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Nordhessenreport – Floorball in Kassel

9 März 2010 5 Comments

Jubel auf der Kasseler Bank - die Premierensaison läuft besser, als erwartet. /Foto: Archiv der Kassel Rangers

Es ist unbestritten, dass Universitäten einen großen Beitrag zur Entwicklung von Floorball in Deutschland leisten. Abgesehen von den richtigen Vereinen, die im Ligabetrieb um Punkte kämpfen, entstanden und entstehen auch weiterhin unzählige Mannschaften im Hochschulsport. An der Uni Kassel wird nun schon seit gut fünfzehn Jahren Floorball gespielt. Gestartet als Freizeitgruppe, später bereits Turniermannschaft, ist man mittlerweile in der Regionalliga Kleinfeld angekommen. Und damit ist die Entwicklung noch längst nicht abgeschlossen – ein Bericht über die Geschichte, den Status quo und die Zukunft des Floorballgeschehens in der documenta-Stadt.

Der Anfang der Geschichte geht bis in die Mitte der 90´er Jahre zurück, als ein schwedischer Student einen Unihockeykurs im Kasseler Hochschulsport gründete. Nach kurzer Zeit endet das Engagement des Schweden in Nordhessen, der Sport hatte dank ihm aber seine Wurzeln geschlagen. Das aktuell auf Landesniveau vertretene Team der Kassel Rangers brauchte trotz allem ein gutes Jahrzehnt, um mit einem Team in der hessischen Verbandsliga zu starten. Einige der Spieler der heutigen Mannschaft, die Ende der 90´er mit Floorball in Kassel angefangen haben, erinnern sich noch lebhaft daran, wie sie damals mit ganz einfachen Kinderschlägern gespielt haben – Relikte einer anderen Zeit.

Torhüterausrüstung ohne Nutzen

Ein großes Problem war vom Start weg das Fehlen kompetenter Übungsleiter gewesen, die neuen Spielern die Prinzipien des Spiels sowohl im Großfeld- als auch Kleinfeldbereich vermitteln konnten. Und so spielte man lange Zeit nur im Mixed-Modus ohne Torhüter und dass, obwohl die Universität  auch eine komplette Torhüterausrüstung für das Team gekauft hatte. Von 2000 bis 2004 nahm man jedes Jahr an den „Gasunie Open“ in Groningen (Niederlande) teil. Vor allem die Partien gegen die schwedischen und die schweizer Teams blieben dabei in Erinnerung. Die stetig besseren Platzierungen – der Höhepunkt war ein vierter Platz in der 2004´er Auflage – bezeugten zudem die stetige Weiterentwicklung des Kasseler Teams.

Der Charme eines Floorballturniers - Alle Teams übernachten gemeinsam in der Halle. Die Rangers haben beim Floorballmeeting 2009 in Münster im Vordergrund Stellung bezogen. /Foto: Archiv der Kassel Rangers

Wie es so ist  im Leben, brachte ein Zufall einen wichtigen Impuls in Richtung Ligabetrieb. Als man bei seiner ersten Teilnahme bei den „Schriese Open“ 2005 in Schriesheim in die Halle kam, musste man mit Erstaunen feststellen, dass dort mit drei Feldspielern und einem Torwart gespielt wurde. Das war der Beginn einer neuen Ära für das Team aus Nordhessen. Denn fortan spielte man ebenfalls im Kleinfeldmodus – bis man endlich in einer Liga startete, sollten jedoch noch ein paar Jahre ins Land ziehen.

Der Durchbruch

In der Folge nahm man zwar vermehrt an Turnieren teil, das Team selbst entwickelte sich spielerisch wie  technisch jedoch nicht groß weiter. Nach einem Generationswechsel, der vor drei Jahren angefangen hat – viele ältere Spieler hörten auf, Zugezogene brachten neue Ideen und Impulse – gab es endlich den Durchbruch. Seither entstand um den ehemaligen Nationalspieler Adam Krupinski, den Schweden Oscar Haglund, den Tschechen Dan Slauf und um die langjährigen Ligaspieler Moritz Haupt, Sebastian Siebert u.a. ein fester Kern an Spielern, der sich stetig erweiterte.

Einer der Teamstützen - Oscar Haglund beim Torabschluss. /Foto: Archiv der Kassel Rangers

Schließlich hatte man genügend Spielermaterial und -potenzial beisammen, um in dieser Saison den langersehnten Schritt in den Ligabetrieb zu wagen. Natürlich ging dem ein langer Prozess voraus – die Übungsleiter nahmen an Lehrgängen teil, im taktischen Bereich wurde viel gearbeitet, die Torhüter mussten geschult werden und noch einiges mehr. Die Unterstützung durch die Universität darf in dem Zusammenhang ebenfalls nicht unerwähnt bleiben, da sie die ganze Infrastruktur entscheidend gefördert  hat, sei es mit Hallenzeiten, dem Unibus für Auswärtsfahrten oder Equipment.

Erfolgreiche Premiere

Das erste Jahr in der hessischen Verbandsliga Kleinfeld ist für die Rangers ein voller Erfolg. Nicht nur, dass man vor dem letzten Spieltag Ende März in der fünf Mannschaften starken Liga auf einem beachtlichen zweiten Rang liegt, es gelang dem Neuling zudem als einziger Mannschaft Meister Berkersheim zu besiegen. Der absolute Saisonhöhepunkt war aber der dritte Spieltag, der in Kassel stattfand. Erstmals mussten die Rangers einen Heimspieltag organisieren und das Ergebnis übertraf alle Erwartungen. Nicht nur die Resonanz der anderen Teams war äußerst positiv, auch die Tatsache das sowohl das lokale Fernsehen als auch die größte regionale Tageszeitung („Hessisch-niedersächsische Allgemeine“) von den Spielen berichteten, zeugen von einer mehr als gelungenen Premiere.

