmeister gewählt. Seit Juni 2013 habe auch ich einen Blick auf die Zahlen, die wir seither gemeinsam versuchen grundlegend zu ordnen. Die personellen Konsequenzen haben sich also durch den Personalwandel von selbst ergeben.

Wie soll das jetzt korrigiert werden?

In den letzten Jahren wurde an vielen Stellen mit zu optimistischen Annahmen gerechnet. Einnahmen wurden zu hoch, manche Ausgaben, die erfolgen mussten, wiederum zu niedrig angesetzt. Um ein paar Beispiele zu nehmen: Es wurde angesetzt, dass sich die 2010 geschaffene Stelle des Geschäftsstellenleiters über den Gewinn des Verkaufs durch einen Verbandsshop finanzieren ließe. Diese Rechnung ist nicht einmal ansatzweise aufgegangen. Gelder, wie fällige Gebühren an die IFF, wurden von 2011 bis Mitte 2013 versäumt zu zahlen. Dabei wurde ignoriert, dass dies dem Verband auf die Füße fallen würde. Mitarbeiter bekamen zum Teil ihre Aufwendungen über Jahre nicht oder nur unvollständig erstattet. Wir sind dann im letzten halben Jahr mit sehr kritischem Blick durch die Zahlen gegangen, beziehungsweise Andreas Ritter und ich haben sie teilweise erst erstellt, dabei optimistische Annahmen gestrichen und alle Altlasten versucht, zu entdecken und deren Beseitigung in Angriff zu nehmen. Dabei ist schnell klar geworden, dass die Einnahmen bei weitem nicht ausreichen, um die Aufgaben von Floorball Deutschland zu erledigen. Wir haben dies sehr schnell, sehr offen und ohne jede Beschönigung kommuniziert und die Landesverbände durch den Gesamtvorstand detailliert in Kenntnis gesetzt. Der Überbringer solcher schlechter Nachrichten wird dafür nicht besonders geliebt, aber wenn ich diese Schritte nicht sehr nachdrücklich veranlasst hätte, wären die Konsequenzen gravierend gewesen. Auf Basis dieser Zahlen haben wir einen konkreten Lösungsansatz vorgeschlagen. Wir haben auch mit der IFF offene und konstruktive Gespräche geführt. Der Weltverband ist im Detail über unsere Situation informiert. Wir haben dabei auch einige Tipps und Vorschläge zur Verbesserung der finanziellen Situation erhalten, denn unsere Probleme sind nicht einzigartig.

Und wie will man das Loch jetzt praktisch kitten?

Selbstverständlich haben wir Sparmaßnahmen eingeleitet. Wünsche auf Erhöhung der Budgets, die sehr gut begründet waren, denn viele Bereiche sind ganz klar unterfinanziert, konnten deshalb nicht erfüllt werden. So etwa die Posten Teambudget und Sozialfonds für Nationalspieler. Wir schauen inzwischen auch genau darauf, dass Budgets nicht überzogen und Mittel zweckgemäß entfremdet werden. Dies hat aktuell sehr konkrete Auswirkungen bei der Herren-Nationalmannschaft, wo einige Spieler aus finanziellen Gründen nicht mit dabei sind.

Und das war mal anders?

Der Blick zurück zeigt klar, dass die 2010 zum Zweck der Deckung der Kosten der aufzubauenden Geschäftsstelle eingeführten Spielerlizenzgebühren zum Großteil zur Deckung der sonstigen Kosten von Floorball Deutschland verwendet wurde. Es bleibt somit nur die Wahl, einige Schritte zurück zu machen und die Arbeit zumindest weitestgehend wieder von ehrenamtlichen Mitarbeitern machen zu lassen, soweit diese zu finden sind, und die Geschäftsstelle weitesgehend aufzulösen oder die Einnahmen zu erhöhen.

Einnahmen weiter zu erhöhen kommt in der Floorball-Gemeinde aber gar nicht gut an.

