Floorball ist (leider) kein Beruf

Koordinierte ein Floorball-Event im Trikot, weil er dazwischen selbst spielen musste: Matthias Hofbauer (mi.). /Foto: Reto Voneschen, unihockey.ch

Koordinierte ein Floorball-Event im Trikot, weil er dazwischen selbst spielen musste: Matthias Hofbauer (mi.). /Foto: Reto Voneschen, unihockey.ch

Floorball ist Amateur-Sport. Selbst die Stars der Szene gehen meist normalen Brotjobs nach: Schwedens Nationaltorwart arbeitet bei einer TV-Produktion, eine Schweizer Ikone koordiniert Events. Einblicke in die Berufswelt der Floorballer.

Matthias Hofbauer ist in der Schweiz für Floorball, was Stefan Kretzschmar in Deutschland für Handball vor ein paar Jahren war: Ein nationales Aushängeschild. Der Name Hofbauer hängt bei den Eidgenossen untrennbar mit Floorball zusammen. Diesen Umstand wollte auch der frühere Hauptsponsor von Swiss Unihockey, die Versicherung «Die Mobiliar», nutzen. Sie sponserte den Verband jährlich mit einer Million Franken. Der Schweizer Nationalkapitän Hofbauer wurde in dem Zusammenhang von der Mobiliar als Projektleiter für Floorball-Events verpflichtet.

Eine perfekte Symbiose, ist Hofbauer doch ein Mensch, der weit über das eigene Vereinsgärtchen denkt und auch was im Köpfchen hat. Einer der bemerkenswertesten Events war die Saisoneröffnung 2012, wo Hofbauer die SSL-Teams Storvreta und Warberg zum ersten Meisterschaftsspiel außerhalb Schwedens einlud. 3.000 Zuschauer kamen und staunten. Quasi als Vorspiel traten die Schweizer Topvereine Wiler-Ersigen – das Team Hofbauers – und Tigers Langnau an.

Wenn du nicht wärst, hätte ich heute frei“

Bis 30 Minuten vor dem Spiel kontrollierte Eventleiter Hofbauer die Aufbauarbeiten, schickte – bereits im Trikot – Helfer an die richtigen Positionen und besprach kurzfristige Änderungen mit seinen Mitarbeitern. Mit Spielbeginn verwandelte er sich jedoch wieder in den altbekannten Spielmacher Wiler-Ersigens. Seine letzte Amtshandlung für die Mobiliar war die Verleihung der Topscorer-Preise im vergangenen Frühling. In feierlichem Rahmen wurden alle Topscorer der NLA-Klubs geehrt. Als Erstes wandte sich Hofbauer an seinen Teamkollegen Isaac Rosén, der knapp vor ihm die teaminterne Wertung bei Wiler-Ersigen gewann. „Danke Isaac, wenn du nicht gewesen wärst, hätte ich heute frei.“ Hofbauers Chef hatte ihm einen freien Tag versprochen, wenn er die Wertung gewonnen hätte.

Nimmt's gerne persönlich - Keeper Patrick Åman. / Foto: Jérémie Luke Dubois - JDUBOiS

Als Exentriker bekannt und oft im TV zu sehen: Patrick Åman. / Foto: Jérémie Luke Dubois – JDUBOiS

Auch in der schwedischen Superligan sind nur ganz wenige Stars, darunter Storvretas Mika Kohonen, klassische Vollprofis. Selbst das aktuell weltbeste Offensiv-Duo – Faluns Alexander Galante-Carlström und Rasmus Enström – arbeitet in Teilzeit. Einen ziemlich ungewöhnlichen Beruf hat der schwedische Nationaltorwart Patrick Åman, der in Diensten des Traditionsklubs AIK Solna steht. Der exentrische Goalie ist bei der TV-Produktionsfirma JLT Media angestellt. Deshalb ist er häufig im Fernsehen zu sehen und interviewt dort etwa Spieler aus der schwedischen Eishockey-Liga SHL. „Es gibt ein lustiges Video, wo er den schwedischen Eishockey-Nationalgoalie Henrik Karlsson zu einem Duell herausfordert“, weiß Henrik Jansson vom Innebandymagazinet (Link zum Video).

Für berufstätige Floorballer ist das Zeitmanagement herausfordernd

In der deutschen Bundesliga gibt es wohl keinen Spieler, der ausschließlich Floorball spielt. Selbst Legionäre, denen eine Wohnung gestellt wird, müssen sich in der Regel mit vom Verein vermittelten Nebenjobs ihr Geld dazu verdienen. Die Realität zeigt zum allergrößten Teil Amateure, die mit großem Aufwand und Einsatz neben Schule, Studium oder Beruf mehrmals die Woche trainieren und am Wochenende dann mitunter lange Auswärtsfahrten absolvieren. Während viele Schüler und Studenten ihr Zeitmanagement meist einigermaßen flexibel anpassen können, wird diese Doppelbelastung bei Berufstätigen mitunter zu einem echten Problem.

In der Woche Shoppingcenter betreuen, am Wochenende Punkte aus Berlin entführen: Dominik Beckers (mi.) mit gelungener Work-Life-Balance. /Foto: Andreas Schulz

In der Woche Shoppingcenter betreuen, am Wochenende Punkte aus Berlin entführen: Dominik Beckers (mi.) mit gelungener Work-Life-Balance. /Foto: Andreas Schulz

Dominik Beckers vom ETV Hamburg ist als Asset-Manager für sechs Shoppingcenter in Deutschland verantwortlich, unter anderem in Leverkusen und Schwerin. Dort entscheidet er über Mieterwechsel, Instandhaltung sowie Marketing und Positionierung einzelner Läden. Sein Job lässt sich nur bedingt mit Trainingszeiten vereinbaren. „Ich arbeite grundsätzlich in Hamburg, bin aber in der Regel alle zwei Wochen in den Objekten“, erklärt Beckers. In jenen Wochen sei eine Teilnahme an allen Einheiten nicht möglich, obwohl er versuche, die Reisen bestmöglich mit den Trainingszeiten zu koordinieren. Spiele verpasst der 28-Jährige hingegen nur selten: Diese Saison fehlte er bei nur zwei Partien. In der Aufstellung der Hanseaten ist Beckers in der Regel eine feste Größe.

Floorball möchte der Stürmer trotz seines anstrengenden Berufs nicht missen: „Es ist für mich der optimale Ausgleich zum Bürojob. Nicht nur körperlich sondern auch, um den Kopf frei zu kriegen.“ Wenn er aus seinem Hamburger Office kommt, geht es für ihn direkt in die Halle zum Training: „So ergibt sich gar nicht erst die verlockende Gelegenheit, sich auf die Couch zu legen.“

Mitarbeit: Reto Voneschen, unihockey.ch

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