Die Insel-Insiderin

Ina Jensen im Nationaltrikot - Die Verteidigerin nahm 2009 und 2013 an der WM teil. /Foto: Iris Müller

Ina Jensen im Nationaltrikot – Die Verteidigerin nahm 2009 und 2013 an der WM teil. /Foto: Iris Müller

Nationalspielerin Ina Jensen ist das Floorball-Aushängeschild von Föhr. Als Schülerin trug sie maßgeblich dazu bei, Floorball auf die Nordseeinsel zu bringen. Danach feierte Jensen mit dem Wyker TB beachtliche Erfolge. Beim final4 erlebt die 24-jährige nun ihr persönliches Heimspiel.

Ina Jensen war eine der Schlüsselfiguren beim erfolgreichen WM-Auftritt der deutschen Damen letzten Dezember in Tschechien. Zum so nicht zu erwartenden Durchmarsch des Teams bis in die Top 8 der Welt steuerte Jensen fünf Tore und eine Vorlage bei, darunter zwei Treffer beim wichtigen 3:2-Sieg in der Gruppe gegen Dänemark.

Gut zehn Jahre vor diesen beeindruckenden Auftritten in Brno und Ostrava kam die damals 13-jährige Schülerin erstmals mit Floorball in Kontakt. Mit einem Schulteam nahm sie an einem Wettbewerb teil, der sie bis in die Endrunde nach Grimma führte. Dort wurde ihr Team Dritter. „Danach stand für uns fest, dass wir weiterspielen wollten“, erinnert sich Jensen.

Aufseher gebraucht, Floorball-Abteilung gegründet

Das Problem war nur: Auf Föhr gab es keinen Floorball-Verein. Bei einem Mittagessen schilderten Jensen und ihre Freundin Judith Burmester deren Vater Tim die Situation. Da die Mädchen noch lange keine 18 Jahre alt waren, brauchten sie einen Aufseher für die Trainingseinheiten. Tim Burmester erklärte sich schließlich bereit, diesen Job zu erledigen.

Es war die Geburtsstunde von Floorball auf Föhr. Im Sportklub Wyker TB baute Burmester in den folgenden Jahren eine florierende Abteilung auf. Vor allem im Nachwuchsbereich feierte der kleine Inselklub rasch Erfolge: Schon in der Saison 2004/05 qualifizierte sich das U17-Team des Wyker TB für die Endrunde der Deutschen Meisterschaft.

Auch Ina Jensen war voll involviert, als Spielerin und bald auch Trainerin. So beschloss sie 2006, gemeinsam mit Judith Burmester ein U11-Team zu gründen: „Zur ersten Einheit kamen damals 50 Kinder. Es war der Wahnsinn. Mit Justin Obojagbe spielt einer dieser Spieler heute in der U17-Nationalmannschaft“, sagt Jensen. Nachdem die Verteidigerin zuvor jahrelang bei den Jungs mitspielte, gelang es 2007/08 erstmals, ein Mädchen-Team zusammenzustellen. Das gewann prompt Bronze bei der deutschen Kleinfeldmeisterschaft.

Schokonille bei Walli, für 50 Cent die Kugel“

Wie alle Floorballer der Insel kann auch Jensen von einige Anekdoten über die Fähre erzählen. So galt es bei Spieltagen immer, das erste Schiff um 6.15 Uhr zu bekommen. Am Abend ging die letzte Fähre vom Festland dann 20 Uhr. „Gerade das war eine Herausforderung, denn ein vorheriger Stopp bei McDonalds war immer Pflicht“, weiß Jensen. Der Grund ist simpel: Auf Föhr selbst gab und gibt es keine McDonalds-Filiale. Dafür aber verkauft Walli „seit 50 Jahren Schokonille-Eis, Schoko und Vanille gemischt, für 50 Cent die Kugel“. Ein kleiner Insel-Insider.

Bei der WM letzten Dezember überzeugte Jensen (2. v. r.) beim deutschen 3:2-Sieg im Gruppenspiel gegen Dänemark mit zwei Toren und wurde "Best Player". /Foto: IFF

Bei der WM letzten Dezember überzeugte Jensen (2. v. r.) beim deutschen 3:2-Sieg im Gruppenspiel gegen Dänemark mit zwei Toren und wurde „Best Player“. /Foto: IFF

2010 verließ Jensen schließlich ihre Insel, um in Kiel eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin zu machen. Mittlerweile wohnt und arbeitet sie in Hamburg. Mit der SG ETV Piranhhas/ Wellingsbüttel spielt die Föhrerin in der neu gegründeten Regionalliga Nord. Im Pokal hat die Spielgemeinschaft dank eines 4:3-Erfolgs im Viertelfinale über die SG Heidenau/Chemnitz den Sprung ins final4 geschafft.

Die ganze Insel ist in Aufregung

Für Jensen ist das Pokalturnier, wo ihr Team im Halbfinale auf Meister Weißenfels trifft, ein Heimspiel. Sie ist häufiger auf Föhr zu Besuch und weiß genau, was es für den Wyker TB und die gesamte Insel bedeutet, für ein Wochenende im Mittelpunkt der deutschen Floorball-Szene zu stehen.

„Ganz Föhr ist total aufgeregt. Viele Firmen haben sich bereit erklärt, beim Sponsoring zu helfen.“ Für ihren alten Klub ist das Turnier eine große Herausforderung. Jensen aber ist überzeugt, dass „das die Verantwortlichen um Michael Cornils und Tim Burmester sehr gut meistern werden“.

Als gebürtige Insulanerin weiß sie, einen Besuch in ihrer Heimat schmackhaft zu machen: „Es ist wunderschön, man ist maximal sechs Kilometer vom Wasser weg und die kleinen Friesendörfer sind einfach urig.“ Zudem sei Föhr, im Gegensatz zu Sylt, wenigstens eine echte Insel.

Das final4 findet vom 28. Februar bis 2. März in Wyk auf Föhr statt. Alle Infos zum Event gibt es auf floorball.de!