Alle Floorballverbände finanzieren sich größtenteils über die beim Spielbetrieb erhobenen Lizenzgebühren. In Deutschland sind diese Gebühren bisher im Vergleich zu anderen Nationen extrem niedrig. Es ist eine Illusion zu glauben, dass der Großteil der Gelder über Sponsoren zu erhalten wäre, im internationalen Bereich sind wir diesbezüglich schon mit an der Spitze. Aus diesem Grund haben wir eine Erhöhung aller Spielerlizenzgebühren vorgeschlagen. Auch mit dieser Erhöhung wären die Gebühren immer noch im unteren Bereich des international Üblichen gelegen. Der Gesamtvorstand hat anders entschieden und eine Erhöhung der Spielerlizenzgebühren in den Landesverbänden abgelehnt und stattdessen eine größere Erhöhung der Spielerlizenzgebühren für die Bundesligisten beschlossen. Das mussten wir akzeptieren.

Nun sind auch die Schulden beim Weltverband IFF ein Thema. Laut Regularien könnte sogar der Startplatz an der kommenden Herren-WM in Frage stehen.

In den Jahren 2006 bis 2010, in denen ich Vizepräsident von Floorball Deutschland war, hatten wir nie irgendwelche Schulden bei der IFF und alle Rechnungen wurden immer prompt bezahlt. Im Jahr 2011 änderte sich dies dann schlagartig, in jenem Jahr wurden die meisten Rechnungen nicht mehr beglichen, zwischen 2012 und Mitte 2013 sogar keine einzige. Wir haben dies lediglich aufgedeckt, nicht verursacht. Diese Zusammenhänge sind der IFF auch vollkommen bekannt. Oliver Stoll und ich sind in sehr engem Kontakt mit der IFF, wir haben die Karten völlig offen auf den Tisch gelegt und ich weiß, wir genießen auch persönlich das nötige Vertrauen. Wir sind dabei die Details der Schuldentilgung gemeinsam mit der IFF zu klären. Auch wenn es zum Teil gezielt gestreut wird: Die WM-Teilnahme ist nicht in Gefahr.

Nichtsdestotrotz scheint das Thema U19-WM nicht ausreichend aufgearbeitet zu sein. Für manche Vereine ist es schwer nachzuvollziehen, dass nach der Veranstaltung, vor allem auch in Anbetracht des finanziellen Ergebnisses, keine personellen Konsequenzen kommuniziert wurden. Inwiefern trägst du als Generalsekretär beispielsweise die Verantwortung für das Ergebnis der U19-WM?

Nun, tatsächlich wurde danach eine vollkommen neue Personalstruktur aufgebaut. Erhebliche Konsequenzen in der Personalstruktur gab es also durchaus. Aber ganz klar, mit dem finanziellen Ergebnis der U19-Weltmeisterschaft bin auch ich nicht zufrieden. Und es muss auch ganz deutlich gesagt werden, dass Fehler gemacht wurden, auch von mir. Wir haben das Budget auf Grundlage der Erfahrungen der letzten Veranstaltung in Weißenfels aufgestellt und dieses wurde vom Gesamtvorstand mit sehr deutlicher Mehrheit verabschiedet.

Und es muss auch ganz deutlich gesagt werden, dass Fehler gemacht wurden, auch von mir.

Dabei haben wir alle die Unterschiede und zusätzlichen Schwierigkeiten unterschätzt, die eine Durchführung in einer deutlich größeren Halle und Stadt mit sich bringen. Abläufe dauern länger, die Anzahl der beteiligten Behörden ist größer und deren Auskünfte widersprechen sich öfter. Wir waren bei vielen Entscheidungen und Handlungen teils stark im Verzug, was negative Folgen hatte. Auch haben wir eine gewisse Sättigung der Besucher und Helfer nach der WM 2011 unterschätzt. Mitarbeiter und Zuschauer konnten nahezu ausschließlich im norddeutschen Raum gewonnen werden. Wir sind ein Stück weit daran gescheitert, die Veranstaltung zu einer Veranstaltung für ganz Deutschland zu machen. Auch die Zusammenarbeit mit den Hamburger Kräften klappte nicht reibungslos, das muss ich mir zum Großteil selbst anlasten, ich habe da einfach nicht den richtigen Draht gefunden.

Was sind die Schlussfolgerungen daraus?

Die Umstände waren nicht ganz einfach. Floorball Deutschland hatte bis Mitte 2013 mit Philipp Mertens als Geschäftsstellenleiter nur einen bezahlten Mitarbeiter, zudem sind wir mit der heißen Phase der Vorbereitung der Veranstaltung mitten in die Umstrukturierung von Floorball Deutschland geraten. Aufgrund von Problemen im Finanzressort in den letzten Jahren musste die Kassenprüfung wiederholt und deshalb die Delegiertenversammlung 2012 verschoben werden, sie fand erst Anfang Februar 2013 statt. Auf dieser Delegiertenversammlung wurden der Aufbau einer Geschäftsstelle und die teilweise Umstellung auf bezahlte Kräfte beschlossen, was durch die Verschiebung mitten in die heiße Phase der WM Vorbereitung fiel.

