Leistungsträger an der Pfeife

Referee Jan Hoffmann erklärt Rosenthal (mi., Chemnitz) und Weigelt (Weißenfels) die genauen Abläufe beim Bully. /Foto: Sascha Reich

Referee Jan Hoffmann erklärt Rosenthal (mi., Chemnitz) und Weigelt (Weißenfels) die genauen Abläufe beim Bully. /Foto: Sascha Reich

Mit einem ehrgeizigen Projekt sollen die besten Schiedsrichter des Landes gefördert werden. Die Regel- und Schiedsrichterkommission will mittelfristig einen „Bundesligakader“ von Referees aufbauen. Dafür sind mehr Lehrgänge in der Saison sowie verstärkte Beobachtungen geplant.

Zu den anstehenden Playoffs und Playdowns in der Bundesliga sind nicht nur die Teams voll gefordert – auch die Referees werden verstärkt im Fokus stehen. Sie müssen in engen, hitzigen Spielen klare und korrekte Entscheidungen treffen. Zur Vorbereitung auf diese heißeste Phase der Saison lud die Regel- und Schiedsrichterkommission (RSK) sechs Schiedsrichterpaare und drei ihrer Beobachter am Wochenende zu einem Lehrgang nach Chemnitz.

Im Rahmen des final4-Turniers wurden dabei in insgesamt sieben Einheiten die bisherigen Saisonspiele der anwesenden Paare aufgearbeitet und ausgewertet. „Das geschah, um bestimmte Schwerpunkte und Fehlerquellen für die anstehenden Playoffs herauszuarbeiten“, beschreibt RSK-Leiter Robert Börner. Ergänzend pfiffen die Referees bei den Halbfinalpartien und Endspielen im Damen- und Herren-Wettbewerb. Während der Partien saß jeweils ein Beobachter auf der Tribüne, der ihnen anschließend Feedback gab.

Hintergrund des Lehrgangs sei der mittelfristige Aufbau eines „Bundesligakaders“, erklärt Börner. Dieser Kader soll ausschließlich mit nicht anderweitig – etwa als Spieler oder Betreuer – an die Bundesliga gebundenen Schiedsrichtern besetzt werden, um den Spielplan nachhaltig mit Referees abzusichern. „Diese Schiedsrichter sollen dann auch während der Saison individuell gefördert werden“, sagt Börner. Der Lehrgang in Chemnitz markierte den Start des Projekts.

Auf Ballhöhe: Stefan Exner hat beste Sicht auf den Treffer von Wernigerode-Stürmer Piittisjärvi gegen Bonn. /Foto: Sascha Reich

Auf Ballhöhe: Stefan Exner hat beste Sicht auf den Treffer von Wernigerode-Stürmer Piittisjärvi gegen Bonn. /Foto: Sascha Reich

In den vergangenen Jahren bildeten immer die zentralen Schiedsrichterkurse vor jeder Saison die theoretischen Grundlagen. Dieses Vorgehen wollen Börner und seine Kollegen mit weiteren Lehrgängen in der Saison und verstärkten Beobachtungen an dieser Stelle aufbrechen.

Die RSK kämpft schon seit Jahren damit, dass es zu wenig Schiedsrichter mit einer nationalen Lizenz (N1 bis N4) gibt, die nicht auch als Spieler oder Betreuer bei einem Erst- oder Zweitligateam im Einsatz sind. Gerade an Doppelspieltagen fällt es der Komission deshalb mitunter schwer, den Spielbetrieb abzusichern.

Spielplan erschwert RSK die Ansetzung

Vor wenigen Wochen musste gar die Zweitliga-Partie Schenefeld gegen Neuwittenbek abgesagt werden. Börner erklärt diesen Fall: „Die Spiele waren so verteilt, dass alle Teams der Nordregion am gleichen Tag im Einsatz waren. Dazu lagen alle Bundesligaspiele auf dem Samstag.“ Der RSK-Leiter sieht hier auch Probleme im Spielplan: Vier Fünftel aller Spiele fänden am Samstag statt. „So müssen wir meist an diesem Tag lange nach Schiedsrichtern suchen, wobei am darauf folgenden Sonntag viele Schiris ohne Einsatz bleiben.“

„Es ist kein primäres Ziel, möglichst schnell wieder IFF-Schiris zu haben.“

Lange waren Sebastian Döring und Steffen Kalow das Aushängeschild des deutschen Schiedsrichterwesens, beide waren sogar im Kader des internationalen Verbandes IFF. Aktuell pausiert das Duo aber und Nachfolger, die Deutschland als Referees international repräsentieren, sind erstmal nicht in Sicht. „Es ist auch nicht unser primäres Ziel, möglichst schnell wieder zwei Mann in den IFF-Kader zu bringen, solange wir die angesprochenen Probleme haben“, betont Börner.

Zum IFF-Schiri brauche es außerdem viele Spiele und regelmäßige Beobachtungen, um die Leistungen an der Pfeife einzuordnen und zu verbessern, skizziert Börner. Es gebe durchaus Referees, die es schaffen könnten. „Auch an den Rahmenbedingungen arbeiten wir ständig.“ Vielleicht werde es irgendwann also mal wieder ein deutsches IFF-Paar geben, schließt er ab.