Felix Klein: „Es geht nicht um Paraden“

In Position - Klein pariert gegen Kuittinen. / Foto: Andreas Schulz

In Position – Klein pariert gegen Kuittinen. / Foto: Andreas Schulz

Zusammen mit Tom Nebe bildet Felix Klein das erfahrenste Torhüterpaar der Liga und war maßgeblich am letztjährigen Bronzegewinn der Hauptstädter beteiligt. Der 26-Jährige erwartet eine offensive Saison, behält die Nationalmannschaft im Blick und nimmt BAT Berlin als regionales „Flaggschiff“ in die Pflicht.

Floorballmagazin: Berlin hat es in den letzten Jahren geschafft, seinen Kader stabil zu halten und auch die Ergebnisse wurden immer konstanter. Nur eine Phase?

Felix Klein: Definitiv nicht. Wir haben es endlich geschafft eine Basis an Stammspielern zu bilden, die verhindert, dass wir wie in der Vergangenheit jedes Jahr ein komplett neues Team aufbauen müssen. Dadurch ist die Mannschaft mittlerweile eingespielt und wird durch Neuzugänge nur gezielt ergänzt. Der Erfolg von zwei Bronzemedaillen innerhalb der letzten drei Jahre bestätigt das.

Für diese Saison brachen in der Abwehr einige Stützen weg, dafür stehen auch einige Zugänge ins Haus. Was erwartest du vom diesjährigen Kader?

Die Abgänge von Hauser, Vaicis und Kratochvil schmerzen sehr. Sie waren in den vergangenen Jahren wichtige Eckpfeiler des Teams. Dafür scheinen wir diese Saison offensiv sehr gefährlich werden zu können. Noch nie zuvor habe ich bei BAT so viele Neuzugänge mit Drang zum Tor gesehen wie im Trainingslager vor einer Woche. Und das ist immerhin schon meine zehnte Saison. Mein persönlicher Wunsch ist es durchaus, dieses Jahr ein gehöriges Wort im Kampf um die deutsche Meisterschaft mitreden zu können.

Du selbst hast in den letzten zwei Jahren einen merkbaren Leistungsschub erlebt. Wie kam es dazu?

Danke, das hört man wirklich gerne. Ich denke, das lag einerseits an meiner wachsenden Erfahrung und andererseits am Vertrauen vom Team. Konkret habe ich gelernt, dass es nicht nur um irgendwelche Paraden geht, sondern dass ich an meinem Positionsspiel arbeiten muss. Und das habe ich getan. Ich habe danach auch gespürt, dass das Vertrauen der Jungs immer mehr wuchs. Es ist sehr wichtig für einen Torhüter, wenn das Selbstbewusstsein und der Glaube an die eigene Stärke bestätigt werden. Außerdem war ich in den Jahren zuvor vielleicht das ein oder andere Mal etwas zu hart mit mir selbst. Selbstkritik mag durchaus richtig sein, jedoch nur solange sie nicht das Selbstvertrauen eines Torhüters beschädigt. Ich bin entspannter geworden.

Keeper-Trio Klein, Nebe und Altrichter (v.l.n.r.). Foto:  Stephan Janz

Keeper-Trio Klein, Nebe und Altrichter (v.l.n.r.). Foto: Stephan Janz

Mit dir und Tom Nebe verfügt Berlin über das erfahrenste Torhüterpaar der Liga. Ist es für dich angenehmer zu wissen, dass dir ein starker Kollege zur Seite steht, oder würdest du lieber konstant die Nummer eins sein?

Beides hat seine Vor- und Nachteile. Ich für meinen Teil bin sehr froh, dass wir in Berlin neben mir mit Tom einen weiteren erfahrenen und motivierten Torhüter haben. Schon seit vier Jahren bilden wir ein Torhüterduo, dass sich in jeder Situation gegenseitig pusht und auch wieder aufbaut. Tom bringt mich in meiner Entwicklung enorm weiter, weil er mir einen anderen Blickwinkel auf meine Technik und mein Verhalten im Spiel ermöglicht. Er kann auch sehr gut argumentieren und Details erklären.

In der Nationalmannschaft sind Dietz und Hallerstede scheinbar gesetzt. Ist das ein Thema, das du auch im Visier hast?

Seit ich 2007 mit der U19-Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in der Schweiz angetreten bin, ist das mein großes Ziel. In den letzten vier Jahren hatte ich diesbezüglich auch das ein oder andere lose Gespräch mit Philippe Soutter. 2013 wurde mir eine mögliche Nominierung in Aussicht gestellt, leider ist daraus bis heute nichts geworden. Ich werde aber weiter dafür kämpfen, dass ich irgendwann doch nochmal das Nationaltrikot tragen darf. Bei der Weltmeisterschaft 2016 in Lettland oder bei den World Games 2017 in Polen zu spielen, wäre ein absoluter Traum.

Berlin hat seit Jahren mit niedrigen Zuschauerzahlen zu kämpfen. Ist das ein lösbares Problem?

Das ist leider ein Fakt, der sich in den vergangenen zehn Jahren kaum geändert hat. Berlin bietet einfach zu viele Attraktionen an jedem Wochenende im Jahr. Hertha BSC, Eisbären Berlin, ALBA Berlin, Füchse Berlin oder die Recycling Volleys. Neben einer solchen Konkurrenz als kleiner Verein Aufmerksamkeit zu bekommen, ist alles andere als einfach. Eine unserer größten Schwächen liegt meiner Meinung nach aber darin, dass wir die anderen Berliner Floorballvereine nicht für unsere Spiele begeistern können. In Berlin gibt es mehr als zehn Floorball-Vereine. Mit so vielen Spielern könnte man eine Halle gut füllen. Wir müssen uns in dieser Hinsicht hinterfragen. Woran liegt es eigentlich, dass wir regional nicht attraktiv genug sind und wie kann man das ändern? BAT sollte sich als Flagschiff im FVBB behaupten und die Entwicklung vorantreiben, präsent sein, netzwerken. Der Verein würde von talentierten jungen Spielern und begeisterten Zuschauern profitieren. Die anderen Vereine könnten im Gegenzug auf ausgebildete Trainer zurückgreifen. Die U17-Landesauswahl Berlin-Brandenburg könnte sich diesbezüglich in den nächsten Jahren als wichtiges Bindeglied herauskristallisieren. Ziel sollte es sein, die Marke BAT so zu etablieren, dass sich alle Berliner Floorballbegeisterten mit ihr identifizieren können und auch wollen. Dazu kommen noch weitere Aufgaben, wie die Zusammenarbeit mit Vereinen aus anderen Sportarten, eine bessere Location für unsere Heimspiele und vieles mehr. Es ließe sich also einiges tun.