In den darauffolgenden Wochen wurde das Personal für die ausgeschriebenen Stellen der Geschäftsstelle gesucht. So etwas führt leider oft zu Eifersüchteleien. Die Bereitschaft dieser Mitarbeiter sich auch an der
Vorbereitung der U19-WM zu beteiligen, war auch aufgrund ihres bereits sehr hohen Arbeitsaufwandes teilweise eher gering. Dies machte es nicht einfacher, ehrenamtliche Mitarbeiter zu finden, die sich verständlicherweise fragten, warum nicht die designierten Geschäftsstellenmitarbeiter diese Aufgaben verrichteten. Zudem waren einige Personen, die bereits bei vorherigen Events mit im Mitarbeiterteam waren, wegen ausstehender Erstattung von Auslagen von Floorball Deutschland nur schwer oder gar nicht dazu zu überzeugen, wieder mitzuhelfen.

Das betraf auch dich persönlich?

Ich selbst war bis Sommer 2010 Vizepräsident von Floorball Deutschland und anschließend raus aus der Verbandsarbeit. Nach zweimaligem Rückzug der Leiter des Organisationskommittees der U19-WM 2011 in Weißenfels habe ich zum Januar 2011 die Leitung übernommen. Ähnlich war es bei der WM-Qualifikation im Februar 2012 in Münster, auch da bin ich wenige Monate vor Beginn der Veranstaltung eingesprungen, um diese zu retten. In diesem Zusammenhang wurde mir im November 2011 die Aufgabe als Eventleiter von Floorball Deutschland angeboten. Entgegen der Absprachen vor der WM in Weißenfels, der Quali in Münster und des Angebots als Eventleiter habe ich für keine der Veranstaltungen eine finanzielle Entschädigung erhalten, denn schon damals war die finanzielle Lage von Floorball Deutschland angespannt. Dazu kam, dass Auslagen in vierstelliger Höhe über mehrere Jahre, teilweise trotz fest zugesagter Zahlungstermine, nicht erstattet worden waren. Sprich, ich wartete im Januar 2013 noch auf die Erstattung eines großen Teils der Kosten, die bei mir während Organisation der U19-WM 2011 angefallen waren. Dies führt zu Situationen, in denen man aus persönlichen Gründen die Prioritäten anders setzen muss. Da weder zusätzliche Mithelfer noch ein Vertreter zu finden war, habe ich gemacht, was für mich in dieser Situation machbar war.

Was ist aber nun die Moral von der Geschichte? Was hat der Verband von der U19-WM gelernt?

Versprechungen und Absprachen müssen eingehalten und Auslagen zeitnah erstattet werden. Wir benötigen für solche Events eine geeignete Struktur, auch in der Geschäftsstelle. Wichtig ist auch, dass der lokale Ausrichter zukünftig eine größere Rolle spielt. Ohne die Bereitschaft eines ausrichtenden beziehungsweise mitausrichtenden Vereins oder Landesverbandes sind Events, und damit meine ich nicht nur große internationale, sondern auch Veranstaltungen wie das final4, personell nicht zu stemmen. Ein Beispiel für ein solches Event war das final4 in Chemnitz, das zwar kein großer finanzieller Erfolg für Floorball Deutschland war, jedoch als eine runde Sache dank der Arbeit des lokalen Ausrichter vollends zu überzeugen wusste.

Es gibt aber leider nicht viele Vereine, die bereit und in der Lage sind, eine solche Veranstaltung mit durchzuführen. So konnte unser Eventverantwortlicher Jan Kratochvil trotz vieler Bemühungen keinen etablierten Partner für das final4 finden. Chemnitz hatte sich nach dem letzten final4 angeboten, aber wir hatten dort gehofft, einen Europacup-Event auszurichten, außerdem ist es wie gesagt Sinn und Zweck des final4 zu reisen und nicht zweimal hintereinander am selben Ort stattzufinden. Niemand sonst hat sich beworben. Es braucht Zeit solche Partner in allen Regionen Deutschlands aufzubauen und in die Lage zu versetzen, solche Veranstaltungen stemmen zu können. Denn wir wollen sie in allen Teilen Deutschlands haben und nicht nur dort präsent sein, wo aktuell die Topklubs ansässig sind. Schließlich sieht der Verband seine Aufgabe in der Förderung unseres Sports in ganz Deutschland.

