Holtz: „WM-Verzicht war unsere eigene Wahl“

Fredrik Holtz, hier in einer Partie gegen Schweden, wird die WM in seinem Heimatland verpassen. /Foto: IFF

Fredrik Holtz, hier in einer Partie gegen Schweden, wird die WM in seinem Heimatland verpassen. /Foto: IFF

Am 6. Dezember beginnt für Deutschland die WM in Göteborg. Ohne Fredrik und Kristian Holtz – ausgerechnet bei dem Turnier in Schweden. Es sei ihre eigene Wahl gewesen, auf die WM zu verzichten, sagt Fredrik Holtz im Interview mit dem Innebandymagazinet. Die Daumen werde er auf jeden Fall für Deutschland drücken.

Autor: Fredrik Larsson, innebandymagazinet.se

Seit 2006 war der in Schweden geborene Fredrik Holtz Schlüsselspieler der deutschen Nationalmannschaft. Gemeinsam mit seinem Bruder Kristian war er bis vor zwei Jahren eine wichtige Stütze des Teams. Nach dem Sensationserfolg bei der WM 2012 waren beide jedoch bei keinem Trainingslager mehr dabei und verpassten auch die WM-Qualifikation diesen Februar im holländischen Nijmegen.

Der Verzicht auf die Teilnahme an diesen Events sei ein komplett eigener Beschluss und habe mit der finanziellen Situation zu tun, erklärt Holtz. „Ich habe seit 2006 in der Nationalmannschaft gespielt und alles aus der eigenen Tasche bezahlt, so dass mit Weltmeisterschaften und Trainingslagern unglaublich große Summen angefallen sind. Also stellten wir es diesmal auf die Probe, bekamen aber eine Absage vom Verband.“

Es sei immer cool, eine WM zu spielen und es wäre natürlich besonders gewesen, das in Schweden machen zu dürfen, betont Holtz. „Aber das geht nicht, wenn man nebenbei Familie und Job hat. Man muss für die Zusammenzüge Urlaub von der Arbeit nehmen und dann auch alles selbst bezahlen; das funktioniert nicht. Es ist natürlich sehr schade, dass es mit der WM nicht klappt.“

Auch Kristian Holtz (mi.), lange Jahre Kapitän des Teams, fehlt in Göteborg. /Foto: IFF/Tim Fuhrmann

Auch Kristian Holtz (mi.), lange Jahre Kapitän des Teams, fehlt in Göteborg. /Foto: IFF/Tim Fuhrmann

Außerdem war die Kommunikation mit dem deutschen Trainerstab über einen langen Zeitraum sehr begrenzt, erläutert Holtz.

In Deutschland läuft alles über e-Mails, daher habe ich, seitdem wir den vierten Platz bei der WM 2012 erreicht haben, nicht mehr persönlich mit dem Cheftrainer Philippe Soutter gesprochen. Ich glaube, ich habe zwei Mails bekommen; ich glaube, das ist nicht die selbe Kommunikation, wie sie in anderen Ländern herrscht.“

Innebandymagazinet: Laut dem Nationaltrainer ist der Grund, dass ihr nicht dabei seid, dass es mehrere junge Spieler gibt, die sowohl Zeit als auch Geld investiert haben, um an der deutschen WM-Vorbereitung teilzunehmen. Er ist folglich der Meinung, dass es schwer wäre, diese nun nicht spielen zu lassen. Kannst du das nachvollziehen?

Ja, so hätte ich das wohl auch gesagt, wenn ich der Trainer wäre. Ich verstehe, dass er die Jungs, die er zur Verfügung hat, pushen möchte und das darf er sehr gerne machen. Aber das war ganz und gar unsere eigene Wahl, dass wir nicht dabei sind.“

Ich verstehe den Trainer. Aber es war unsere Wahl, dass wir nicht dabei sind.

Wie beeinflusst diese Entscheidung deine Zukunft in der deutschen Nationalmannschaft?

Ich weiß nicht, das ist schwer zu sagen. Die Spieler müssen finanziell entlastet werden, sonst wird es von mal zu mal schwerer, die besten Spieler dabei zu haben. Es wäre natürlich cool gewesen, eine letzte WM mit meinem Bruder spielen zu dürfen. Das war etwas, worüber wir gesprochen haben. Aber jetzt ist die Situation, wie sie ist, und wir haben es ja immerhin geschafft, bei der letzten WM Vierter zu werden. Das ist auch eine ganz schöne Erinnerung.“

Deutsches Weihnachtsmärchen - Bronzespiel gegen die Schweiz in Zürich vor über 10.000 Zuschauern. / Foto: Elke Scholz

Deutsches Weihnachtsmärchen – Holtz beim Bronzespiel der WM 2012 gegen die Schweiz in Zürich vor über 10.000 Zuschauern. / Foto: Elke Scholz

Aber du wirst die deutsche Mannschaft trotzdem bei der WM anfeuern?

Auf jeden Fall! In den letzten Jahren hat man ja ein paar richtig gute Freunde in der Mannschaft gefunden…also werde ich während der WM für Deutschland sein.“

Der Artikel erschien am 11. November auf innebandymagazinet.se. Zum Originalbeitrag (auf Schwedisch!) hier klicken.