Der entscheidende Punch

Chemnitz kämpft gegen die Relegation. / Foto: MFBC PR, Johannes Waschke, johannes-waschke.de

Chemnitz kämpft gegen die Relegation. / Foto: MFBC PR, Johannes Waschke, johannes-waschke.de

Die Floor Fighters erleben eine ereignisreiche Saison. Zwischen Sensationssiegen und Punktabzügen, zwischen Toptransfers und bitteren Abgängen. Laut Kapitän Sascha Franz muss ein Verein mit einer solchen Umbruchsaison umgehen können. Und die Playoffs schreibt er noch lange nicht ab.

Floorballmagazin: Trotz zahlreicher Ausfälle war der Auftritt beim MFBC über weite Strecken überzeugend. Eine Niederlage konntet ihr trotzdem nicht verhindern. Was muss sich für die nächsten Runden ändern?

Sascha Franz: Es muss uns gelingen, wieder mehr Konstanz in unser Spiel zu bringen. Sehr guten Phasen folgen zu häufig längere Schwächephasen. Im Spiel gegen den MFBC, aber auch schon gegen Hamburg, hat uns zudem die Kadertiefe und damit die Kraft gefehlt, um letztlich in den entscheidenden Situationen den Bock umzustoßen. Krankheiten, Verletzungen und nicht zuletzt die sächsischen Winterferien haben dazu geführt, dass wir nur mit zwei Linien statt der üblichen drei auskommen mussten. Zudem waren wir dadurch gezwungen die Reihen umzustellen was natürlich den Rhythmus etwas gestört hat. Gegen Kaufering wird die Mannschaft aller Voraussicht nach wieder komplett sein.

Der Abgang von Jezek wiegt schwer. Das Zusammenspiel mit Manninen war in der Hinrunde verantwortlich für wichtige Punkte. Warum konnte man ihn nicht halten?

Floorball ist in Deutschland immer noch eine reine Amateursportart. Neben den eigenen Trainings und der Hilfe bei der Nachwuchsarbeit müssen unsere ausländischen Spieler noch einem Job nachgehen, um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können. Leider ist es uns hier nicht gelungen eine passende Stelle für ihn zu finden, so dass er sich vor Weihnachten entschloss in seine Heimat zurückzukehren.

Der Verband hat entschieden, Euch aufgrund der bekannten Schiedsrichterproblematik drei Punkte abzuziehen (siehe Verbandsmeldung). Ihr habt nun wiederholt Einspruch eingelegt. Wie stehen die Chancen auf Erfolg und wie möchtet ihr mit diesem Problem in Zukunft umgehen?

Vorab möchte ich klarstellen, dass wir uns der Schiedsrichterproblematik in unserem Verein bewusst sind und hier unserer Verantwortung als Bundesligist gerecht werden wollen und müssen. Leider haben unseren Verein in den letzten Jahren wichtige Personen studien- und berufsbedingt verlassen, so dass es uns nicht gelungen ist, diese Baustelle kurzfristig zu schließen und das Kontingent vollständig zu erfüllen. Die Frage wie wir in Zukunft damit umgehen werden, stellt sich nicht, da wir bereits begonnen haben intensiv an dieser Problematik zu arbeiten. Leider lassen sich Bundesliga-Schiedsrichter nicht kurzfristig ausbilden, sondern es braucht ein gewisse Zeit – was auch seine Richtigkeit hat. Wir haben mittlerweile einen Instruktor in unserem Verein. Durch diesen konnten wir 22 eigene Schiedsrichter ausbilden und haben anderen Vereinen die Möglichkeit gegeben ihre Schiedsrichter ausbilden zu lassen. Zudem stellen wir einen Schiedsrichterbeobachter, zwei Schiedsrichter, die auf Bundesligaebene pfeifen, und haben für die nächste Saison entsprechende Personen bereit, welche die notwendigen Lizenzen erreichen können. Wir sind also nicht ganz untätig. Bezüglich des Einspruchs rechnen wir uns natürlich Chancen aus. Ansonsten hätten wir nicht erneut Widerspruch eingelegt. Meiner persönlichen Meinung nach ist der Sachverhalt im Reglement des Verbandes eindeutig geregelt und nur dies sollte Gegenstand der Diskussion sein. Die dafür zuständigen Gremien werden eine entsprechende Entscheidung treffen.

Am kommenden Wochenende steht schon das nächste Schlüsselspiel an. Im Hinspiel gab es eine 4:6-Niederlage. Sollte der Punktabzug bestehen bleiben, ist das die letzte Chance im Playoff-Rennen zu bleiben. Ist der Druck spürbar?

Einen Druck verspüren wir nicht, eher den Hunger auf die Playoffs. Wir befinden uns in einer Umbruchsaison. Wir haben den wohl jüngsten Kader der Bundesliga. Zehn Spieler sind zwischen sechzehn und neunzehn Jahren alt. Sieben Stammkräfte aus den ersten beiden Reihen haben uns vor der Saison verlassen. Wir haben das als Herausforderung gesehen und diese bisher gut gemeistert. In einigen engen Spielen fehlte uns noch der entscheidende Punch, aber wir konnten auch schon für die ein oder andere Überraschung sorgen und werden in den verbleibenden Spielen nochmal alles aus uns herausholen. Am 2. April wird dann abgerechnet.

Rückschlag. 4:9 gegen Leipzig. / Foto: MFBC PR, Johannes Waschke, johannes-waschke.de

Rückschlag. 4:9 gegen Leipzig. / Foto: MFBC PR, Johannes Waschke, johannes-waschke.de

Chemnitz soll an IFF-Quali-Events interessiert gewesen sein. Der Weltverband bestand aber auf einer längerfristigen Verpflichtung. Welche Veranstaltungen sind für Euch interessant?

Es ist richtig, dass wir in Chemnitz immer Interesse daran haben, Veranstaltungen auszurichten. Wir haben uns als Ausrichter größerer Veranstaltungen ein sehr gutes Know-How angeeignet und ein tolles Organisations- und Helferteam hier in Chemnitz aufgebaut. Der gesamte Verein steht hinter solchen Events. Wir haben bereits mit zahlreichen Veranstaltungen bewiesen, was wir leisten können. Der Verband hatte hier stets einen sehr verlässlichen Partner an seiner Seite, der beispielsweise zwei final4-Events nahezu selbstständig organisiert hat. Wir hatten Interesse an der Ausrichtung eines WM-Qualifikationsturniers. Leider ist die IFF in ihrer Veranstaltungsvergabe zu kurzfristig aufgestellt. Andere Sportarten sind hier deutlich weitsichtiger in ihren Planungen. Die Stadt Chemnitz ist für uns immer ein starker Partner und wir erhalten hier sehr gute Unterstützung, jedoch müssen Großevents langfristig geplant werden und andere Sportarten schlafen nicht. Eine internationale Veranstaltung ist sehr reizvoll, jedoch ist hier ein Jahr Vorlaufzeit einfach zu wenig. Wenn sich der nationale Verband in Zusammenarbeit mit einem Verein um eine solche internationale Veranstaltung bewirbt, sollte dann auch schnellst möglich eine entsprechende Zu- oder Absage kommen.