Thriller! Weißenfels holt Titel

Nummer zehn - Weißenfels ist Deutscher Meister 2014. / Foto: Rudolf Schuba

Nummer zehn – Weißenfels ist Deutscher Meister 2014. / Foto: Rudolf Schuba

Was für ein Finale! Weißenfels mit 80 Prozent Ballbesitz, doch dem MFBC reichen die restlichen 20 Prozent lange aus. Im Penaltyschießen vergibt dann ausgerechnet der reaktivierte Christian Fritsche den entscheidenden Schuss und macht den UHC damit zum Meister.

„Als ich nach oben zur Anzeigetafel schaute, sah ich: Es war noch Zeit“, sagt Oskari Kangas. 70 Sekunden, um genau zu sein. In der 59. Minute hatte Toni Lethinen den MFBC im dritten Finalspiel 6:5 in Führung geschossen. Weißenfels stand direkt vorm erneuten Finalknockout gegen den Erzrivalen. Dann gewann Herlt den Ball in der eigenen Ecke und trieb ihn nach vorne. Ableger auf Kangas, Schmidt hielt den ersten Ball. Gegen den Rebound von Henningson war der MFBC-Goalie aber machtlos. 13 Sekunden vor Ende markierte Weißenfels den Ausgleich.

„Dieses Tor darf nicht fallen“, meinte Routinier Christian Fritsche kurz nach der Partie. Fritsche war nach der letzten Saison eigentlich zurückgetreten, wurde vor den Playoffs dieses Jahr reaktiviert. In der Verlängerung fielen schließlich keine Tor und so wurde ausgerechnet Fritsche zur tragischen Figur: Als derjenige, der als letzter Leipziger Schütze den entscheidenden Penalty vergab. „Es sah aus meiner Sicht so aus, dass ich schon vorbei wäre“, rekapituliert Fritsche. Doch UHC-Goalie Schauer brachte den Arm noch ins bedrohte Eck und wurde danach von einer Jubeltraube in Rot-Weiß begraben (Video unter „Entscheidung in Slow Motion„).

Leipzig zog schnelle Lehren

Es konnte überhaupt erst soweit kommen, weil Weißenfels einen Tag zuvor mit einem furiosen Startabschnitt den MFBC überrollte. 7:1 führte der UHC nach dem ersten Drittel, laut Ligatopscorer Kangas „die besten 20 Minuten der ganzen Saison“, und erzwang letztlich mit einem 14:8-Sieg das Entscheidungsspiel am Sonntag.

Dort hatte Leipzig aus der Vortagesklatsche seine Lehren gezogen. Der MFBC stand extrem kompakt und blockte nahezu jeden Schuss der spielbestimmenden aber oft wirkungslosen Weißenfelser. „Ihre langen Auslösungen konnten wir nicht verhindern, dafür aber die Querpässe durch unsere Abwehr“, beschrieb Fritsche die defensive Grundordnung seines Teams. Glück bei insgesamt vier Aluminiumtreffern sowie ein starker Patrick Schmidt im Tor waren die weiteren Gründe dafür, dass Leipzig in den ersten beiden Dritteln fast immer führte – 0:2 nach 20, 3:4 nach 40 Minuten.

Men of the Match - Oskari Kangas (2+2) und Stanislav Kanta (3+1). / Foro: Rudolf Schuba

Men of the Match – Oskari Kangas (2+2) und Stanislav Kanta (3+1). / Foro: Rudolf Schuba

„Leipzig hat uns wirklich schwer zu schaffen gemacht“, zollte auch Oskari Kangas dem Gegner Anerkennung. Während Kangas mit zwei Toren und zwei Vorlagen bei Weißenfels der beste Mann war, drehte bei den Löwen Stanislav Kanta auf. Dem Tschechen gelangen gleich drei sehenswerte Treffer ins Kreuzeck. Beim finnischen Trio Lethinen, Koivistoinen, Ronkanen traf jeder Akteur einmal, sodass die erste Leipziger Linie alle Tore des MFBC erzielte.

Kangas: „Ein verdienter Titel“

Beinahe hätten diese sechs Treffer auch zum Titel gereicht, doch dann kam Henningson und verhinderte ein erneutes Weißenfelser Finaltrauma. Nach der letztjährigen Endspielniederlage in Verlängerung übte Weißenfels diesmal Revanche und siegte mindestens ebenso dramatisch im Penaltyschießen. „Über die Saison gesehen, war es ein verdienter Titel, denke ich“, meinte Oskari Kangas. Jetzt werde es eine Party geben. Das erste Mal in der Geschichte holt Weißenfels als Verein damit das Quadruple: Sowohl die Damen als auch die Herren, für die es übrigens der zehnte Titel war, holten das Double aus Meisterschaft und Pokal.

Beim MFBC war die Enttäuschung zwar sichtbar, hielt sich jedoch vergleichsweise in Grenzen. „Wir haben in dieser Saison eine nie erwartete Leistungssteigerung gezeigt. Auch nach unserem gestrigen Auftritt konnte keiner mit einer solchen Leistung heute rechnen“, sagte Christian Fritsche. Tatsächlich hatte wohl kein Team nach Weihnachten auch nur annähernd eine derart steil ansteigende Formkurve gehabt, wie der MFBC. Am Ende scheiterten die Leipziger nur denkbar knapp an der Titelverteidigung. Der reaktivierte Christian Fritsche kündigte übrigens an, nächste Saison definitiv nicht mehr fürs erste Team zur Verfügung zu stehen.

>UHC Sparkasse Weißenfels – MFBC Löwen Leipzig 2:1 (5:8, 14:8, 7:6 n.P.)

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