Banditen im Breisgau

Bandit Jennifer Haun - Foto:  Martin Böhnert

Bandit Jennifer Haun – Foto: Martin Böhnert

Abgedruckt: Von der Rheinebene bis hin zu den Anstiegen des Schwarzwalds weht dort ein Hauch mediteraner Luft durchs Land. Breisgau ist für sein Wetter bekannt. Für Floorball eher weniger. Dabei läuft hinter Feldberg und Kaiserstuhl sogar eine internationale Meisterschaft mit deutscher Beteiligung.

aus Printheft #7 2015

Um dieser unglaublich scheinenden Begebenheit nachzuforschen, geht es in die Metropole des Breisgau: nach Freiburg. Dort lebt und arbeitet Jennifer Haun. Sie ist Sportwissenschaftlerin und hat früher Eishockey gespielt. Im Nachhinein scheint aufgrund dieser Voraussetzungen die Infektion mit dem Floorball-Virus fast zwangsläufig. Bei einem Sportkongress in München war es 2009 so weit. In einem dort angebotenen Workshop lernte sie Floorball und dessen Grundlagen kennen. Sie fuhr mit der Überzeugung zurück nach Freiburg, dass es dort sicher wenigstens ein Floorball-Hochschulteam geben würde. Weil im Ort kein Eishockey-Damenteam existierte, hatte der Zugezogenen zu jener Zeit „die sportliche Heimat“ gefehlt, wie sie rückblickend sagt. Doch es folgte die Ernüchterung: Auch beim Floorball herrschte in Freiburg Fehlanzeige. Haun entschied, das Problem an der Wurzel zu packen und meldete sich zu einer Fortbildung beim Floorball-Verband Baden-Württemberg an.

Von dieser Fortbildung in Schriesheim brachte sie ein Schlägerset und jede Menge Enthusiasmus mit. Bald war mit dem PTSV Jahn Freiburg, zu dem Haun dank ihres Berufs Kontakte hatte, ein Dach für eine Floorball-Abteilung gefunden. „Im August 2010 stand ich in einer kleinen Turnhalle als Initiatorin eines neuen Sportangebots, das ich selbst gerade mal ein paar Monate kannte.“ Zur ersten Einheit kamen nur vier Leute. Doch schon nach wenigen Trainings wurden es mehr und mehr begeisterte Interessenten. Aus dieser Basis erwuchsen schließlich die Breisgau Bandits. Der Name sei nach einem Training in der Kneipe gefunden worden, gesteht Haun. Es folgten: Freundschaftsspiele und erste Tunierteilnahmen. Der Bandits-Weblog listet die Eckpunkte dieses Weges über die letzten Jahre unterhaltsam auf. Heute trainiert man in Freiburgs „modernster Sporthalle“, wie Haun nicht ohne Stolz sagt. Die Bandits zählen inzwischen 35 Abteilungs-Mitglieder.

Sie habe wirklich intensiv Eishockey gespielt, erzählt Haun. „Aber so viel Zeit habe ich noch nie in ein Sportteam investiert“, sagt sie mit Blick auf die Bandits. In der Abteilung stecke viel Herzblut. Sie spielt selbst mit, ist Teil des Trainerteams und macht den Webbereich. Mit ihren Mitstreitern hat die Sportwissenschaftlerin bereits die nächsten Meilensteine angepeilt, darunter den Aufbau einer Nachwuchsmannschaft. Außerdem soll Floorball in der Freiburger Sportszene etabliert werden. Innerhalb von Hauns Teams geht die Entwicklung auch weiter: Aktuell laufe ein Prozess zwischen nur Spielen wollen und einer professionell erfolgsorientierten Einstellung zum Sport. „Ich bin wirklich wahnsinnig gespannt, was daraus wird und lasse mich mitziehen – wohin auch immer“, verspricht Haun.

Erfolgsorientiert ist derweil das perfekte Stichwort, um den Bogen zurück an den Anfang zu schlagen. Denn die Bandits sind aktuell Tabellenführer in einer Liga mit Teams aus drei Nationen: der Interrheinmeisterschaft im Dreiländereck Frankreich, Schweiz, Deutschland. Zuletzt schlugen sie die Aigles Mulhouse dank toller Moral mit 10:8. Vier Spiele, vier Siege lautete Ende Februar die beeindruckende Bilanz. Ok, genug der Ausschmückung. Bei der Meisterschaft handelt es sich natürlich um eine (durchaus ambitionierte) Hobbyliga, die mit fünf Mannschaften nicht gerade breit aufgestellt ist. Dennoch sind die Bandits zurecht stolz auf ihre Erfolge dort. Und wer weiß, vielleicht sammeln die Bandits bald auch in einem deutschen Spielbetrieb Erfolge. Es wäre der logische nächste Schritt.