Eine Frage der Chemie

Stablisierte Lage vor der U19-WM. / Foto: Rudolf Schuba, floorball-europe.de

Stablisierte Lage vor der U19-WM. / Foto: Rudolf Schuba, floorball-europe.de

Der sofortige Rücktritt von Verbandspräsidentin Elke Scholz kam plötzlich. Einen Rückfall in Krisenzeiten scheint die übrige Administration von Floorball Deutschland diesmal aber zu verhindern wissen und besetzt bereits fünf Tage später den Vorstandsposten mit einem gut bekannten Gesicht. Eine Bestandsaufnahme.

Geflickte Personaldecke

„Der Vorstand von Floorball Deutschland ist offiziell wieder handlungsfähig“, meldete der Dachverband am Dienstagmorgen. Sebastian Döring werde als drittes Vorstandsmitglied hinzustoßen und bis zur Delegiertenversammlung am 11. Juli als Interimsvizepräsident aktiv sein. Der bisherige Vizepräsident Martin Günther rücke bis zur nächsten Wahl als Interimspräsident auf.

„Differenzen, im Sinne einer unterschiedlichen Betrachtung von Sachfragen, gab es immer und wird es in einem Verband auch immer geben. Das ist sogar ganz wichtig“, versucht Günther die Situation zu beruhigen. Scholz hatte in einem nachträglichen Schreiben an Szenemedien scharfe Kritik geübt: „Mir wurde jede Richtungskompetenz genommen. Ebenso wurde mir jegliche Handlungskompetenz abgesprochen.“ Mangelnde Loyalität der Vorstandskollegen und der Mitarbeiter der Geschäftsstelle habe zu einem Vertrauensverlust geführt.

Günther hält dagegen. Auch wenn es dem Präsidenten obliegt die Richtlinien des Verbandes zu bestimmen, so seien diese durch das Gremium des geschäftsführenden Vorstandes nunmal aus gutem Grund zu prüfen, zu bestätigen und zu beschließen. Konstruktive Gespräche und die Einbeziehung der Mitglieder, Mitarbeiter und Gremien von Floorball Deutschland halte er für wichtig, um die beste Lösung zu finden.

„Mangelnde Loyalität seitens des Vorstandes und der Mitarbeiter der Geschäftsstelle sind subjektive Eindrücke und sind meiner Meinung nach nie ein Thema gewesen“, sagt der neue Interimspräsident. „Ich möchte zudem deutlich hervorheben, dass der Vorstand voll hinter allen Mitgliedern der Geschäftsstelle steht. Sie alle geben ihr Bestes für den Verband und arbeiten weit über ihre Verpflichtungen hinaus.“

„Good Governance“

Laut Generalsekretär Michael Lachenmaier sei aus der entstandenen Situation aber eine bestimmte Lehre zu ziehen. „Offenbar müssen die Kompetenzen zwischen den einzelnen Gremien noch klarer ausformuliert werden, um die Aufgaben entsprechend zuzuordnen und Verantwortlichkeiten festzulegen.“

Ein Ansatz den Scholz nicht viel anders sieht und um das Thema der internen Ausbildung ergänzt, die ihr persönlich besonders wichtig war. „Ich denke, bevor wir über weitgesteckte Ziele in Sachen Förderung des Leistungssports oder Ähnliches sprechen, sollten sich ensprechende Funktionäre erst einmal mit dem Thema ‚Good Governance‘ beschäftigen. Und an dieser Stelle würde sich der Kreis auch wieder schließen. Für fast alle Themen und Bereiche benötigen wir eine ‚Qualifizierung‘.“

Heute äußert sich Scholz auch versöhnlich gegenüber dem ergänzten Vorstandspersonal. Es freue sie, dass sich nur wenige Stunden nach ihrem Rücktritt schon ein neuer Kandidat für das Präsidentenamt gefunden habe. „So schnell war Floorball Deutschland noch nie“, sagt die Norddeutsche. Die Hauptsache sei, dass in der Vorstandsarbeit jetzt die Chemie stimme und es sich endlich etwas bewegen könne.

Sie gehe keineswegs verbittert. „Der Floorball-Welt im Norden bleibe ich auf alle Fälle erhalten. In Schleswig-Holstein arbeite ich mit fünfzehn engagierten, ehrenamtlichen Mitarbeitern eng zusammen.“ Dort laufe auch zwischenmenschlich alles optimal. Die Chemie stimmt dort schon länger.

Bei der Delegiertenversammlung des Dachverbandes am 11. Juli wird die Wahl des neuen Präsidenten erfolgen. Die Suche nach optimalen Kandidaten läuft bundesweit und Günther ist optimistisch: „Nach dem turbulenten Jahr 2014 bin ich mir sicher, dass die Bereitschaft zur Mitarbeit mittlerweile wieder eine andere ist.“ Einer „Good Governance“ wäre dies nur zuträglich.