Peter Gahlert: „Diese Saison ist das anders“

Gepimpte Devils - Wernigerode will wieder oben mitmischen. / Foto: Floorball Deutschland

Gepimpte Devils – Wernigerode will wieder oben mitmischen. / Foto: Floorball Deutschland

In den vergangenen zwei Jahren strauchelten die Devils in den Playoffs. Laut Coach Peter Gahlert stehen die Sterne dieses Jahr anders. Mit Ibold, Piittisjärvi, Ekroos und dem bestehenden Kader um Krupicka, Kuittinen, Müller & Co. soll alles möglich sein. Auf der Suche nach der perfekten Balance.

Floorballmagazin: Worauf hat man in der Kaderplanung fürs kommende Jahr besonderen Wert gelegt?

Peter Gahlert: Wie auch in der vergangenen Saison treiben wir auch dieses Jahr den Generationenumbruch weiter voran. Wir haben viel Wert auf die Perspektive und in die Breite des Kaders gelegt. Verdienstvolle Spieler, wie zum Beispiel unser Kapitän der letzten sieben Jahre, Raiko Krüger, oder auch Martin Schaberich und Tino Weiß, haben das Team unter anderem aus beruflichen Gründen verlassen. Diese Lücken wurden weiter mit jungen hungrigen Spielern aus unserer U23 gefüllt. Gleich fünf Spieler haben den Sprung geschafft und werden mit einer Doppellizenz ausgestattet. Mit den Finnen Markus und Joel sowie Rückkehrer Ramon haben wir für die nötige Qualität, als auch gute Lehrmeister für die jungen Wilden gesorgt.

Stimmt. Mit Ibold, den Neuakquisitionen Piittisjärvi und Ekroos sowie dem bestehenden Kader sollte man eigentlich wieder oben mitmischen können, oder?

Ja, ich denke schon. Wenn wir verletzungsfrei bleiben. Man hat in der letzten Saison gesehen, wie schnell das gehen kann. Im dritten Playoff-Viertelfinale betrug das Durchschnittsalter meiner vier Verteidiger 16 Jahre, weil erfahrene Spieler verletzungs- und krankheitsbedingt ausgefallen sind.

Wernigerode hatte auch deshalb in den vergangenen zwei Saisons pünktlich zu den Playoffs abgebaut. Wie wollt ihr dieses Moment 2015 in den Griff bekommen?

Gute Frage, die schwer zu beantworten ist. Erst einmal muss man den Grund dafür kennen. Ich glaube, dass es in der letzten Saison die herben Niederlagen kurz vor Beginn der Playoffs waren. Das hat die Mannschaft in ein tiefes mentales Loch geworfen, aus welchem wir uns nicht mehr befreien konnten. Diese Saison ist das anders. Die Junioren haben wieder an Reife gewonnen, sich weiter entwickelt. Mit Ramon, Markus und Joel haben wir sehr viel Erfahrung gewonnen.

Der Rest der Liga hat sich personell auch nicht lumpen lassen. Wie schätzt du die Rollenverteilung für die neue Saison ein?

Ich glaube, dass sich an der Gesamtsituation nicht viel geändert hat. Weißenfels wird auf Grund ihres strukturellen Vorsprungs wieder der Ligaprimus sein. Dahinter werden sich Leipzig, Kaufering, Berlin, Lillienthal und wir um die Plätze streiten. Schwer einzuschätzen ist Neuling Bonn. Wir jedenfalls hatten in den vergangenen Spielen gegen sie immer unsere Probleme. Aber auch Dresden und Chemnitz sollte man niemals unterschätzen. Gespannt bin ich auf Hamburg nach der sicherlich für sie unbefriedigenden letzten Saison.

Du hast nun Jahre an Erfahrung mit ausländischen Spielern im Kader gesammelt, versuchst aber bewusst auch junge lokale Kräfte einzubauen. Kein einfacher Spagat. Worauf muss man besonders achten, wenn man hier die richtige Balance sucht?

Ach, so schwer ist der Spagat nicht. Wenn Legionäre nach Deutschland kommen, müssen sie die Gesamtsituation des Floorballs in Deutschland akzeptieren. Wenn sie hier neu ankommen, erkläre ich ihnen als erstes immer, dass alles hinsichtlich Floorball anders ist. Das Tempo im Training, das technische Niveau der Ligateams, Zuschauerzahlen, das Niveau der Schiedsrichter, alles ist um mehrere Stufen niedriger als in ihren Heimatländern. Auch müssen sie verstehen, dass Junioren bei uns nicht durchschnittlich 20 oder 21 Jahre alt sind, sondern eher 15 bis 17, da der Sport in Deutschland noch immer am Anfang steht. Auf der anderen Seite nimmt unser Nachwuchs die starke Konkurrenz im Training an. Sie eifern ihnen nach, wollen mindestens genauso gut werden. Interessant ist, dass Einsatz und der Wille zur stetigen Leistungssteigerung von ausländischen Spielern honoriert wird. Somit entsteht ein harmonisches Gefüge, dass alle weiterbringt und für ein gutes Klima im Team sorgt. Um deine Frage nach der Balance in Zahlen auszudrücken, würde ich sagen, 60 zu 40. 12 ältere Spieler oder Legionäre zu 8 willige Junioren.