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Das final4 zieht nächste Woche auf die Insel. Die Vorbereitungen des Wyker Ausrichters laufen auf Hochtouren, die Teilnehmer bemängeln die vermeintliche Unzugänglichkeit des Austragungsortes. / Foto: Sascha Reich, Floorball Deutschland

Bleiben wir aber noch bei den Verbandsstrukturen. Insgesamt sickert durch, dass die Personalreform des Verbandes, die im vergangenen Jahr eine Vollzeit-Stelle, fünf 450-Euro-Jobs und einen Marketingposten auf Provisionsbasis schuf, nicht wirklich gefruchtet hat. Insbesondere der Arbeitsaufwand der 450-Euro-Jobs sprengt im Augenblick den Rahmen. Mit Philipp Mertens und Andreas Ritter sind zwei dieser Kräfte bereits ausgeschieden. Event-Leiter Jan Kratochvil, der nach der vergangenen U19-WM einstieg, steht nach dem kommenden final4 berufsbedingt nicht mehr zur Verfügung und auch Sportchef Moritz Moersch soll seinen Rücktritt für den Frühsommer angekündigt haben. Warum hat die neue Arbeitsstruktur nicht funktioniert?

Ich glaube, der Beginn der Umstellung auf hauptberufliche und Teilzeitkräfte war ein wichtiger und überfälliger Schritt. Die Arbeit lässt sich nicht mehr ehrenamtlich bewältigen. Mit der Umstellung sollte unter anderem für mehr personelle Kontinuität bei den zum Teil sehr komplexen Arbeiten gesorgt werden. Es hat sich aber gezeigt, dass der Aufwand für nahezu alle Stellen so hoch ist, dass er neben einem regulären Job oder Studium nicht oder kaum zu bewältigen ist. Fast alle Mitarbeiter, ob Moritz Moersch für den Bereich Sport, Andreas Ritter für die Finanzen oder Jan Kratochvil für die Events, haben mir gesagt, dass für ihren Bereich mindestens noch ein weiterer Mitarbeiter mit ähnlichem Arbeitsumfang erforderlich ist. Im Bereich Sport würde einer vermutlich nicht einmal ausreichen. Wenn jemand meint, er könne eine solche Arbeit längere Zeit nebenher machen, dann ist er willkommen im Team. Die Erfahrung hat aber leider gezeigt, dass solche Mitarbeiter nach spätestens ein bis zwei Jahren, wenn nicht schon nach wenigen Monaten völlig ausgebrannt sind und nicht selten auch persönlichen Schaden genommen haben.

Dann ist der jetzige Zustand aber nicht weiter tragbar, oder? Wie soll die Struktur der Geschäftsstelle denn reformiert werden?

Wir brauchen als Basis ein festes Büro und mindestens zwei Festangestellte, die sich auch gegenseitig vertreten können. Diese würden den Bereich Verwaltung, inklusive Finanzen, und Sport abdecken. Dazu müsste eine mischfinanzierte Stelle entstehen, die für die Bereiche Marketing, Kommunikation und Events zuständig wäre. Diese könnte über eine Teilzeitbeschäftigung sowie Provisionszahlungen finanziert werden. Darüberhinaus muss klar definiert werden, was die Ziele für die nächsten Jahre sind, wohin die Reise hingehen soll. Das ist Aufgabe des Gesamtvorstandes sowie des geschäftsführenden Vorstandes und soll Anfang März in Blossin eingeleitet werden. Dabei muss klar sein, dass für alle Aufgaben und Ziele Personal, sei es ehrenamtlich oder hauptamtlich, vorhanden sein muss und dass es Aufgabe des Gesamtvorstandes ist, für die personellen und finanziellen Mittel zu sorgen.

Einige Funktionäre der Landesverbände monieren, dass der Posten eines Entwicklungs-Beauftragten bislang vernachlässigt wurde. Würde der in einer solch neuen Struktur nicht fehlen?

