Döring-Kalow nehmen Auszeit

Die Genthiner liefen in vier der letzten fünf Bundesliga-Finals auf und waren auch als IFF-Schiedsrichter im Einsatz. / Foto: Rudolf Schuba, floorball-europe.com

Die Genthiner liefen in vier der letzten fünf Bundesliga-Finals auf und waren auch als IFF-Schiedsrichter im Einsatz. / Foto: Rudolf Schuba, floorball-europe.com

Deutschlands ambitioniertestes Schiri-Paar, Sebastian Döring und Steffen Kalow, gönnt sich eine Auszeit. Abseits des Platzes wollen beide aber die Beobachtung und Schulung Unparteiischer unterstützen. Ein Interview mit Sebastian Döring über die aktuellen Herausforderungen des Schiedsrichterwesens.

Floorballmagazin: Stimmt es, dass das Schiedsrichterpaar Döring-Kalow seine aktive Laufbahn abgebrochen hat?

Sebastian Döring: Ja, das ist für den Moment korrekt.

Unterbrochen oder beendet? Was waren die Gründe dafür?

Vorerst nur unterbrochen für eine Saison. Wie es dann weitergeht, werden wir im Frühjahr entscheiden. Die Gründe sind vielfältig und es gab sicher nicht einen einzigen als Auslöser. Zum einen gibt es bei Steffen und mir ein paar Änderungen im Privat- und Berufsleben, die erst geordnet werden müssen. Weiterhin waren wir jetzt seit fünf Saisons in der 1. Bundesliga aktiv und haben davon die letzten vier jeweils Finals geleitet. Das hat unglaublich viel Spaß gemacht, zeigt aber in meinen Augen auch, dass die Entwicklungsmöglichkeiten auf nationalem Level derzeit einfach begrenzt sind. Vor allem liegt es auch daran, dass es hier noch zu wenige Schiedsrichterbeobachter gibt, die noch dazu durch Doppelbelastungen so gut wie keine Zeit dafür haben. Und keine Frage – viele Spiele auf höchstem Level, keine Entwicklungschancen nach oben und keine durch Beobachter aufgezeigten neue Wege zur Verbesserung – alles zusammen sorgt dafür, dass auch die Motivation sicher ein wenig leidet. Dann lieber jetzt eine Pause und später nochmal eine Rückkehr wagen. Als zu alt für den Sport sehe ich uns dann noch nicht.

Aber hat die Motivation, als erstes deutsches Schiri-Paar international viel erreichen zu können, nicht gereicht?

Die Motivation international zu pfeifen und vielleicht auch viel zu erreichen ist definitiv mehr denn je vorhanden. Mir würde es sehr weh tun, der IFF abzusagen, wenn gerade ein Aufgebot reinkommen würde. Aber was bringt es international pfeifen zu wollen, wenn die Zeit und Motivation für den nationalen Spielbetrieb fehlt? Wir hätten es uns sicher einfach machen und vielleicht nur ein Spiel im Monat in den heimischen Ligen pfeifen können, um dann trotzdem noch für IFF-Spiele aufgeboten werden zu können. Dann reicht es dort aber einfach nicht für eine gute Leistung und das ist nicht unser Anspruch. Zuerst mal muss die Leistung an jedem Wochenende in Deutschland stimmen, dann sind die IFF-Spiele ein schönes Bonbon.

Wie befriedigt ihr beiden jetzt euren Floorball-Bedarf? Zurück zum Schläger?

Es wird uns vermutlich nicht langweilig werden. Wie bereits angesprochen, fehlen vor allem Schiedsrichterbeobachter. Hier wollen wir konkret angreifen und in der nächsten Saison den motivierten Schiedsrichtern regelmäßig Besuche bei ihren Spielen abstatten, um mit ihnen gemeinsam an einer weiteren Steigerung ihres Leistungslevels zu arbeiten. Auch wenn wir sicher noch keine Ewigkeiten dabei sind, haben wir durch die IFF gerade zu Beginn viel Unterstützung erhalten und können anderen daher sicher auch einiges an Erfahrung weitergeben. Ich habe dazu auch schon Kontakt zu anderen Beobachtern gehabt und hoffe, dass es nicht nur bei uns beiden bleiben wird. Man wird uns also trotzdem noch in den Sporthallen der Bundesligisten antreffen, aber eben nicht mehr aktiv auf dem Feld. Eine Spielerkarriere streben wir sicher nicht mehr an, abgesehen von gelegentlichen Einsätzen auf dem Kleinfeld für unseren Heimatverein Genthin.

Welche Baustellen siehst du in den nächsten Jahren als wichtigste im deutschen Schiri-Wesen an?

Obwohl ich selbst auch in der Regel- und Schiedsrichterkommission aktiv bin, fällt es mir nicht leicht diese Frage klar zu beantworten. Erstmal möchte ich sagen, dass wir als RSK in meinen Augen in den letzten Jahren schon einiges erreicht haben. Ich hoffe, dass das auch innerhalb und abseits des Schiedsrichterwesens in gewisser Weise so wahrgenommen wird. Wir haben dennoch jede Saison große Probleme alle Spiele überhaupt mit Schiedsrichtern zu besetzen und dann logischerweise auch die Qualität zu gewährleisten. Der Kollege Robert Börner schlägt sich hierfür die eine oder andere Nacht um die Ohren. An der Stelle müssen wir sicherlich in den nächsten Jahren in enger Zusammenarbeit mit den Landesverbänden mehr Schiedsrichter im Allgemeinen finden und vor allem darüber auch mehr Kollegen, die nicht gerade gleichzeitig einem Bundesligateam angehören, für die Bundesliga motivieren. Einen ersten Schritt hierfür hat Thomas Haas bereits unternommen, der sich seit etwas mehr als anderthalb Jahren in der RSK um die Ausbilder an der Basis kümmert und auch eine bessere Vernetzung untereinander anstrebt. Aber dies benötigt viel Zeit und wird sicher erst langfristig Früchte tragen. Für die nähere Zukunft muss aus meiner Sicht ein Weg gefunden werden, die Lizenzstruktur für das nationale Level etwas zu ändern, sodass wir bald über eine feste Schiedsrichtergruppe für die 1. Bundesliga, eine für die 2. Bundesliga und eine dritte Gruppe mit Neueinsteigern und Unerfahrenen verfügen. Dann könnten wir die Ausbildung auch zielgenauer ausrichten als es derzeit möglich ist. Konkrete Planungen hierfür sind auch schon in der Schublade.