Schöne Aussichten

Wernigerode nimmt Halle in die Mangel. / Foto: Stefanie Dabrowski | reddevils.org

Wernigerode nimmt Halle in die Mangel. / Foto: Stefanie Dabrowski | reddevils.org

Die Bundesliga startet an diesem Wochenende in ihre zweite Hälfte. Bislang hat die Saison überraschende Höhen und Tiefen geboten und insbesondere die Kräfte hinter Dauerprimus Weißenfels durcheinandergewürfelt. Das Floorballmagazin gönnt sich einen Blick zurück, bastelt eine kleine Silly Season und spekuliert haltlos drauf los. Wird spannend.

1. UHC Weißenfels (27 Punkte)
Neun Siege am Stück, ohne Punktverlust und mit einer Bilanz von fast fünfzehn erzielten Toren pro Spiel. Weißenfels zieht auf Platz eins einsam seine Runden. Und wenn es mal brenzlich wird, machen Goalgetter Soini (24 Tore) und Spielmacher Eskelinen (25 Vorlagen) den Unterschied. Aber auch in der Defensive steht der Titelverteidiger sicher und stellt nicht ohne Grund mit fünf Spielern die größte Enklave zum kommenden Zusammenzug der Nationalmannschaft. Alles andere als das erneute Double wäre eine Sensation.

2. TV Lilienthal (23)
Es wäre ungerecht zu behaupten, die Wölfe würden es den etablierten Vereinen, mit all ihren Legionären vormachen, wie man es aus eigenen Kräften schafft. Die Zugänge Kleinhans und in diesem Sommer Bröker haben Lilienthal einen offensiven Klassenunterschied zum ursprünglichen Kader verschafft. Die Konstanz und Stärke des diesjährigen Teams ist aber die Folge eines langjähren Reifeprozesses. Denn erheblich für den verdienten Platz zwei ist neben den gefährlichen Spitzen vor allem die zweitbeste Abwehr des Wettbewerbs (5,7 Gegentore im Schnitt). Weil Lilienthal nach dem Pokalstrauchler gegen Berlin mehr Luft für die Liga bleibt, sollte das Playoff-Finale klares Ziel sein.

3. Red Hocks Kaufering (19)
Als die Red Hocks vor zwei Jahren in die 1. Bundesliga aufstiegen und direkt nach Bronze griffen, war die komplette Szene aus dem Häuschen. In Wirklichkeit ist die aktuelle Saison die tatsächliche Überraschung. Kauferings Aderlass im Sommer war massiv und maskierte die Bayern als Kandidaten für die Relegation. Aber nix da. Rasso Schorers Schuhe passen in Christoph Hubers Fußstapfen und die Bayern rangieren auf einem sicheren Playoff-Platz. Außerdem wartet im Pokal-Viertelfinale Zweitligist Bremen – eine lösbare Aufgabe bei ausreichend spielerischer Disziplin. Und von der haben die Kauferinger deutlich mehr als im Vorjahr.

4. Red Devils Wernigerode (16)
Die Devils erwischten einen Katastrophenstart nach Maß. Drei Niederlagen am Stück. Tabellenkeller. Danach verbesserte sich die Lage deutlich, auch dank der verspäteten Transfers von Jousi und Saariokari. Zuletzt siegte Wernigerode dreimal am Stück und sicherte sich vorsichtshalber kurz vor Jahresende die Dienste eines weiteren finnischen Legionärs, des Torhüters Ville Jokela. Obwohl der zurückgekehrte Chris Ecklebe im Harzer Kasten nicht enttäuschte, dürfte eine solche Verstärkung besonders zum Tragen kommen. Im Pokal treffen die Devils auf Berlin, auf einem Playoff-Rang sind sie sowieso. Wernigerode ist wieder auf Kurs.

5. Floor Fighters Chemnitz (14)
Ähnlich wie Kaufering musste auch Chemnitz im Sommer richtig bluten und zahlreiche Stützen ziehen lassen. Was aber nachkam, hat es in sich. Eigentlich wirken die Auftritte des finnisch-tschechischen Duos Manninen-Jezek recht unspektakulär, Chemnitz steht aber dank seiner beiden Topscorer völlig überraschend auf einem Playoff-Platz. Manninen führt mit 21 Toren und 13 Vorlagen sogar die Scorerwertung der gesamten Liga an. In manchen Aktionen erinnert das eingespielte Pärchen sogar an die legendäre Ära von Syptak und Duchan, Mit Vilpolla transferierte sich auch Chemnitz einen spätes Weihnachtsgeschenk in den Kader. Alles drin.