Die Mitarbeiter der Geschäftsstelle von Floorball Deutschland haben ein sehr detailliertes Entwicklungsprogramm entwickelt und Teile davon auch bereits praktisch erprobt. Auch dessen Finanzierung ist bereits weitgehend abgesichert. So gibt es Zusagen für Fördermittel und Sponsoringgelder. Sobald wir diesbezüglich den finalen Schritt geschafft haben, werden wir es dem Gesamtvorstand vorstellen, in dessen Händen es dann liegen wird, ob es umgesetzt wird oder nicht. Leider sind wir nicht in der Lage solche Dinge ausreichend zu kommunizieren, dazu fehlen leider die personellen Ressourcen.

Leider sind wir nicht in der Lage solche Dinge ausreichend zu kommunizieren, dazu fehlen leider die personellen Ressourcen.

Worum geht es bei diesem Projekt genau?

Wir planen schon dieses Jahr in einer höheren zweistelligen Zahl von Städten Schulen zu besuchen, dort Sportlehrer auszubilden und den Schulen bei Bedarf für eine gewisse Zeit Material zur Verfügung zu stellen. In diesen Städten organisieren wir mit einer Partnerschule Schulturniere als Teil oder Vorstufe eines Schulcups beziehungsweise von „Jugend trainiert für Olympia“. In die Aktion werden jeweils Partnervereine einbezogen, um den Übergang von der Schule in den Verein zu gewährleisten. Mathias Liebing, der dieses Projekt entwickelt hat, hat dafür bereits sehr umfangreiche und systematisierte Materialien erstellt. Das Projekt soll zentral gesteuert und in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Landesverbänden durchgeführt werden, so dass ganz gezielt Regionen entwickelt und Lücken geschlossen werden können.

Jetzt zur anstehenden Veranstaltung auf Föhr. Die Reaktionen sind geteilt: Während sich die einen auf einen Inselbesuch freuen, Bonn reist beispielsweise wieder mit einer großen Fan-Schar an, beschweren sich einige Bundesligisten über die finanzielle Mehrbelastung. Hätte man es sich und den Teams nicht einfacher machen können?

Das final4 ist ein Event, das an verschiedenen Orten in ganz Deutschland stattfinden soll. Nach dem bisher finanziell deutlich erfolgreichsten final4 2012 in Hamburg hatten wir 2013 mit Chemnitz einen Partner der einen super Job gemacht und wo das bis dato beste final4 stattfand. Für dieses Jahr war es aber sehr schwer überhaupt einen Ausrichter zu finden.

Wir sind sehr froh, dass sich der Wyker TB bereit erklärt hat, die Ausrichtung des final4 2014 zu übernehmen. Das Team um Michael Cornils macht bisher einen herausragenden Job bei der Vorbereitung des final4. Die
Zusammenarbeit ist sehr eng. Auch dank Mathias Liebing wird das diesjährige Event mittels zahlreicher Sponsoren ein positives Rekordergebnis einfahren. Ich freue mich sagen zu können, dass erstmals alle Sponsorenpakete verkauft wurden und neue Partner für den Verband gewonnen wurden, die uns über das final4 hinaus unterstützen werden.

Fakt ist jedenfalls, Föhr ist und war heiß auf die Veranstaltung. Das hat ein Besuch vor Ort deutlich gemacht. Die ganze Gemeinde steht hinter dem final4. Alles ist zwar etwas kompakter als letztes Jahr in Chemnitz, aber es hat viel Leidenschaft und maritimen Charme. Hinzu kommen neue und besondere Events wie die Penalty Meisterschaft freitagnachts in einem Musikclub oder die Inselmeisterschaft der Jugendteams aus der Gegend. Es ist nur fair, den dortigen Entwicklern die Chance zu geben, sich zu beweisen.

Das aber auf Kosten der teilnehmenden Bundesligisten.

Das ist der falsche Blickwinkel. Das final4 bedeutet für die anreisenden Teams immer Kosten, für Teams die einen langen Anreiseweg haben sind diese selbstverständlich höher. Die weiteren Kosten unterscheiden sich nicht wesentlich von denen in der Vergangenheit, denn um es den Teams möglichst einfach und günstig zu machen, haben wir in Zusammenarbeit mit unseren Partnern für die teilnehmenden Teams Komplettpakete erstellt, die nicht nur Übernachtung und Vollverpflegung, sondern dazu auch noch Transporte von den Unterkünften zu Fähre und Sporthallen, sowie die Fährüberfahrten beinhalten. Diese Pakete liegen in einem preislichen Bereich, der von zukünftigen Ausrichtern erst einmal unterboten werden muss. Ich weiß wirklich nicht, was wir hätten mehr machen können.

