Das Zugpferd

Von 0:3 auf 3:3. Kuhlmann mit lupenreinem Hattrick gegen Lettland. / Foto: IFF

Von 0:3 auf 3:3. Kuhlmann mit lupenreinem Hattrick gegen Lettland. / Foto: IFF

Der Auftritt von Franziska Kuhlmann war symptomatisch für den Reifeprozess der deutschen Damen-Nationalmannschaft. Spiritziger, direkter, mutiger. Die Kapitänin blickt zurück auf ein Turnier, das Erwartungen langfristig verschieben könnte.

Floorballmagazin: Deutsche Nationalmannschaften stapeln gerne etwas tiefer. Aber sollten die Top 6 ab jetzt nicht das erklärte Ziel einer deutschen Damen-Nati sein?

Franziska Kuhlmann: Natürlich will man sich immer verbessern. An der vergangenen WM landeten wir auf dem achten Platz, den wollten wir zumindest halten. Platz sechs ist jetzt natürlich umso grandioser. Beim nächsten Mal wird es schwer sein, das zu toppen. Wenn man die Entwicklung im Damenbereich in Deutschland sieht, dass es zum Beispiel keine Bundesliga gibt, dann können wir froh sein, überhaupt unter die Top 8 gekommen zu sein. Wenn sich da nichts ändert, können wir nicht besser werden. Wie denn auch? Die Grundlagen fehlen ja. Wie wollen wir uns da mit den Topnationen messen, die aktuell einfach unerreichbar für uns sind?

Wo siehst du die größten spielerischen Unterschiede gegenüber dem deutschen Team vor zwei Jahren?

Wir haben uns im physischen Bereich stark verbessert. Nach dem letzten Spiel habe ich viele Feedbacks von Spielerinnen bekommen, dass es für sie 2013 körperlich anstrengender war. Auch im taktischen Bereich haben wir einen Sprung nach vorne gemacht. Wir waren viel disziplinierter in der Umsetzung und konnten uns schneller an eine Taktikänderung anpassen.

Im Gruppenspiel gegen Lettland hattest du einen Penalty versiebt. Dann der große Auftritt mit drei Buden von 0:3 auf 3:3. Was ging da ab?

Das haben mich viele gefragt. Ich kann es nicht genau sagen. Ich habe nichts anders gemacht als sonst. Mir ging es an dem Tag sogar gar nicht so gut, weil ich etwas Kreislaufprobleme hatte. Vielleicht hat mir das sogar irgendwie geholfen, weil ich mich auf mich konzentrieren musste und ich mir über den 3:0-Rückstand wenig Gedanken gemacht habe. Unsere Trainer sagen immer, der nächste Einsatz zählt.

Im Spiel um Platz fünf musstest du wegen einer Knieverletzung aussetzen. Aber man trifft sich vermutlich wieder. Lettland ist ein Gegner für die Zukunft. Was haben Euch die Baltinnen noch voraus?

Ich finde die Lettinnen haben zu den Vorjahren etwas abgebaut. Sie haben oft nur mit zwei Linien spielen können, weil die dritte schon sehr unsicher war. Sie haben ein paar mehr gute Spielerinnen, die ihre Chancen dann auch nutzen. Sie arbeiten gut im Slot und spielen körperbetont. Im letzten Spiel hat man bei uns gemerkt, dass der Kampfgeist etwas nachgelassen hatte. Natürlich auch dadruch verschuldet, weil wir schonn einige Spiele in den Knochen hatten. Da wollten die Lettinnen etwas mehr als wir.

Kuhlmann sorgt für Antrieb. Die Kapitänin führte Deutschland unter die besten sechs Teams der Welt. / Foto IFF, Topi Naskali

Kuhlmann sorgt für Antrieb. Die Kapitänin führte Deutschland unter die besten sechs Teams der Welt. / Foto IFF, Topi Naskali

Das Penalty-Shooting gegen Dänemark war wegweisend. Hat rückblickend der Zufall über Erfolg und Misserfolg an dieser WM entschieden oder hat sich auch hier die Stärke des Teams bewiesen?

Ja, das Spiel wird mir noch lange in Erinnerung bleiben. Es war an Spannung kaum auszuhalten. Gegen die Däninnen hatten wir schon immer sehr knappe Spiele. Natürlich ist ein Penaltyschiessen immer etwas Glückssache. Aber über das gesamte Spiel hinweg haben wir sehr gut mitgespielt, hatten uns viele Torchancen erarbeitet und am Ende waren wir das etwas bessere Team.

Du selbst wirkst athletischer und spritziger als noch in deinen „deutschen“ Jahren. Worin hast du dich in der Schweiz am weitesten entwickelt?

In der Schweiz haben wir ein ganz anderes Sommertraining. Es wird viel Wert auf den physischen Bereich gelegt. Der ist enorm wichtig. Ohne Kraft hat man am Ende auch keine gute Technik mehr. In diesem Bereich habe ich mich dann automatisch verbessert. Auch im Umdenken musste ich viel schneller werden. Hier hat man nicht so viel Zeit, den Kopf zu heben und zu schauen, wo passe ich jetzt hin. Der Druck vom Gegner ist sofort da und man muss sich entscheiden.

Eigentlich sollte es nur ein Gastspiel werden, aber es gefällt dir bei Zug, oder? Dieses Jahr bis du zweitproduktivste Spielerin hinter der Finnin Niemelä. Wie soll’s weitergehen?

Ja, es gefällt mir sehr gut hier. In der letzten Saison habe ich noch etwas gebraucht, um ins Spiel zu kommen und auch Punkte zu machen. Das hat am Ende aber recht gut geklappt und jetzt läuft es schon von Beginn der Saison. Ich bekomme auch sehr viel Vertrauen von unserem Trainer und auch vom Team. Wie es weitergeht, weiß ich noch nicht genau, aber ich denke eine weitere Saison werde ich schon noch spielen in der NLA.