Liebing: „So zahlt sich ein final4 aus“

Gut 800 Zuschauer fühlten die Richard-Hartmann-Halle beim Halbfinalspiel der heimischen Chemnitzer gegen den UHC Weißenfels. / Foto: Sascha Reich, Floorball Deutschland

Gut 800 Zuschauer füllten die Richard-Hartmann-Halle beim Halbfinalspiel der heimischen Chemnitzer gegen den UHC Weißenfels. / Foto: Sascha Reich, Floorball Deutschland

Trotz kleinerer Mängel überzeugte das final4-Event in Chemnitz ebenso wie bereits 2013. Das Interesse der Szene hielt sich aber mal wieder in Grenzen. Interview mit Mathias Liebing, Marketing-Chef von Floorball Deutschland, über die Chancen und Tücken des final4-Konzepts.

Floorballmagazin: Das final4 in Chemnitz ist Geschichte. Wie zufrieden ist der Verband mit dem Event gewesen?

Das Stena Line final4 2015 war eine sehr gelungene Veranstaltung. Mittlerweile erreichen wir mit unseren Events ein Niveau, das sich sehen lassen kann. Uns gelingt es, der Sportart Floorball aktuell allen voran mit dem Pokalfinalwochenende eine würdige Bühne zu geben. In diesem Zusammenhang will ich ausdrücklich den Chemnitzer Ausrichtern danken. Zudem liefert das Pokalfinalwochenende immer auch den Rahmen für den Austausch zwischen Bundesverband, Landesverbänden, Vereinen und Einzelpersonen. Präsidentin Elke Scholz deutete an, dass am Wochenende unter anderem die Weichen für einen neuen Landesverband gestellt worden sind und für einige Kommissionen beziehungsweise Arbeitsfelder zusätzliche Mitarbeiter gefunden werden konnten. Darüber zahlt sich ein Stena Line final4 eben auch aus.

Was waren Schwierigkeiten, an denen es das nächste Mal zu feilen gilt?

Krass war der Trouble mit der Internetleitung, der einen ganzen Rattenschwanz von Folgeproblemen nach sich zog. Leider ist die ansonsten in allen Belangen hervorragende Richard-Hartmann-Halle internetmäßig ausgestattet wie eine Bretterbude in den abgelegenen Höhen des Erzgebirges. Im Ergebnis war also die Qualität des Livestreams relativ mies, zudem kam es immer wieder zu Unterbrechungen der Übertragung. Folgeprobleme waren, dass die internen und externen Medienvertreter vor Ort nicht so arbeiten konnten, wie sie wollten und wir Schwierigkeiten hatten, den MDR mit den gewünschten Zusatzbildern zu versorgen. Mit Blick auf spätere Veranstaltungen in Chemnitz oder auch perspektivische Livestreams aus der Bundesliga muss sich hier etwas ändern. Ich hoffe, dass die Bemühungen der Floor Fighters gegenüber der Stadt Chemnitz diesbezüglich erfolgreich sein werden.

Der Zuspruch beim Talentepokal hielt sich in Grenzen, die Workshops waren mäßig besucht. Die Zuschauerzahlen blieben vielleicht ein wenig hinter den erhofften Zahlen. Wie kann man das final4 für die Szene interessanter machen?

Mit den knapp 1.000 Zuschauern beim Finale haben wir das angepeilte Ziel erreicht. Allerdings hätte ich mir für die Halbfinals mehr Andrang gewünscht. Was mir grundsätzlich fehlt, ist ein spürbares Interesse allen voran der Vereine aus Sachsen und Sachsen-Anhalt. Im Umkreis von 150 Kilometern gibt es reichlich Clubs, die kaum oder nur sehr dezent präsent waren. Das ist schade, denn ich halte das Angebot, welches das Stena Line final4 bietet, weiterhin für ideal. Zum einen werden Jahr um Jahr großartige Pokalspiele geboten, zum anderen lockt das Rahmenprogramm mit echten Krachern. Nehmen wir zum Beispiel die Workshops mit unseren Nationaltrainern Thomas Berger, Urs Ambühl und Markus Hutter – ich weiß nicht, wie wir solche Angebote besser besetzen sollten? Aus diesem Blickwinkel bin ich mit der Resonanz auf die Workshops auch nicht zufrieden. Noch schlechter sah es beim final4talentepokal aus. Nehmen wir allein das angebotene Turnier für die Altersklasse U13 weiblich, für die wir genau eine Anmeldung hatten. Das letzte Mal, dass wir ein solches Mädchenturnier umsetzen konnten, war 2010.

„Ich weiß nicht, wie wir solche Angebote besser besetzen sollten.“

Dennoch lebte insbesondere am Abend die Bude.

Klar, demgegenüber gab es auch viel Positives, zum Beispiel die Sternburg-Bier final4nacht. Dort lief unter dem Decknamen „Kartöffel“ die halbe deutsche Nationalmannschaft auf. Tino von Pritzbuer, Maxi Falkenberger und Schuschy machten derartig Spaß, dass zum Teil beim Torjubel andere Teams über die Bande sprangen und mitfeierten. Für dieses Miteinander zwischen den besten Spielern des Landes und Anfängern, die gerade erst mit Floorball begonnen haben, ist dieses Eventformat da. So führte beispielsweise ein Autogrammwunsch eines 12-jährigen Nachwuchsspielers aus Mellensee in Brandenburg dazu, dass unsere Nationalspieler den Kurzen mit in die Mannschaft nahmen und ihm immer wieder Tore auflegten. Der Bursche wird das nicht so schnell nicht vergessen.

Wie lässt sich die mediale Resonanz zusammenfassen? Gibt es schon Kennzahlen?

Konkret werden die Zahlen in den kommenden Tagen. Aber allein die Präsenz im MDR hat dazu geführt, dass am Wochenende über eine Viertelmillion Menschen Floorball im TV gesehen haben. Darüber hinaus haben die Chemnitzer rund um das Event für eine echte mediale Welle in ihrer Region sorgen können, von der sie auf lange Sicht zum Beispiel bei der Sponsorenakquise profitieren. Fast schon etabliert ist das Interesse der regionalen Zeitungen, die den Umfang ihrer Berichterstattung in Weißenfels, Wernigerode und Bonn immer weiter hochfahren und mittlerweile schon seitenweise, sogar mit eigenen Journalisten vor Ort, berichten. Erstmals hatten wir Floorball live bei Sportdeutschland.tv, eine sehr interessante Plattform für unsere nähere Zukunft. Kurz gesagt, das läuft also.

Es soll bereits Kandidaten für den Jahrgang 2016 geben. Wo soll das Event hin? Eigentlich wären jetzt der Westen oder der Süden dran, oder?

Gespräche laufen, aber hier und da stoßen wir mit den interessierten Vereinen auf infrastrukturelle Probleme. Insofern läuft die Suche nach einem Ausrichter für die Stena Line final4-Auflagen 2016 und 2017 noch. Interessenten können sich gern via Mail melden. Gerne würden wir die Events langfristig vergeben und entsprechend planen. Gegen den Süden und Westen spricht dabei nichts, auch wenn sich kein Verein aus dem Osten oder Norden ausgeladen vorkommen soll.