Persson: „Ich wollte es bewusst genießen“

Hauste, Matze! Perssons letzte Hanshakes. / Foto: Rudolf Schuba, floorball-europe.com

Hauste, Matze! Perssons letzte Hanshakes. / Foto: Rudolf Schuba, floorball-europe.com

Nach fast zwei Jahrzehnten beendete Mattias Persson seine großartige Karriere. Ein Bundesliga-Almanach auf zwei Beinen. Der schwedische Großmeister über den richtigen Zeitpunkt „Adieu“ zu sagen und die Herausforderungen des Mitteldeutschen Floorball Clubs.

Floorballmagazin: Mit 39 ist Schluss. Gab es einen bestimmten Grund aufzuhören? Dein Körper hält ja noch mit.

Mattias Persson: Ich habe letztes Jahr schon mit dem Gedanken gespielt aufzuhören und als wir Meister wurden, war mir auch so. Ein zwei Monate später spürte ich aber, dass noch etwas fehlt. Floorball macht mir einfach so unglaublich viel Spaß. Gleichzeitig haben viele auf mich eingeredet weiterzumachen. Wir bekamen neue Spieler, die Vorbereitung ging wieder los und ich merkte, dass ich noch nicht genug bekommen habe. Ich wollte mich noch von der Bundesliga verabschieden, von jeder einzelnen Halle, und jede Minute der Trainingseinheiten und Spiele bewusst genießen. Und vor allem eine weitere Saison als Kapitän des Deutschen Meisters spielen. Meine Frau hat die Entscheidung voll unterstützt und los ging’s.

Kannst du dich an dein erstes Bundesliga-Spiel erinnern?

Ich habe keine Ahnung welches es war. Aber ich kann mir auch grundsätzlich schlecht Spiele merken, die nicht in der näheren Vergangenheit liegen. Ich kann mich jedoch an mein erstes Trainingsspiel gegen Weißenfels erinnern, in der Ratzelhalle in Leipzig. Ich habe zwei Tore geschossen und war damit sofort in der Mannschaft akzeptiert.

Kein anderer Spieler überblickt eine so große Zeitspanne wie du. Wie hat sich die Bundesliga insbesondere aus sportlicher Sicht deiner Meinung nach entwickelt.

Damals haben wir unsere Spiele in Turnierform mit mehreren Partien an einem Wochenende bestritten und das Niveau war schon teilweise echt schlecht. Davon ist die heutige Bundesliga gottseidank meilenweit entfernt. Auch wenn ständig gemeckert wird. Ich weiß, wie es damals war, und Floorball in Deutschland ist schon auf einem guten Weg. Wir haben heute eine viel bessere Breite. Die Spieler sind technisch besser geschult und es sieht schon teilweise nach gutem Floorball aus. Für viele geht die Entwicklung zu langsam. Ich sehe es nicht so. Diese Dinge brauchen Zeit. Die Vereine brauchen Zeit, um gute Qualität hervorzubringen. Auf dem weg dahin werden Fehler gemacht. Es muss aber auch erlaubt sein, diese Fehler zu machen, ohne, dass man jemanden totmeckert. Bisschen positive Stimmung statt Meckern wäre angebracht.

Selber Gegner, selber Ort - Persson in Weißenfels vor zehn Jahren. / Foto: Florian Büchting, unihockey-pics.de

Selber Gegner, selber Ort – Persson in Weißenfels vor 10 Jahren. / Foto: Florian Büchting, unihockey-pics.de

Ab kommender Saison bist du zusammen mit Felix Friedrich als Trainer der Löwen im Einsatz. Wie kam es zu diesem Auftrag und wie teilt ihr euch die Aufgaben auf?

Der Verein hat sich schon im Frühjahr für Dix (Felix Friedrich, Anm. d. Red.) entschieden, was mich sehr gefreut hat, denn auch Trainer muss man in Deutschland rechtzeitig anfangen aufzubauen. Wir haben in der Vergangenheit andere Wege versucht, die nicht unbedingt immer von Erfolg gekrönt waren. Dix ist extrem akribisch und hat eine professionelle Einstellung zum Sport und verlangt auch dies von den Spielern. Er und Ralf Kühne wollten mich gern als Trainer in der 1. Mannschaft halten, um das Gleichgewicht von neu und alt zu haben. Es war schon eine schwierige Entscheidung zu treffen, da die neugewonnene Zeit auf die Familie fallen sollte. Gleichzeitig fiel es mir schwer, alle Verbindungen zu der Mannschaft abreißen zu lassen, die so viel für mich bedeutet. Letztendlich haben wir einen guten Kompromiss gefunden. Ich werde nicht immer anwesend sein, jedoch nah genug am Team sein, um Einfluss ausüben zu können. Quasi – er macht die Arbeit und ich ernte die Lorbeeren (lacht).

Der MFBC gehört jede Saison zum engeren Favoritenkreis um den Deutschen Meistertitel, ist aber stark von den fluktuierenden Legionären abhängig. Wie lässt sich langfristig ein konstanter Kader auf die Beine stellen?

Du hast vollkommen recht. Aber genauso das ist es, was ich mit Fehler machen meine. SSC und MFBC haben fast ein Jahrzehnt verschlafen, was die Jugendarbeit betrifft. Keiner hat sich so richtig darum gekümmert. Nun fehlen uns die Junioren, die andere Mannschaften in der Liga haben. Da schauen wir teilweise schon mit Neid hin. Bei uns kommen sie auch nach, aber die Lücke müssen wir mit ausländischen Spielern füllen. Das ist der Weg, den wir gewählt haben. Man kann ihn mögen oder nicht. Wir verfolgen ihn aber konsequent, um die Zeit zu überbrücken. Konstanz bekommst du nur über eine vernünftige Jugendarbeit. Das versteht jeder, auch wir.

Wie sieht der Plan für die Sommervorbereitung aus? Was erwartet die Jungs in den nächsten Wochen und wie sieht die Kaderplanung aus?

Ich verweile zur Zeit in Schweden, während unsere Jungs in der Hitze schwitzen. Dix macht da eine super Arbeit. Wir haben eine viel bessere Teilnahme als in den Jahren zuvor und man merkt, dass dies eine neue Mannschaft ist. Es ist wieder Zug drin. Wir werden auch konsequenter unsere Junioren einbinden. Als nächstes steht am 2. und 3. August ein Trainingslager in Leipzig an. Gefolgt von drei Wochen Hallentraining bis zu den GFO. Die Kaderplanung ist auch abgeschlossen. Neuverpflichtungen haben auch wir. Bekanntgabe folgt.

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