Rücktritt vom Rücktritt

Ab 2009 bis 2014 leitet der Sportpsychologe Oliver Stoll Floorvall Deutschland als Verbandspräsident. / Foto: Rudolf Schuba, floorball-europe.com

Bis mindestens Ende des Jahres bleibt Oliver Stoll Präsident von Floorball Deutschland. / Foto: Rudolf Schuba, floorball-europe.com

Nachdem Oliver Stoll Mitte März gemeinsam mit anderen Mitgliedern des geschäftsführenden Vorstands zurückgetreten war, stellte er sich nun einen Monat später im Rahmen der Außerordentlichen Delegiertenversammlung doch wieder als Präsident zur Wahl. Und wurde mit großer Mehrheit gewählt. Wie kam es dazu und wie geht’s weiter mit dem Verband?

Vergangenen Samstag wurde Oliver Stoll mit 83 Prozent der Stimmen bei der Außerordentlichen Delegiertenversammlung von Floorball Deutschland im nahe Hannover gelegenen Lehrte als Verbandspräsident im Amt bestätigt. Auf den ersten Blick scheint das nicht ungewöhnlich, schließlich macht Stoll seit 2009 einen guten Job und wird allgemein geachtet.

Allerdings war Stoll nur einen Monat vor dieser Wiederwahl gemeinsam mit den anderen drei Mitgliedern des geschäftsführenden Vorstands – Elke Scholz, Heiko Jassmann und Christian Baureis – zurückgetreten. Das Vertrauen zwischen Teilen des Gesamtvorstandes und dem geschäftsführenden Vorstand konnte nicht wiederhergestellt werden, hieß es damals als Begründung nach einer Sitzung des Gesamtvorstandes in Blossin.

Nur Stoll kommt zurück

Nun also der Rücktritt vom Rücktritt, zumindest von Oliver Stoll. Scholz, Jassmann und Baureis scheiden indes aus. Ihnen wurde in Lehrte für die geleistete Arbeit, speziell in der Bewältigung diverser struktureller Probleme gedankt. Die neu gewählte Schatzmeisterin Manuela Wagener betonte: „Sie haben in einer sehr schwierigen Situation sehr viel für den Verband getan. Allen gebührt größtmöglicher Dank.“

Neben Wagener wurde auf der Delegiertenversammlung von den Vertretern aus zehn der elf Landesverbände – die bayerischen Delegierten mussten kurzfristig absagen – noch eine dritte Personalie gewählt. Frank Herrmann wird demnach neuer Vizepräsident. Zudem beschlossen die Delegierten die Gründung einer Strukturkommission. Diese soll eine weitreichende Reform der Verbandsstrukturen koordinieren, die auch eine von Stolls Bedingungen war, um zur Wiederwahl anzutreten.

Professionalisierung der Verbandsstrukturen angestrebt

Der Plan sieht vor, die Verbandsstrukturen an jene der großen Spielsportverbände anzupassen. Projektarbeit solle dabei als Grundlage für eine Teilhabe und Mitgestaltung vieler Floorball-Enthusiasten dienen und die Professionalisierung der Verbandsstrukturen weiter vorangetrieben werden. Ein Dringlichkeitsantrag des Landesverbandes Sachsen, der auf die Änderung der Mitte Dezember beschlossenen Lizenzerhöhung für Bundesliga-Spieler (von 20 auf 60 Euro ab kommender Saison) abzielte, wurde stattdessen abgewiesen. Dagegen stimmten überraschenderweise auch Vertreter Sachsen-Anhalts, dessen Landesverband zuletzt in einem offenen Brief gemeinsam mit Sachsen eben jene Aufhebnung der Lizenzerhöhung gefordert hatte.

Bleibt noch die Frage, warum Oliver Stoll sich trotz Rücktritt wieder zur Wahl stellte. Die Antwort ist so simpel wie ernüchternd: Es fand sich kein Kandidat, der zur Verfügung stünde – auch nicht im Kreise der Kritikern, die in den Wochen um die Jahreswende mit offenen Briefen den Verband und seinen Vorstand öffentlich stark kritisierten.

Comeback auf Zeit

Sein Amt will Stoll dennoch bald endgültig abgeben. Vorerst stellt er seine persönlichen Interessen aber hinter das große Ganze zurück: „Meinen konkreten Auftrag sehe ich bis zum Ende des Jahres in der Vollendung des Aufnahmeprozesses im Deutschen Olympischen Sport-Bund und in der Übergabe des Präsidentenamtes eines zukunftsgerichteten Verbandes“, sagt er.

Vor dem Dachverband liegen nun entscheidende Monate. Während Generalsekretär Michael Lachenmeier gemeinsam mit Präsident Stoll die Bewerbung für die DOSB-Aufnahme koordiniert, müssen die Strukturen bei Floorball Deutschland wie geplant auf den Prüfstand gestellt und überarbeitet werden. Vor allem die Arbeitsbelastung einzelner Mitarbeiter soll reduziert und besser verteilt werden. Die Implementierung eines Controlling-Organs sollte eine weitere Lehre aus der Vergangenheit sein.