Ich weiß wirklich nicht, was wir hätten mehr machen können.

Das sehen einige Vereine anders.

Wie gesagt, unser Ziel ist es, dass unsere Veranstaltungen, auch das final4, in allen Teilen Deutschlands stattfinden, wir möchten Floorball in ganz Deutschland entwickeln. Und hier kommen wir zu einem Interessenkonflikt mit den Spitzenvereinen, die aktuell hauptsächlich in Sachsen und Sachsen-Anhalt zu finden sind und die sich verständlicher Weise hauptsächlich um ihre eigenen Interessen kümmern und die Veranstaltung möglichst immer in ihrer Nähe haben möchten. Dabei haben diese Vereine aufgrund der höheren Dichte an Bundesligisten in ihrer Region bereits die im Durchschnitt kürzesten Fahrtwege und es dadurch im Vergleich zu Vereinen wie Kaufering oder Hamburg deutlich einfacher.

Die Helferakquise außerhalb der Insel soll nun recht schwierig sein und auch die allgemeine Begeisterung hält sich in Grenzen. Hat man das Event und all seine Aspekte nicht gut genug kommuniziert?

Bis zum Event sind es ja noch zwei Wochen hin und in diesen wird die Bewerbung natürlich noch einmal Fahrt aufnehmen. Die Helferakquise verlief in der Vergangenheit nicht wirklich anders, die Ansprache von Besuchern wurde nie so breit kommuniziert wie in diesem Jahr. Aber es stimmt, dass wir diesmal noch den einen Extra-Schritt gehen müssen, um die Leute zu begeistern.

Dazu kommt, dass das aktuelle Verbands-Bashing die Situation nicht einfacher macht. Häufig hören wir, „das soll der Verband schön selbst machen“ oder „das tue ich mir doch nicht an, dann bin ich auch der Depp“. Mit Sicherheit hätten wir hier zeitiger Missverständnisse entschärfen müssen, ich appelliere aber an alle, die im Augenblick das Bedürfnis haben, die Kompetenzen des Verbandes in Frage zu stellen, es sich nicht zu einfach zu machen und dies nicht auf dem Rücken der Wyker Ausrichter zu tun. Sie haben eine Chance verdient und sie werden es großartig machen. Sie brauchen aber Unterstützung der ganzen Community.

Aber wie lässt sich ein solches Event für Ausrichter denn nun attraktiver machen?

Wir sind uns durchaus bewusst, dass die Ausrichtung eines solchen Events für Vereine attraktiver gemacht werden muss. Diesbezüglich haben wir zum Beispiel dank des Bundesliga Summits den Vorschlag herausgearbeitet, dass zukünftig der Ausrichter des final4, so spielerisch geeignet, gesetzt werden soll. Aber noch einmal: Nicht bereit sein eine Veranstaltung auszurichten und sich dann über den gewählten Ausrichter zu beschweren, ist für mich nicht unbedingt die feine Art.

Zum Abschluss noch das Thema „Nationalmannschaft“. Zur WM-Quali nach Nijmegen reiste ein stark reduzierter Kader. Die Gebrüder Holtz, Ramon Ibold und auch Sebastian Bernieck sagten aus finanziellen oder „strukturellen“ Gründen ab. Letzterer kritisierte vor kurzem die Organisation der Länderspiel-Termine (siehe „Ein Teamleiter ist für die Herren überlebenswichtig„], Fredrik Holtz verlangt eine höhere Stellung der Nationalmannschaft (siehe „Holtz kritisiert Dachverband„). Zwischen dem WM-Erfolg 2012 und der WM-Quali absolvierte die Nationalmannschaft lediglich ein Länderspielwochenende. Wo hakt’s und warum ist es so schwierig hier einen Teamchef zu finden?

Als erstes möchte ich die Nationalmannschaft zur Qualifikation für die WM in Götheborg beglückwünschen. Sie sind vorbildlich aufgetreten, der Teamgeist war toll und sie haben die Aufgabe gerade angesichts der schwierigen Vorbereitung sehr gut gelöst. Ich möchte besonders unserem Cheftrainer Philippe Soutter, seinem neuen Co-Trainer Christoph Huber, der Physiotherapeutin Thamara Zobel, sowie unserer Vizepräsidentin Elke Scholz, die als Teambetreuerin eingesprungen ist herzlich danken. Es war ein perfektes Beispiel dafür, was man erreichen kann wenn man zusammenarbeitet und zusammenhält.