Die Grenzen eines Uniteams

Seltene mediale Aufmerksamkeit beim ersten Heimspieltag der Kasseler Geschichte. /Foto: Archiv der Kassel Rangers

Natürlich kann man im Rahmen des Hochschulsportes durch unzureichende Hallenzeiten, fehlende Nachwuchsarbeit – einer Uni liegt eben an der Förderung von Studenten nicht von Schülern – oder etwa die Einteilung in eine Wettkampf- und eine Freizeitgruppe gewisse Grenzen nicht überwinden Aber damit muss jedes Universitätsteam leben und daher nach eigenen Auswegen suchen. Will man in Kassel auf die nächste Stufe kommen, müsste man sich einem Verein angliedern und sich damit vom Hochschulsport distanzieren. Ob dieser Weg tatsächlich eingeschlagen wird, steht noch in den Sternen, zumal dafür viel Arbeit anstehen würde. Die Übungsleiter müssten Trainerscheine machen, Schiedsrichterlizenzen erworben werden und die Werbung von Jugendlichen an Schulen vorangetrieben werden.

Zukunft: Großfeld

Ein weiterer Traum der Rangers-Verantwortlichen ist die Gründung eines Großfeldteams. Obwohl es dem Team, bis auf wenige Ausnahmen, komplett an Großfelderfahrung fehlt, erreichte man 2009 im ersten Spiel seiner Geschichte auf dem 20m x 40m-Feld ein respektables 2:4 gegen Floorball Butzbach. Zu dem Willen der Spieler, lieber fünf gegen fünf zu spielen, trug auch die Tatsache, dass sich die Kleinfeldvariante grundsätzlich eher auf dem absteigenden Ast befindet, zu der Erkenntnis bei, dass diese Umstellung so schnell wie möglich stattfinden muss – auch um das Image des Floorballs in Hessen willen. Eine Großfeldmannschaft, aktiv im Ligabetrieb, könnte mit Sicherheit für einen Schub des Sportes in der Region sorgen, sodass sich Floorball auf lange Zeit gesehen neben den etablierten Stocksportarten, allen voran natürlich Eishockey (Kassel Huskies), etablieren wird. Angesichts des jüngsten Sprungs in der Entwicklung der Rangers scheint dieses Ziel keine Utopie.

(Dimitri Sendetski)

Mehr zu den Kassel Rangers erfährst du auf deren Website, Informationen zur hessischen Verbandsliga findest du hier.

5 Comments »

  • floorballmafiawest said:

    Schöner Bericht und toll zu lesen, dass es auch in Hessen so gut voran geht. Das Turnier in Münster (Übernachtungsfoto) heißt übrigens Floorball Meeting Münster und nicht Festival. Das Floorball Festival ist das Großfeldturnier in Köln. Das Floorball Meeting Münster (KF) findet dieses Jahr übrigens erneut statt und soll mit 50 Teams in 3 Hallen das größte Turnier Deutschlands werden. http://www.floorballmeeting.de

    Übrigens hat Münster eine ganz ähnliche Geschichte wie Kassel, steht nun aber mit eine Mannschaft in der 2. Liga, einer GF Mannschaft in der Regio und einer KF Damenmannschaft und KF Herrenmannschaft ebenfalls im Spielbetrieb. Dazu kommt noch eine U11. Einem Verein hat man sich nie angeschlossen, sondern einen Unihockey Club gegründet. Dieser spielt weiterhin in Kooperation und unter dem Dach des Hochschulsports.

    Also diese Verbindung nutzen und nicht wie im Bericht beschrieben “vom Hochschulsport distanzieren”!!!

  • estboss said:

    Ich denke, unter Distanzierung ist gemeint, daß diejenigen, die sich weiter entwickeln wollen und eine GF-Mannschaft bilden wollen, müssen als Verein nicht von der Uni abhängen.. der Floorballkurs an der Uni wäre dann für alle nach wie vor zugänglich und wäre dann fürs Zocken gedacht =)

  • floorballmafiawest said:

    Ja schon soweit klar, nur ist es unter Umständen auch möglich, ein Wettkampf (GF) Training an der Uni zu machen, so wie z.B. in Münster. Ist sicher nicht überall möglich und ein eigener Verein – losgelöst von der Uni – sicherlich in jeglicher Hinsicht ein gutes und unterstützenswertes Vorhaben! Nur wenn das nicht klappt, ist die Uni auch nicht immer die schlechteste Alternative…

    Jedenfalls viel Erfolg!

  • estboss said:

    Uni bleibt bei uns auf jeden Fall an erster Stelle, weil z.B. GF bei uns im Rahmen des Hochschulsports gar nicht möglich ist (Zeiten und Hallenteile sind zu knapp)… so daß man gezwungen ist, im Hochschulsport nur KF mit oder ohne TW zu spielen… mit einem Verein hätte man eine Chance woanders eine Halle fürs GF-Training zu bekommen… ))

  • mad.max2010 said:

    schöner Bericht…, macht weiter so!

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