Mannschaft der Stunde. Lilienthal stürmt auf Rang zwei. / Foto: Günter Pape, TV Lilienthal

Mannschaft der Stunde. Lilienthal stürmt auf Rang zwei. / Foto: Günter Pape, TV Lilienthal

6. BAT Berlin (12)
Berlin ist mal wieder das Achterbahnteam der Saison. Glanzvoller Saisonauftakt mit drei Siegen am Stück. Dann der Absturz mit fünf Niederlagen aus sechs Spielen. Darunter auch ein bitterer Buzzer Beater im letzten Ligaspiel des Jahres, als Chemnitz mit der Schlusssirene in Berlin drei Punkte holte. Für gute Laune sorgt zumindest der Pokal. Dort gab es einen Overtime-Sieg in Lilienthal, gegen das man drei Jahre in Folge aus dem Cup ausgeschieden war. BAT hat den Abschied erfahrener Defensivkräfte solide verkraftet, befindet sich aber noch auf einem unberechenbaren Schlängelkurs. Der Strich rückt gefährlich nahe.

7. ETV Hamburg (10)
Große Erwartungen hatte man in Hamburg vor der Saison nicht. 15/16 verpasste der ETV die Playoffs und musste sich daraufhin im Sommer von einer Reihe erfahrener Kräfte verabschieden. Die Zugänge hielten sich in Grenzen. So gesehen sind die Auftritte der Piranhhas bislang mehr als passabel, die Playoffs bleiben sogar in greifbarer Nähe. Bitter schmeckt aber das 2:9-Pokaldebakel gegen die ambitionierten, aber immer noch zweitklassigen Schriesheimer. In Anbetracht des zu erwartenden Schlussspurts Leipzigs und der bisherigen Stärke der Konkurrenz dürfte der ETV auch dieses Jahr nicht an der Relegation vorbeikommen. Ein Abstieg ist aber unwahrscheinlich.

8. MFBC Löwen Leipzig (9)
Vor wenigen Tagen meldete der MBFC den Rücktritt von Head-Coach Felix Friedrich, aus „beruflichen Gründen“. Dem Team wird frischer Wind auf der Trainerbank aber nicht schaden. Besondere Impulse konnte Friedrich nicht setzen, die bisherigen Leistungen der Leipziger waren miserabel. Aufgemotzt mit den Zugängen von Hruby und Koivistoinen dümpelt der MFBC auf Platz acht herum. Weniger Punkte haben nur die Aufsteiger. Für defensiven Offensivdruck dürfte Rückkehrer Novotny sorgen. Auch Weidemann ist zurück im Kader. Das Traineramt übernimmt nun komplett Mattias Persson, unterstützt von Ex-Headcoach Silke Unger und Routinier Hruby. Leipzig bleibt aber der Comeback-Spezi der Liga und dürfte somit im Frühjahr ordentlich anziehen.

9. SC DHfK Leipzig (3)
Dank eines 7:5-Sieges im direkten „Abstiegsduell“ gegen Halle ist Leipzig seit Jahresende Vorletzter. Und tatsächlich konnte sich der Aufsteiger schrittweise steigern. Vor allem die Defensive bekamen die Messestädter unter Kontrolle. Hatte Leipzig in seinen ersten sechs Saisonspielen in jeder Partie noch über zehn Tore kassiert, lag man am siebten Spieltag gegen Berlin kurz vor Spielende nur mit 1:2 zurück (Endstand durch Empty-Net-Tore 1:4). Die Leistungskurve zeigt nach oben. Sollte sich Leipzig auf Platz neun behaupten, warten in der Relegation aber ambitionierte Zweitligisten.

10. Saalebiber Halle (2)
Unverkrampft und mutig startete Halle in die Saison und zeigte in einigen Partien, dass der Aufstieg ins Oberhaus berechtigt war – nicht nur beim 6:5-Overtimesieg gegen Hamburg. Im Spieltempo und unter Drucksituationen hinken die Saalebiber der Konkurrenz aber noch deutlich hinterher, zumal dem Kader waschechte Scorer und erfahrene Keeper fehlen. Der Hallenser Ligaerhalt wird nur über Leipzig führen.

Hier geht’s zur aktuellen Tabelle und zur Scorerwertung der 1. Bundesliga.