Aber zur geäußerten Kritik. Floorball Deutschland hatte noch nie Gelder, um Kosten von Nationalspielern zu übernehmen. Es steht lediglich eine kleine Summe zur Verfügung, die für Bezuschussung aus sozialen Gesichtspunkten gedacht ist. Solange keine Gelder dafür zur Verfügung stehen, Gelder, die vom Gesamtvorstand genehmigt werden müssten, wird dies auch zukünftig nicht anders sein.

Es gab aber auch Kritik an der Organisation der Zusammenzüge.

Unser Sportdirektor Moritz Moersch hat alleine mit der Betreuung der Nationalteams einen sehr fordernden und zeitraubenden Posten. Es scheint vielen nicht klar zu sein, dass er unmöglich auch noch die Posten der Teamleiter selbst übernehmen kann. Leider finden sich zu wenige Freiwillige, die bereit sind, selbst mitzuarbeiten und Posten wie den des Teamchefs der Herrennationalmannschaft zu übernehmen – obwohl der in meinen Augen sehr interessant und attraktiv ist.

Es ist also nicht abzustreiten, dass es aus diesen Gründen organisatorische Mängel gab, dass Termine teils zu spät durchgeplant und kommuniziert wurden und sich deshalb zu wenige Spieler anmeldeten und diese Maßnahmen dann gestrichen werden mussten. Dies muss dringend besser laufen, dazu brauchen wir einen Teamchef für die Herren und ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass wir endlich einen finden werden.

Wir wollen die Aufgaben zukünftig wieder bündeln, was jedoch wie in anderen Verbänden nur mit einer Vollzeitstelle machbar ist.

Hinzu kommt, dass, wie bereits angesprochen, der Rücktritt von Moritz Moersch als Sportchef, der im Raum steht. Wie will der Verband mit dieser Baustelle umgehen? Oder müssen die Prioritäten erstmal woanders als im Bereich der Nationalmannschaften liegen?

Der Spielbetrieb und die Nationalmannschaften gehören zur Kernaufgabe von Floorball Deutschland. Der Sportdirektor war laut Ausschreibung zuständig für Nationalteams, Spielbetrieb, Schiedsrichterwesen, Ausbildung und die medizinische Kommission. Da dieses Tätigkeitsfeld mit einer 450 €-Stelle nicht abzudecken ist, ist Moritz bisher ausschließlich für die Nationalteams zuständig, was immer noch mehr als genug ist. Hier setzt unser Vorschlag für die zukünftige Geschäftsstellenstruktur an. Wir wollen die Aufgaben zukünftig wieder bündeln, was jedoch wie in anderen Verbänden nur mit einer Vollzeitstelle machbar ist.

Was will der Verband der Floorball-Gemeinde mit auf den Weg geben, um mit Elan die Floorball-Entwicklung weiter zu unterstützen?

Es mag in der aktuellen Situation seltsam klingen, aber der Großteil der Floorballwelt würde gerne mit Floorball Deutschland tauschen und hätte gerne in den letzten Jahren eine ähnliche Entwicklung genommen. Man vergisst zu schnell, wo man damals stand, mit welchen Problemen man da zu kämpfen hatte und was in den letzten Jahren alles erreicht wurde. Das darf man nicht für selbstverständlich halten. Lasst uns auf dem Erreichten aufbauen und es nicht mutwillig zerstören.

Und das ist realistisch?

Ja. Aktuell gibt es Probleme, weil Strukturmaßnahmen zu spät und nur halbherzig eingeleitet wurden und deshalb einiges an Altlasten aufzuarbeiten ist. Es klingt banal, aber gemeinsam werden wir diese Probleme lösen. Wenn alle wieder ein wenig mehr an die Entwicklung von Floorball in Deutschland denken und weniger nur an das Wohl ihres Vereins oder Landesverbandes werden wir die aktuell problematische Phase bald hinter uns haben. Aber dazu müssen zumindest einige mitanpacken, statt nur an den eigenen Vorteil oder an alte Rechnungen zu denken.